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Fokus Osteuropa

Kosovo-Unterhändler Ahtisaari zum Antrittsbesuch in Brüssel

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat den Finnen Martti Ahtisaari zum Sondergesandten für Kosovo ernannt. Bei einem Besuch in Brüssel machte der 68-jährige Politiker deutlich, dass er keine leichten Verhandlungen erwartet.

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Die EU wertet bereits den Verhandlungsbeginn als Erfolg

Martti Ahtisaari nahm bei einem Besuch der Europäischen Union in Brüssel zu seinem neuen Auftrag Stellung, obwohl er eigentlich über seinen auslaufenden Job, die Friedensmission in der indonesischen Provinz Aceh sprechen wollte. Der scherzhaft von Diplomaten als "Allzweck-Waffe" der UN bezeichnete Martti Ahtisaari kündigte an, er werde am kommenden Wochenende (19./20.11.) ins Kosovo reisen. Im Moment sei er noch ziemlich ahnungslos, was ihn erwarte, gab er zu: „Ich habe noch nicht einmal meinen Vertrag unterschrieben. Ich reise soviel, dass sie es vielleicht nie schaffen werden, mir den Vertrag hinterher zu schicken.", so Ahtisaari.

Pendeldiplomatie

Zwei Wochen lang will Martti Ahtisaari die Hauptstädte der Region abklappern, um sich die verschiedenen Vorstellungen des Grundkonflikts anzuhören. Die Regierung in Belgrad und die Kosovo-Serben bestehen darauf, dass Kosovo Teil Serbien-Montenegros bleibt. Die albanische Bevölkerungsmehrheit im Kosovo befürwortet einen unabhängigen Staat. Seine Pläne schildert Ahtisaari so: „Ich muss erst einmal alle Akteure aus Politik und Gesellschaft kennen lernen. Es ist ziemlich lange her, dass ich in der Region war. Man muss persönliche Kontakte mit jenen herstellen, mit denen man verhandeln soll."

Martti Ahtisaari wird im Januar von Helsinki nach Wien umziehen. Dort hat die österreichische Regierung Büros zur Verfügung gestellt. Von Wien aus will der finnische Vermittler die streitenden Parteien per Pendeldiplomatie näher zueinander bringen. Ob und wann direkte Gespräche zwischen den Regierungen in Belgrad und Pristina nötig und möglich sind, wollte Ahtisaari nicht sagen. Überhaupt vermied er jegliche inhaltliche Aussage: „Ich werde niemals einzelne Vorschläge kommentieren. Wir werden sie prüfen und in den Prozess einspeisen. Viele von diesen Plänen weisen - obwohl sie von unterschiedlichen Parteien ins Spiel gebracht wurden - viele gemeinsame Elemente auf."

Keine weitere Teilung

Die Vereinten Nationen haben als Richtschnur für die Verhandlungen die Empfehlungen der so genannten Kontaktgruppe angenommen, der die USA, Russland, die EU, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland angehören. Dort ist unter anderem festgeschrieben, dass das Kosovo-Gebiet nicht weiter geteilt werden und nach demokratischen Spielregeln unter Wahrung der Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten regiert werden soll. Dem Kosovo könnte eine Art eingeschränkte Souveränität zugebilligt werden. Wann die kniffeligen Statusfragen für Kosovo abgeschlossen werden können, wollte der vorsichtige Maartti Athisaari nicht abschätzen.

Von Seiten der Europäischen Union hieß, es sei schon mal ein Wert an sich, dass die Verhandlungen sechs Jahre nach dem Kosovo-Krieg nun endlich beginnen. Jeder, der glaube, er könne die Verhandlungen in drei Monaten zu Ende bringen, dem werde er sofort freiwillig seinen neuen Job abtreten, sagte der frisch gebackene UN-Vermittler mit wissendem Lächeln.

Bernd Riegert, Brüssel

DW-RADIO, 14.11.2005, Fokus Ost-Südost