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Wirtschaft

Kraftstoff Krieg

Die Irak-Krise hat den Öl-Multis im ersten Quartal des Jahres Rekordgewinne beschert. Der hohe Ölpreis spülte Milliarden Dollar in die Konzernkassen. Über Traumrenditen können sich Anleger aber trotzdem nicht freuen.

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Irakische Ölförderanlagen müssen erneuert werden

Angst belebt das Geschäft. So könnte das Fazit der Ölkonzerne nach der Vorstellung ihrer Ergebnisse für das erste Quartal lauten. Ihre Gewinne erreichten fast ausnahmslos astronomische Dimensionen: Der weltweit größte Energiekonzern, Exxon Mobil aus Irving in Texas, konnte mit 7,04 Milliarden Dollar seinen Gewinn im Vergleich zum ersten Quartal 2002 fast verdreifachen. Der britische Konkurrent BP steigerte seinen Nettogewinn um über 130 Prozent. Auch der britisch-niederländische Energiekonzern Royal Dutch/Shell verdoppelte sein Ergebnis.

Den Geldsegen haben die Konzerne den hohen Öl- und Erdgaspreisen in den ersten drei Monaten 2003 zu verdanken. Der durchschnittliche Preis je Barrel (159 Liter) lag bei über 31 Dollar, während er im vierten Quartal des Vorjahres noch um die 25-Dollar-Marke pendelte. Gleich mehrere Krisen in Ländern mit wichtigen Erdölvorkommen trieben den Ölpreis in die Höhe. Neben dem Streik in Venezuela und den Unruhen in Nigeria fiel besonders der Irak-Konflikt ins Gewicht. Die weltweite Furcht vor einer kriegsbedingten Verknappung von Erdöl habe viele Länder dazu bewegt, sich hohe Lagerbestände anzulegen, sagt Gernot Klepper vom Kieler Institut für Weltwirtschaft im Gespräch mit DW-WORLD. In der Spitze kletterte der Ölpreis auf fast 34 Dollar pro Barrel. Nur ein einziges Mal war Erdöl in der Geschichte teurer, nämlich während des Krieges zwischen Iran und Irak Anfang der 80er Jahre.

In Friedenszeiten sinkt der Ölpreis

Die Rekordgewinne sind nach Expertenansicht aber wohl ein einmaliges Strohfeuer, das die Aktienmärkte weitgehend kalt lässt. Die Aktie von BP, dem zweitgrößten börsennotierten Öl-Multi, musste sogar Verluste hinnehmen. "Die Aktienmärkte haben die Entwicklung des zweiten Quartals vorweggenommen, nämlich dass der Ölpreis weiter sinken wird", meint Rainer Wiek vom Energie Informationsdienst zu DW-WORLD. Seit dem Einmarsch der US-Soldaten in Bagdad und einer Beruhigung der Lage in Venezuela und Nigeria ist der Preis wieder deutlich gesunken, auf etwa 24 Dollar pro Barrel.

Die lahme Weltkonjunktur könnte den Preis noch weiter nach unten drücken. "Das Problem auf dem Ölmarkt ist, dass sich die Konjunktur stark auf die Preise auswirkt", sagt Klepper. Vor allem die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ist an einem stabilen Ölpreis interessiert. Für Unruhe sorgt bei manchen Mitgliedern die Frage, wann und in welchem Umfang der Irak wieder Öl exportieren wird. Manche Länder wie der Iran oder Saudi-Arabien fürchten, die USA könnten die irakische Ölproduktion wieder ankurbeln und den Ölpreis stark nach unten drücken. Das hält Wiek aber für unwahrscheinlich. Es brauche Jahre, um die nach zwei Kriegen und zwölf Jahren UN-Embargo stark mitgenommen Ölförderanlagen wieder auf den Stand vor der Invasion in Kuwait 1991 zu bringen.

Milliardenschwere Verträge ohne Gültigkeit?

Nach Ansicht Kleppers seien die USA auch gar nicht an niedrigen Ölpreisen interessiert. "Ein Teil des amerikanischen Öls stammt aus heimischer Produktion. Fällt der Preis unter 20 Dollar bekommen auch die amerikanischen Produzenten ein Problem." Konfliktstoff birgt jedoch die Frage nach der Gültigkeit von Verträgen über milliardenschwere Förderprojekte, die französische und russische Ölkonzerne nur kurz vor dem Krieg mit der ehemaligen irakischen Regierung abgeschlossen hatten. "Das ist völlig offen", so Wiek.

Klar ist allerdings, dass die Ölmultis ihre Fühler längst nicht mehr nur im mittleren Osten ausstrecken. Die Zukunft gehört auch dem russischen Markt. Konzerne wie BP haben sich dort bereits auf dem Markt positioniert, müssen sich aber auf harte Konkurrenz mit russischen Firmen einstellen. Erst kürzlich haben die beiden Unternehmen Yukos und Sibnet ihre Fusion bekannt gegeben. Von 2004 an wollen sie als einer der größten Ölkonzerne der Welt auftreten.

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