1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Kosovo-Debatte weckt Hoffnungen in der Vojvodina

Die Debatte um den künftigen Status des Kosovo beflügelt in der Vojvodina Hoffnungen auf die Wiedererlangung einer weitgehenden Autonomie. Bojan Kostres, Präsident des Vojvodina-Parlaments, im Gespräch mit DW-RADIO.

default

Breitangelegte Autonomie-Aktion geplant

Die Vojvodina war, wie das Kosovo, bis 1989 eine Provinz mit weitreichender Autonomie. Diese wurde beiden Provinzen vom Milosevic-Regime entzogen. Der Präsident des Vojvodina-Parlaments, Bojan Kostres, ist sich sicher, dass die Provinz ihre weitgehende Autonomie zurückerhalten wird. Er möchte gleichwohl die Probleme der Vojvodina und des Kosovo keineswegs gleichsetzen: "Bei der Kosovo-Frage müssen ethnische Probleme gelöst werden. In der Vojvodina handelt es sich ausschließlich um demokratische und wirtschaftliche Probleme." Der niedrige Autonomiegrad in der Vojvodina zeige, wie es um die Demokratie in Serbien bestellt sei, sagte Kostres in einem Interview mit DW-RADIO. Unabhängig vom künftigen Kosovo-Status, müsse Serbien eines Tages eine echte Demokratie werden. "Wenn es dann wirklich demokratisch ist, versteht sich eine Dezentralisierung des Landes von selbst. Das heißt, die Vojvodina wird alles zurückerhalten, was ihr damals genommen wurde. Da bin ich Optimist", sagte Kostres.

Vergangenheitsbewältigung gefordert

Kostres befürwortet ferner, dass in Serbien eine Deklaration zum Völkermord in Srebrenica verabschiedet wird. Er sagte, lediglich im Vojvodina-Parlament sei an den 10. Jahrestag dieses Massakers erinnert worden. Heute sei er sehr erfreut darüber, dass die demokratischen Kräfte in Serbien mehrheitlich der Ansicht sind, dass dieser Völkermord eindeutig verurteilt werden müsse. "Das spricht nur dafür, dass Serbien früher oder später den demokratischen Weg einschlagen wird und damit beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Damit wir vorankommen, müssen wir uns zunächst mit der Vergangenheit auseinandersetzen."

Initiative zur Rehabilitierung von Opfern

Der Regierungschef der Vojvodina kündigte an, auf seine Initiative werde im Parlament die Rehabilitierung aller Opfer des politischen Terrors während der Regierungszeit von Slobodan Milosevic von 1988 bis 2000 erörtert. "Bedauerlicherweise haben die Vojvodiner während der Milosevic-Diktatur sehr gelitten. Viele haben seit der so genannten Joghurt-Revolution ihre Arbeit verloren, sind an ihrem Arbeitsplatz schikaniert und gequält worden. Junge Menschen mussten ihr Land verlassen, weil sie nicht in den Krieg ziehen wollten. Insgesamt sind 106.824 Menschen gewaltsam oder mehr oder weniger gewaltsam mobilisiert und an die Kriegsschauplätze gebracht worden. All das darf nicht in Vergessenheit geraten."

Kostres sagte ferner, seine Partei, die Liga der Sozialdemokraten der Vojvodina, beabsichtige, den verfassungsrechtlichen Status der Vojvodina zu verbessern. Dafür müssten die Verfassung und Gesetze geändert werden, die die Autonomie beschränken. So solle diese Provinz legislative, exekutive und judikative Gewalt und direkte Steuern erhalten, was grundlegende Attribute einer Autonomie seien.

Kostres zufolge hat der Zerfall des ehemaligen Jugoslawien auch mit der "Joghurt-Revolution" von 1988 begonnen. Damals protestierten mehrere zehntausend Menschen gegen die Führung der Provinz und bewarfen das Gebäude des Vojvodina-Parlaments mit Steinen und Joghurt – daher die Bezeichnung "Joghurt-Revolution". Die Vojvodina-Regierung trat daraufhin zurück. In der Folge verlor die Provinz den Autonomiestatus

Dinko Gruhonjic, Novi Sad
DW-RADIO/Serbisch, 13.3.2007, Fokus Ost-Südost