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Wirtschaft

Kräftiges Wirtschaftswachstum in der Türkei

Die Wirtschaft taumelt, so eine deutsche Zeitung unlängst zur Lage der Türkei. Jetzt vermeldet das Statistikamt in Ankara vier Prozent Wachstum für 2015, ein Prozent mehr als im Vorjahr. Trotzt das Land den Unkenrufen?

Gemessen an den Zuwachsraten anderer Länder in Europa ist das türkische Wirtschaftswachstum ansehnlich. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres lag das Plus sogar bei 5,8 Prozent und besserte die Bilanz des ganzen Jahres auf. Getragen wurde das Wachstum von höheren Konsumausgaben und steigenden öffentlichen Investitionen.

Der stellvertretende Regierungschef sparte am Donnerstag auch nicht mit Selbstlob: "Wir haben den Erfolg ungeachtet zweier Wahlen, wachsenden geopolitischen Spannungen in unserer Region, Problemen bei unseren Handelspartnern und schwankenden globalen Finanzmärkten geschafft", sagte Mehmet Simsek.

Optimistische Prognosen

Für das laufende Jahr rechnet die Regierung nach Angaben vom Wochenbeginn mit einem noch höheren Wachstum. Das könnte sich als sehr optimistisch erweisen. Die Türkei leidet unter dem Krieg an ihren Grenzen und am wieder entfachten Konflikt mit den Kurden im eigenen Land. In den vergangenen acht Monaten gab es sechs Anschläge, die der IS-Miliz oder kurdischen Gruppen zugeschrieben werden. Im vergangenen November führte der Abschuss einer russischen Militärmaschine zu Spannungen mit Moskau. Seither meiden immer mehr russische Touristen das Land.

Russische Reisende waren die zweitgrößte Besuchergruppe im Land. Nach den jüngsten Anschlägen sinkt die Zahl der Touristen auch aus anderen Regionen. Allein im Februar lag das Minus bei zehn Prozent. Fachleute schätzen, die Probleme im Tourismus könnten die Türkei ein Prozent Wirtschaftswachstum kosten. Der Tourismus ist einer der größten Wirtschaftszweige. Geht er, wie befürchtet, dieses Jahr um ein Viertel zurück, dürften dem Land Einnahmen in Höhe von umgerechnet sieben Milliarden Euro entgehen.

Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Türkei Tourismus

Wirtschaftsfaktor Tourismus: Weniger Besucher in der Türkei

Hohe Arbeitslosigkeit

Die Türkei blickt auf eine rasante Entwicklung zurück. 2003 bis 2013 erlebte sie das größte Wirtschaftswachstum ihrer jüngeren Geschichte. 2010 und 2011 gab es Wachstumsraten von neuen Prozent. Dann belasteten die Krise in der Eurozone und die Kriege in Syrien und in Irak das Wachstum. Mittlerweile ist die Inflation auf neun Prozent gestiegen, und eine Arbeitslosenquote von knapp zehn Prozent birgt soziale Risiken.

Außerdem leidet die Türkei unter einem chronischen Außenhandelsdefizit. Das ließ sich in früheren Jahren dank hoher Investitionen aus dem Ausland ausgleichen. Die gehen jedoch seit längerem zurück. Im Jahr 2007 betrugen sie noch gut 19 Milliarden Euro, im vergangenen Jahr noch knapp 12 Milliarden Dollar. "Die Türkei muss die Rechtssicherheit ausbauen, um ausländisches Kapital anzuziehen", sagt Güven Sak vom Thinktank Tepav unlängst der deutschen "Wirtschaftswoche". "Kein Präsident kann es sich leisten, auf dieses Kapital zu verzichten."

Für das laufenden Jahr erwarten unabhängige Beobachter anders als die Regierung noch ein Wachstum von 3,5 Prozent. Das würde gerade noch reichen, um die Arbeitslosigkeit nicht weiter steigen zu lassen.

ar/hg (rtr, rtr, afp, Wirtschaftswoche)

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