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Wirtschaft

Kostenexplosion stoppt Transrapid

Überraschendes Aus für den Münchner Transrapid: Ein halbes Jahr nach der feierlichen Unterzeichnung einer Realisierungsvereinbarung platzte das Projekt wegen einer unerwarteten Kostenexplosion.

Fotomontage des Münchner Transrapid

Nach langem Zerren das Aus - Fotomontage des Münchner Transrapid

Der Transrapid ist in München am Ende, bevor er überhaupt jemals losgefahren ist: "Das Münchner Magnetschwebebahnprojekt ist gescheitert", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Donnerstag (27.03.2008) nach einen Krisentreffen in Berlin. Statt der zuletzt veranschlagten 1,85 Milliarden Euro würde die gut 37 Kilometer lange Strecke nun bis zu 3,4 Milliarden Euro kosten. Weder der Bund noch Bayern wollen nun ihre bisherigen Finanzierungszusagen aufstocken.

Die Industrie will trotz des Desasters weiter in die Technologie investieren und Abnehmer im Ausland suchen. "Wir sehen diese Technologie weiter als wichtige Exporttechnologie Deutschlands", sagte Siemens-Chef Peter Löscher. Das Unternehmen ist am Konsortium beteiligt, das den Transrapid bauen sollte.

Der Bund hatte für das Projekt 925 Millionen Euro zugesagt und das Land Bayern 490 Millionen. Zur Schließung der Finanzierungslücke von 435 Millionen sollte die Bahn 235 Millionen beisteuern, der Flughafen 100, die EU 50 und Siemens und ThyssenKrupp jeweils 25 Millionen Euro.

Beckstein bat um zusätzliche Steuer-Milliarde

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (Quelle: AP, Archivbild, 23. August 2006)

Zog die Notbremse: Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee

Bayerns Minsterpräsident Beckstein (CSU) hatte Tiefensee am Mittwoch nach der Hiobsbotschaft über die Kosten noch pro forma gebeten, die Bundesförderung um eine Milliarde auf 1,925 Milliarden Euro zu verdoppeln. Ernsthafte Verhandlungen darüber gab es aber nicht. Tiefensee lehnte sofort ab. Der Verkehrsminister sah trotzdem ein positives Ergebnis der Sitzung, weil die Industrie sich zur Weiterentwicklung der Technologie bekannt habe. Löscher nannte als mögliche Absatzmärkte im Ausland neben China die USA und den Nahen Osten.

Auch Bahnchef Hartmut Mehdorn zeigte sich überrascht und enttäuscht vom Aus für die Transrapid-Strecke. "Der Standort Deutschland hat damit ein wichtiges Leuchtturmprojekt verloren", erklärte er.

Zum dritten Mal gescheitert

Bild des Transrapid in Schanghai (Quelle: dpa, Archivbild)

Der Transrapid schwebt nur in Schanghai

Das Aus für die Transrapid-Strecke in München bedeutet schon das dritte Scheitern einer konkret in Deutschland geplanten Trasse für die Magnetschwebebahn. Bereits im Jahr 2000 fiel die zwischen Hamburg und Berlin geplante, 292 Kilometer lange Strecke mangelnder Wirtschaftlichkeit zum Opfer. Nach einer Revision der Fahrgastprognosen sah die Deutsche Bahn AG keine Chance mehr für einen rentablen Betrieb des 8,9-Milliarden-Mark-Projekts.

2003 verkündete dann der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück das Aus für die "Metrorapid"-Strecke, die verschiedene Städte des Ruhrgebiets verbinden sollte. Bisher schwebt der Transrapid nur über eine Trasse in China, wo er seit fünf Jahren den Süden Schanghais mit einem Flughafen verbindet. (vem)

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