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Kostüm

Kleidung ist mehr als nur Körperschutz: Kleider machen Leute. Wer sich verkleidet, schlüpft in ein Kostüm und kann für einen Tag ein anderer Mensch werden. Manchen Menschen steht aber auch das Adams- oder Evaskostüm gut.

Schon wieder ist alles vorbei. Die fünfte Jahreszeit, der Karneval oder Fasching ist zu Ende gegangen. Jetzt kann die erste Jahreszeit kommen: der Frühling.

In schrillen Fetzen

Die glitzernden oder grell bunten Jäckchen und Jacken, die schrillen Fetzen aus den unterschiedlichsten Stoffen werden in die Faschingskiste gepackt, verschwinden in den Tiefen des Kleiderschranks oder liegen bis zum nächsten Jahr in einer großen Plastiktüte irgendwo im Keller bei den Campingsachen und Blumenübertöpfen. Die Rede ist vom Faschings- oder Karnevalskostüm. Allerdings beschäftigen wir uns im Stichwort der Woche nicht mit Fasching - der ist ja vorbei - sondern mit Kostüm.

Und mit diesem ist es keineswegs vorbei. Kostüm heißt 'Tracht', 'Kleidung' und in eigentlicher Bedeutung 'Gewohnheit' und 'Brauch'. Da ist schon klar, dass es sich nicht um Kurzlebiges handelt, wie bei einem Karnevalskostüm, das für ein paar Stunden, allenfalls Tage, der Sehnsucht, jemand anderes zu sein, den flüchtigen Schein der Erfüllung vorgaukelt.

Mit Fellen und Blättern

Kostüm im Sinne von Kleidung und Gewohnheit verweist auf Dauerhaftes, auf Zweckmäßiges und weil es all dies schon sehr lange gibt, auch auf Wandel und Veränderung. Da wären wir dann schon bei der Mode, aber die streifen wir nur so ganz am Rande. Die Geschichte der Kleidung und mit nur geringer Einschränkung die des Kostüms, ist so alt wie die Geschichte der menschlichen Kultur. Die älteste Kleidung überhaupt dürfte aus Fellen erlegter Tiere, aus Blättern, Binsen und ähnlichem Material bestanden haben.

Merkwürdigerweise finden sich bei den Faschingsbällen immer wieder dergestalt kostümierte Damen und Herren, wobei Felle und Blätter nicht echt sind und auch noch was drunter getragen wird. Wenn auch wenig. Wie auch immer, Kleidung ist Körperschutz. Schutz vor Kälte und Hitze, Schutz vor Verletzung; und in dem Maße, in dem sich der aufrecht gehende Zweibeiner vom Tierzustand zur Menschwerdung bewegte, entwickelte sich auch seine Umhüllung, wurde zur Kleidung.

Oder mal ganz ohne

Der Drang, selbige öffentlich abzulegen, hat sich längst, gerade bei mitteleuropäischen Menschen, epidemisch ausgebreitet. So finden wir an den Urlaubsstränden stets Artgenossen, die sich im Adams- beziehungsweise Evaskostüm ihres Daseins zumindest während der Ferien erfreuen. Merkwürdigerweise sind es überwiegend Damen und Herren, deren ausgeuferte Leibesfülle die gnädige Umhüllung eines Badekostüms gut täte.

Ein Blick auf die Schönheit im schwarzen Einteiler, auf den jungen Kerl mit den witzig gemusterten Schwimmshorts beweist uns, dass Kleidung - auch Badekleidung - keineswegs nur zum Zweck der Verhüllung oder des Schutzes dienlich ist. Kleidung ist eine Möglichkeit, sich und seinen Körper zu schmücken. Und genau dies macht sie zum Kostüm. Oder zur Tracht.

Unsterblich klassisch

Da haben wir also die Jacke mit Ausschnitt und Revers, langem Arm und Knopfleiste. Dazu den Rock bis ganz wenig überm Knie. Zweckmäßig. Gut und schön. Dann gibt es aber die Italienerin, die zu ihrem Schneider geht und sich aus gutem Tuch Jacke und Rock nach Maß anfertigen lässt. Das Ergebnis ist jenes klassische Kostüm, das, wenn es sich in einen Raum hineinbewegt, ein gewisses Innehalten auslöst, weil es ganz einfach unsterblich schön ist.

Das Bedürfnis des Menschen sich zu schmücken, ist mindestens so alt, wie die Kleidung. Kostümierung ist eine bestimmte Form der Kleidung. Sie ist Schmuck, aber auch Zeichen der Abgrenzung, Zeichen des Besonderen. Die Mode der feudalen Gesellschaftsordnungen zeigt dies ganz deutlich. Es gab die höfischen Kostüme auf der einen, die Arbeitstracht auf der anderen Seite. Zeige mir was du trägst, und ich sage dir wer du bist.

Standesgemäß

Mit der französischen Revolution begann ein neues Kapitel der Kostümgeschichte. Auch in der Kleidung sollten keine Privilegien mehr geduldet werden. Die Standestrachten wurden von der Nationalversammlung für abgeschafft erklärt. Jeder konnte tragen was er wollte. Es liegt unter anderem an dieser, wenn man so will 'Liberalisierung der Kleidung', dass unser Wort Kostüm immer mehr zur Bezeichnung für historische Kleidung beziehungsweise Tracht verschiedener Völker zu verschiedenen Epochen wurde.

Kostüm wurde schließlich im 19. Jahrhundert zum Ausdruck für Verkleidung, für einen Maskenanzug, das Narrenkostüm und für Bühnenkleidung. Ab dem 20. Jahrhundert auch für Filmkleidung. Die Kostümbildnerin, der Kostümbildner waren und sind Berufe, die mit dieser Entwicklung einhergingen. Als Fachbegriff der Damenmode findet sich Kostüm etwa seit 1870. Seitdem hat es unzählige modische Varianten erlebt. Chanel, Dior oder Gucci, das sind Namen, die das Kostüm auf seinem illustren Weg begleiteten.

Ohne Anlass

Und spätestens jetzt ist klar: anders als jedes Faschingskostüm braucht das Kostüm keinen Anlass. Aber eine Frau, die es trägt.

Fragen zum Text

Jemand, der ein sogenanntes Adams - oder Evakostüm trägt, …

1. ist verkleidet.

2. ist nackt.

3. ist als Schlange verkleidet.

Ein Schneider …

1. fertigt Kleidung an.

2. zerschneidet Kleidung.

3. verkleidet sich gerne.

Der Ausdruck Kostüm wurde im 19. Jahrhundert zum Ausdruck für …

1. das nicht Vorhandensein von Kleidung.

2. ein ganz besonders schickes Kleid.

3. Verkleidung.

Arbeitsauftrag

Ein großes T-Shirt, eine blaue Hose, eine gestreifte Jacke - welche Kleidung trägt Ihr/e Sitznachbar/in? Beschreiben Sie seine/ihre Kleider in einem kurzen Aufsatz.

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