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Sport

Kosovo im Abseits

Fußball ist zwar die populärste Sportart im Kosovo, doch die Nationalmannschaft des Landes darf keine offiziellen Spiele austragen. Immerhin möchte die FIFA nun Freundschaftsspiele genehmigen.

Lorik Cana, Xherdan Shaqiri oder Albert Bunjaku - Spieler, die im europäischen Fußball schon lange ein Begriff sind. Ob FC Bayern München oder Lazio Rom - sie tragen die Trikots der führenden Fußballclubs und spielen im Nationalkader etwa der Schweiz oder Albanien. Diese Fußballer könnten jedoch bald Teil eines anderen Teams werden - der Nationalmannschaft des Kosovo. So hofft es zumindest Fadil Vokrri, der Präsident des kosovarischen Fußball-Verbandes (FKK). Zuversicht gibt ihm ein FIFA-Beschluss vom 22. Mai dieses Jahres: Darin erklärt sich der Fußballverband einverstanden, dass Freundschaftsspiele zwischen FIFA-Mitgliedsverbänden und der kosovarischen Mannschaft ausgetragen werden dürfen, obwohl das Kosovo weder Mitglied im Weltverband noch in der UEFA ist.

Keine politische Entscheidung

Präsidenten des Kosovo-Fußball-Bundes Fadilj Vokri

Fadil Vokri, Präsident des kosovarischen Fußball-Verbandes

Allerdings zog die FIFA mit dieser Entscheidung viel Ärger auf sich. Denn sowohl UEFA-Präsident Michel Platini als auch der serbische Verbandschef Tomislav Karadzic bezeichneten den FIFA-Beschluss als "eine politische und nicht als eine Fußball-Entscheidung", die "ohne Rücksprache" mit der UEFA und Serbien getroffen worden sei. Die FIFA ging in die Defensive: "Die Entscheidung wurde zur Unterstützung des Sports getroffen", erklärte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke. Es sei kein Schritt in Richtung einer FIFA-Mitgliedschaft des Kosovo gewesen. 

Diese Ungereimtheiten sollten an einem runden Tisch ausgeräumt werden: So fand am 31. Mai in Zürich ein "Klärungsgespräch" zwischen der FIFA, der UEFA und dem serbischen Fußballverband statt. Das Ergebnis: Die Türen für eine Mitgliedschaft im Europäischen und im Weltfußballverband bleiben dem Kosovo nach wie vor verschlossen. Denn Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist die Anerkennung als unabhängiger Staat durch die Vereinten Nationen. Und genau das fehlt: Das Land hat bereits 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, doch den neuen Staat haben bis jetzt nur 91 Länder anerkannt. Dennoch ist Vokrri zufrieden: "Die vorherige Entscheidung des FIFA-Komitees ist weder aufhoben noch geändert worden", sagte der Präsident des FKK nach dem Treffen in Zürich. "Wir dürfen nach wie vor Freundschaftsspiele gegen andere Nationalmannschaften austragen."

Am 4. Juli gehen die Gespräche zwischen der FIFA und der UEFA in die nächste Runde: Dann wird hauptsächlich über die Modalitäten der Beteiligung Kosovos bei Freundschaftsspielen entschieden.

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Im Kosovo gibt es bereits eine "Superliga“ und eine "Erste Liga“. Auch eine Liga für Frauenfußball existiert - das bezeichnet Vokrri als einen ganz großen Erfolg für das Kosovo. In der Hauptstadt Prishtina laufen schon die Vorbereitungen auf mögliche Freundschaftsspiele. Derweil verhandelt Vokrri mit dem türkischen Fußballverband, sowie mit anderen europäischen Mannschaften. Konkrete Termine für Spiele gibt es jedoch nicht. Und noch etwas steht im Wege: Die Fußballstadien im Kosovo sind in einem desolaten Zustand, die notwendigen Investitionen fehlen. Soviel steht fest: Den offiziellen Termin (15.08.2012) der FIFA, ab dem Freundschaftsspiele ausgetragen werden dürfen, wird das Kosovo daher vermutlich verpassen.