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Europa

Kräutergarten statt Firma

Immer mehr Portugiesen nutzen die Wirtschaftskrise als Anstoß für einen Neuanfang. Viele setzen dabei auf Bioanbau - in Portugal gibt es inzwischen über 2000 Biobauern. Dazu gehört Luis Alves mit seiner Biokräuterfarm.

Blick auf Beete mit Kräutern (Foto: Nina Gruntkowski)

Bio ist in: Die Biokräuterfarm exportiert ihre Produkte

Luis Alves geht über das hügelige Gelände des "Cantinho das Aromáticas" am Rande der Stadt Porto. Links und rechts wachsen Rosmarin, Zitronenverbene und andere Kräuter - alles bio. Die Pflänzchen schauen aus einer schwarzen, wasserdurchlässigen Plastikplane heraus, die den Boden bedeckt.

Neuer Trend zur Landwirtschaft

Ein Mann lacht in die Kamera und streichelt eine Katze (Foto: Nina Gruntkowski)

Luis Alves hat seinen Traum verwirklicht - und es funktioniert

Das Wasser verdunste so langsamer und es könnten keine Unkräuter wachsen, erklärt der 37-jährige Luis. Die Wärme unter den Planen sei außerdem gut für Reptilien. "Wir haben da einen richtigen kleinen 'Jurassic Park'. Die Tiere fressen die Schnecken und anderes Ungeziefer. Wir sind sehr froh über diese Freunde, die umsonst für uns arbeiten."

Der Bioanbau war schon lange Luis' Traum. Vor sieben Jahren gab der studierte Agrarwirt deshalb seinen Job als leitender Gärtner im Museumsgarten von Serralves auf und mietete die Anbaufläche eines kleinen Landguts. Mit Hilfe von EU-Geldern baut er auf biologischen Anbauflächen Kräuter an, die er - getrocknet - nach Südfrankreich exportiert. In Portugal selbst kann man die Kräuter im Internet bestellen. Inzwischen hat Luis vier Angestellte und viele freiwillige Helfer. "Es werden immer mehr Menschen, die auf uns zukommen, weil sie ihr Leben ändern möchten", erzählt Luis. "Sie wollen keine modernen Arbeitssklaven mehr sein, sondern etwas ganz anderes machen, nämlich Landwirtschaft."

Alternative: ein Leben auf dem Land

Ein Mann pflanzt kleine Pflänzchen ein (Foto: Nina Gruntkowski)

Armindo Oliveira könnte sich auch vorstellen, ins Biogeschäft einzusteigen

Luis betritt das Gewächshaus. Fünf Mitarbeiter knipsen gerade neue Setzlinge ab. Armindo Oliveira pflanzt sie in kleine Plastiktöpfchen. Seit mehreren Monaten packt er ein oder zwei Mal in der Woche freiwillig auf der Biokräuterfarm mit an. Der schmächtige junge Mann hat ein eigenes Textilunternehmen, das jedoch immer schlechter läuft. "Die Konkurrenz aus den Billigländern macht uns zu schaffen. Ich sehe eigentlich keinen anderen Weg, als mich nach neuen Möglichkeiten umzuschauen - und der Bioanbau erscheint mir zukunftsträchtig", erklärt er sein Engagement. Obwohl Armindo in der Stadt aufgewachsen ist, ist dem 32-Jährigen die landwirtschaftliche Arbeit nicht fremd: Wie die meisten seiner Generation hat er als Kind seine Ferien auf dem Bauernhof der Großeltern verbracht.

So geht es auch Gloria Santos Silva. Zwei Jahrzehnte lang hat sie ein mittelständisches Unternehmen für Plastikverpackungen geleitet. Zu Beginn der Krise hat sie die Firma verkauft, um neu anzufangen. "Ich habe immer gesagt, dass ich eines Tages mit Gummistiefeln und Handschuhen enden würde. Ich möchte gerne aufs Land gehen, um meinen Beitrag zu einer besseren Landwirtschaft zu leisten", sagt sie. Mit der freiwilligen Arbeit auf der Biokräuterfarm will die vierfache Mutter und Frau eines Rechtsanwaltes diesen Schritt vorbereiten.

Biokräuter aus Portugal für die ganze Welt

Auf Regalen stehen Dosen und Flaschen (Foto: Nina Gruntkowski)

Der Export der Bioprodukte läuft gut

Luis Alves vom "Cantinho das Aromáticas" unterstützt seine Mitarbeiter bei ihren Plänen: Er teilt seine Erfahrungen mit ihnen - und hofft auf eine spätere Zusammenarbeit. Denn er alleine könne nicht genügend Kräuter für den internationalen Export produzieren, sagt Luis. "Deswegen unterstütze ich jeden, der mit dem Anbau von Biokräutern beginnen will. Wir könnten uns dann zusammenschließen, um gemeinsam die für den internationalen Markt nötigen Mengen anbieten zu können."

Autorin: Nina Gruntkowski
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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