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Aktuell Deutschland

Krach bei der AfD

Für die Gegner der "Alternative für Deutschland" dürfte dies ein gefundenes Fressen sein: Führungsstreit bei der AfD. Wie hält es die Partei mit demokratischen Gepflogenheiten? Und wie viel Macht strebt Bernd Lucke an?

Jedenfalls spitzt sich die interne Debatte einem Bericht von "Spiegel Online" zufolge erheblich zu. Demnach haben mehrere führende AfD-Funktionäre den Vorstandssprecher Bernd Lucke in einem Brief scharf angegriffen und ein "offenes und ehrliches Gespräch" verlangt. In dem dreiseitigen Schreiben wird Lucke "Führung nach Gutsherrenart" vorgeworfen. Zudem sei von Drohungen die Rede und von Aktionen "ohne Rücksprache" mit dem Parteivorstand. Am Ende des Schreibens werde Lucke ein konkreter Gesprächstermin im Januar und ein Treffpunkt genannt: Er solle sich in Frankfurt am Main einfinden.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören dem Bericht zufolge die Ko-Vorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam, der brandenburgische Landeschef Alexander Gauland sowie die Europaabgeordneten Beatrix von Storch und Marcus Pretzell.

Lucke selbst zeigte sich unzufrieden, dass parteiinterne Kontroversen nun auch öffentlich ausgetragen werden. "Ich bedauere sehr, dass solche Dinge über die Presse laufen", erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Er werde sich an dieser Debatte nicht beteiligen, stehe aber immer für Gespräche im Bundesvorstand zur Verfügung. Der Vorstand habe zudem mehrheitlich die nun von einigen Mitgliedern kritisierte Einberufung einer Kreisvorsitzendenkonferenz
unterstützt.

Lucke bekommt Unterstützung von Henkel

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Hans-Olaf Henkel stellte sich hinter Lucke und dessen Pläne. Die Partei gebe zurzeit oft ein schlechtes Bild ab, weil die drei Sprecher Gegensätzliches von sich gäben, sagte Henkel dem "Tagesspiegel am Sonntag". Dieses Modell habe sich "nachhaltig nicht bewährt". Kein Orchester werde von drei Dirigenten geleitet, kein Fußballverein von drei Cheftrainern.

Alexander Gauland, Sprecher der Partei Alternative für Deutschland (Foto: Picture-alliance/dpa)

Gegenspieler? Alexander Gauland

Der parteiinterne Machtstreit innerhalb der AfD gärt bereits seit Wochen. Bislang stehen drei Vorstandssprecher gemeinsam an der Spitze der Partei: Lucke, Petry und Adam. Über die Neuordnung soll voraussichtlich in Kürze ein Parteitag entscheiden. Lucke will dem Vernehmen nach dort eine neue Satzung durchsetzen, die seine Führungsrolle zementieren würde. Wer nach dem Mitgliederparteitag als Sieger vom Platz gehen wird, ist noch offen. Politische Beobachter sind aber davon überzeugt, dass sich in Bremen entscheidet, ob die AfD eine feste Größe in der deutschen Parteienlandschaft wird oder ob ihr möglicherweise eine Austrittswelle droht, von der sie sich kaum erholen wird.

ml/kle/ab (dpa, afp)