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Europa

Kotzias: "Griechenland will gleichwertiges EU-Mitglied sein"

In Deutschland sollte man damit aufhören, die Griechen als Faulenzer und Zechpreller zu beschimpfen, meint der neue griechische Außenminister Nikos Kotzias im DW-Interview.

Deutsche Welle: Welche Art deutsch-griechischer Beziehungen stellt sich die neue griechische Regierung vor?

Nikos Kotzias: Es werden gleichwertige, ehrliche und kreative Beziehungen sein. Das Wesentliche, das sich geändert hat, sind nicht die deutsch-griechischen Beziehungen, sondern die Haltung Griechenlands. Wir möchten alle Partner daran erinnern, und ich bin mir sicher, dass Deutschland als europäisches Land es akzeptieren wird, dass Griechenland ein gleichwertiges Mitglied der Europäischen Union ist und nicht ein Land, das von Dritten regiert wird.

Will die neue griechische Regierung die aktuellen Schulden Griechenlands mit Forderungen aus Entschädigungszahlungen, Wiedergutmachungsleistungen und Rückzahlung des Zwangskredits aus der Zeit der deutschen Besatzung Griechenlands 'verrechnen'?

Zu allererst wollen wir, dass Deutschland versteht, dass es das Problem gibt. Es soll sich endlich an den Verhandlungstisch setzen mit Experten, Juristen und Historikern. Dann schauen wir, welche gemeinsame Lösung gefunden wird. Diese gemeinsame Antwort sollte allerdings der historischen Wahrheit entsprechen und noch etwas anderem: Die Deutschen, und ich meine die Medien, sollten damit aufhören mit dem, was ich in meinem letzten Buch als 'ökonomischen Rassismus' bezeichnet habe, nämlich uns als Faulenzer und Zechpreller zu beschimpfen, die nicht zahlen. Ihre Schulden sind älter. So wie wir die tatsächlichen Schulden zahlen müssen, um so mehr müssen sie ihre zahlen. Was auch immer Griechenland getan hat, seine heutigen Schulden sind das Ergebnis schlechter politischer Entscheidungen, die der Deutschen sind die eines schlimmen Krieges.

Wie ist Ihre Haltung zu den griechisch-russischen Beziehungen und welche Rolle spielt Griechenland in der Ukraine-Krise?

Mit Russland haben wir eine lange Tradition. Sie geht bis auf die Zeit der Kämpfe gegen die Unterdrückung von Bevölkerungsgruppen im europäischen Teil des Osmanischen Reichs zurück. Wir haben viele Elemente einer gemeinsamen Kultur. Auf heute bezogen heißt das, wir pflegen unsere Beziehungen zu Russland nicht, um aus der europäischen Familie auszutreten, sondern als ein Land, das besondere Möglichkeiten hat, eine Brückenfunktion zu übernehmen. Ich selbst habe der ukrainischen Regierung Vorschläge unterbreitet, wie wir bei den Gesprächen und Absprachen zwischen Kiew und Moskau vermitteln und helfen könnten.

In der öffentlichen Meinung Europas entstand der Eindruck, die neue griechische Regierung verfolge eine pro-russische Politik und verhindere eine einheitliche Haltung der Europäischen Union in der Ukraine-Krise. Wollen Sie tatsächlich eine andere Russlandpolitik als die übrigen EU-Mitglieder verfolgen?

Griechenland ist kein sonderbares Wesen, das zu Russland irgendwelche Merkwürdigkeiten sagt. Es hat aber Verwunderung hervorgerufen, dass wir ihnen gesagt haben, wir sind gleichwertig, wir haben eine Meinung. Ich würde sogar sagen, dass die drei Vorschläge, die ich in Brüssel [am 29. Januar beim informellen Treffen der Außenminister der Europäischen Union. Anm. der Redaktion] gemacht habe, am Ende angenommen wurden [Stützung der Ukraine, Bekämpfung separatistischer Tendenzen und Vermeidung von Vorgehensweisen, die zur Instabilität in der Region führen. Anm. der Redaktion]. Diejenigen, die ihr Veto eingelegt hatten, waren Polen, die Länder des Baltikums und die skandinavischen Staaten. Ganz am Ende stand das Vereinigte Königreich isoliert da. Ich verstehe nicht, warum uns eine Spaltung unterstellt wird, wo doch die Übereinkunft auf der Grundlage unserer Vorschläge erfolgte.

Nikos Kotzias ist seit dem 27. Januar neuer griechischer Außenminister. Er ist Professor für Politikwissenschaft, hat in Deutschland studiert und war lange Zeit Berater im griechischen Außenministerium.

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