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Filme

Kosslick, Kino, Kochen

Berlinale-Chef Dieter Kosslick liebt Kino und Kochen. Deshalb hat er vor ein paar Jahren die Reihe "Kulinarisches Kino" bei den Filmfestspielen ins Leben gerufen. Was beides verbindet, verrät Kosslick im DW-Gespräch.

Dieter Kosslick vor Berlinale Bär mit Schriftzug (Foto: picture alliance)

Berlinale-Chef Dieter Kosslick

DW-WORLD: Wie fing das bei Ihnen an, das Interesse fürs Kochen?

Dieter Kosslick: Ich komme aus Süddeutschland, da hat man natürlich Kontakt zum Essen. Weil die Mutter jeden Tag kocht, das ist etwas, was heute leider nicht mehr so oft passiert. In Süddeutschland geht es sehr oft ums Essen. In Baden und in Württemberg sind das die großen Themen, das Wetter und das Essen. Und Sauberkeit natürlich. Ich war immer schon mit Kuchen und Backen konfrontiert, in unserem Haus war eine Bäckerei. Da hat mich meine Mutter morgens abgegeben, wenn sie zur Arbeit ging, und mich abends abgeholt. Ich bin quasi in einer Bäckerei groß geworden.

Ich habe aber erst 20 Jahre später als Student zum ersten Mal ein Hungergefühl verspürt. Und dann habe ich so langsam angefangen, mich mit dem Essen zu beschäftigen. Ich hatte das Glück, als Student in München Herrn Siebeck, den großen Esskritiker, kennenzulernen. Mit dem habe ich dann die neu aufkommenden Sternerestaurants von Herrn Witzigmann und Herrn Koch besucht und getestet. Da lernte ich dann noch einmal eine wirklich ganz andere Küche kennen. Und dann habe ich mich mit Essen beschäftigt, als ich Redakteur bei "Konkret" war. Da ging die Sache aber in eine ganz andere Richtung, weil ich das zum ersten Mal kennengelernt habe, was die Lebensmittel-Konzerne so machen.

Festivalleiter Kosslick inmitten von Kindern mit Schürzen und Kochmützen (Foto: Stephanie Pilick dpa/lbn)

Kosslick und Kinder beim Berlinale-Kochen

Kein wahnsinniger Hobbykoch...

Sind Sie denn a uch auf die andere Seite des Küchenherdes gewechselt und greifen heute selbst zu Salz und Pfeffer und zu den Gewürzen und Zutaten?

Ja, aber ich bin nicht einer von diesen wahnsinnigen Hobby-Köchen. Es gibt jetzt so ein Magazin, das Heißt "Beef", das richtet sich an diese verrückte Zielgruppe, die über 5000 Euro im Monat verdient und sich auch mal für 6000 Euro ein Messer kauft, obwohl sie gar nicht kochen kann. Dazu gehöre ich nicht. Ich habe auch keine Küche für hunderttausend Euro. Es passiert einfach, wenn man sich mit Zutaten beschäftigt und mit anderen Dingen, die mit Essen und Trinken zu tun haben, dass man dann diese schöne Kunst auch erlernt. Bei mir war es so, dass ich das nicht ganz neu erlernen musste. Ich kannte das von meiner Mutter, die hat mir auch ihre Rezeptsammlung hinterlassen, mit der ich oft gebacken habe. Also es ist nicht neu, es ist nicht die totale Leidenschaft, aber ich mache das gern, auch mit meinem Sohn und mit den Kollegen von der Berlinale. Wir kochen zusammen, und das ist ein sehr angenehmer gemeinsamer Zeitvertreib.

Bei der Berlinale haben Sie es als Festivalchef geschafft, das unter einen Hut zu bekommen, das Essen und den Film....

Ja, das hat lange gedauert. Mein Freund Thomas Struck, der das Kulinarische Kino jetzt leitet, und ich, wir wollten unbedingt vermeiden, dass wir in so eine Feinschmeckerecke kommen. Dass man da irgendwo am Tisch sitzt und sich den Bauch voll isst und den ganzen Abend darüber redet, ob man bei 80 Grad Niedrigtemperatur nun die Rote Beete dämpft.... Das wollten wir nicht. Wir wollten etwas machen mit Film und auch mit einer Philosophie, die wir dann bei Slow Food gefunden haben. Also bei einer weltweiten Organisation, die sich um gutes Essen kümmert. Und jetzt bei der Berlinale im vierten Jahr ist es so, dass wir das ungefähr haben, wie wir das wollen. Wir zeigen Filme, die Appetit machen und die lustig sind.

Piccoli u. Noiret in 'Das große Fressen' (Copyright: picture-alliance / akg-images)

Legendärer Gourmetfilm: "Das große Fressen"

Was Filme und Essen verbindet....

Es gibt ja eine Beziehung zwischen Kino und Kochen. Man muss ja nicht nur an den berühmtesten Film denken, "Das große Fressen", es gibt da eine ganze Menge andere Beispiele....

Es gibt natürlich solche Beziehungen, Filme, die das Essen zum Inhalt haben, allein aus dramaturgischer Sicht. Aber es gibt auch andere Gemeinsamkeiten. Es gibt sehr viele Prozesse, die sehr ähnlich sind beim Film und beim Essen. Man muss die Zutaten sorgfältig aussuchen. Man muss ein Rezept haben. Man muss gut kochen. Man muss es präsentieren, das Marketing und anderes. Man muss ein gebildetes Publikum haben, wenn man etwas Gutes verkaufen will. Das ist die eine Ebene. Beim Kochen muss man sehr präzise sein, muss den Takt einhalten. Auch bei einem Menü muss man auf eine gewisse Komposition achten, wie bei einem Film.

Auf einer Metaebene gibt es noch einen ganz anderen Zusammenhang zwischen gutem Essen und den Filmen auf einem Festival. Wir kämpfen eigentlich beide um Diversifikation, also um Unterschiedlichkeit. Es gibt ja auch sehr viele unterschiedliche Küchen und unterschiedliche Festivals. Es gibt viele regionale Küchen wie Filme. Ein Filmfestival ist nichts anderes als der Kampf für Bio-Diversifikation, Bio-Diversität. Also wir wollen die unterschiedlichsten Filme zeigen in zehn Tagen - und nicht zehn Filme in allen Kinos auf der ganzen Welt. Da haben wir Seelenbrüder und -schwestern gefunden.

Das Gespräch führte Jochen Kürten

Redaktion: Manfred Götzke

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