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Wirtschaft

Kräftiger Aufschwung - weniger Kurzarbeit

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat sich im Mai überraschend deutlich verringert. Volkswirte führen das nicht nur auf die übliche Frühjahrsbelebung zurück. Die Krisenstimmung ist verflogen.

Ein Passant geht am Schaufenster des Jobcenters der Bundesanstalt für Arbeit entlang. ( Foto: dpa)

Die Krisenstimmung am Arbeitsmarkt scheint verflogen

Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (Foto: apn)

BA-Chef Weise: "Die Indikatoren zeigen eine mekliche Besserung"

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat sich im Mai deutlich um 165.000 verringert. Damit suchten noch 3,24 Millionen Menschen einen neuen Job, wie die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit am Dienstag (01.06.2010) mitteilte. Dies waren 217.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank von 8,1 Prozent im April auf jetzt 7,7 Prozent. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erklärte, der Frühjahrsaufschwung auf dem Arbeitsmarkt habe sich auch im Mai fortgesetzt. Die aktuelle Entwicklung zeige zudem bei den wichtigsten Indikatoren nochmals eine merkliche Besserung.

So ist auch die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland im ersten Quartal 2010 deutlich gesunken. Im März hätten nur noch 693.000 Männer und Frauen das konjunkturelle Kurzarbeitergeld bezogen, teilte die Bundesagentur weiter mit. Im Februar seien es noch 100.000 Menschen mehr gewesen. Zum Jahresbeginn hatte die Zahl der Betroffenen bei 855.000 gelegen, wie die Bundesbehörde berichtete. Die höchsten Kurzarbeiterzahlen gab es bislang im Mai 2009 mit 1,5 Millionen Betroffenen. Aktuell geht die Nachfrage nach Kurzarbeit weiter zurück. Im April beantragten die Betriebe die Hilfe nur noch für 55.000 Beschäftigte; im März waren es noch 67.000.

Volkswirte überrascht

Stellenangebote sind im Job-Point der Gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit (GGFA) in Erlangen (Mittelfranken) ausgehängt (Foto: dpa)

Der demographische Faktor fängt an zu wirken

Saisonbereinigt ging die Arbeitslosigkeit im Monatsvergleich um 45.000 zurück. Volkswirte hatten eine Abnahme um nur 20.000 erwartet. "Die Zahlen sind noch besser ausgefallen als erwartet", sagte zum Beispiel Stefan Mütze von der Hessischen Landesbank. "Die Konjunkturerholung wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus, die Euroabwertung wird sich wohl auch in den nächsten Monaten mit positiven Effekten in der Euro-Zone niederschlagen." Bei den Arbeitsmarktzahlen mache sich auch zunehmend der demographische Faktor bemerkbar: Immer weniger Menschen drängten auf den Arbeitsmarkt. Helaba-Volkswirt Mütze geht aber trotz der Konjunkturerholung nicht davon aus, dass es zu einer großen Einstellungswelle kommen wird. "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird wohl künftig eher stagnieren. Wir sehen 2010 und 2011 im Jahresdurchschnitt eine Arbeitslosenrate von acht Prozent."

Thomas Gitzel von der Landesbank Baden-Württemberg ergänzt: "Die Belebung der Industrieproduktion zeigt Wirkung. Die Stimmung hat sich aufgehellt, die Firmen stocken ihre Belegschaft auf. Die weitere Entwicklung schätzen wir verhalten optimistisch ein. Die positiven Auftragseingänge sprechen dafür, dass das Vertrauen in der Industrie weiter zunehmen wird. Risiken bleiben aber bestehen." Und Stefan Schilbe von HSBC Trinkhaus glaubt, dass der Arbeitsmarkt nicht nur von der saisonalen Belebung profitiert, "sondern auch davon, dass die Exporte gut laufen. Ich sehe zudem Indizien dafür, dass die Unternehmen nicht aus der Kurzarbeit heraus entlassen, sondern die Kurzarbeiter wieder Vollzeit beschäftigen. Das ist ein positiver Impuls und dürfte sich in besserer Konsumtätigkeit zeigen. Allerdings dürften die Diskussionen um Einsparungen den privaten Verbrauch belasten."

Autor: Rolf Wenkel (dpa, rtr, afp)
Redaktion: Henrik Böhme

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