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Fokus Osteuropa

Kosovo: Über 30.000 ungelöste Eigentumsfragen

Eine Folge der gewaltsamen Auseinandersetzungen um das Kosovo ist es, dass viele Eigentumsfragen noch immer nicht geklärt sind. Eine eigens gegründete Agentur befasst sich mit der Rückgabe der Immobilien.

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Landbevölkerung am häufigsten betroffen

Am Montag (3.12.) ist die Frist abgelaufen, bis zu der die Kosovo-Agentur für Eigentumsfragen Anträge auf Rückgabe oder Entschädigung von in den Jahren 1998 und 1999 weggenommenem Eigentum entgegennahm. Es sind 33.500 Anträge gestellt worden. Negosava Mrdakovic, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Agentur, erklärt, dass die Agentur am 4. März vergangenen Jahres per Dekret der UN-Verwaltung UNMIK gegründet wurde. Ihr Auftrag lautet, Ackerland, Geschäfts- und Wohneigentum zu restituieren. Erwartet hätten sie eingangs rund 10.000 Anträge. "Die meisten betreffen Ackerland, das sind 30.151 Anträge, das heißt 90 Prozent. Dann 938 Anträge für die Rückgabe von Geschäftseigentum, drei Prozent, und 2.333 Anträge, sieben Prozent für Wohneigentum. Gelöst wurden 1.513 Anträge aus allen drei Bereichen."

Finanzierung nicht gesichert

Nach Ablauf der Frist wird die Agentur die gestellten Anträge weiter bearbeiten. Zusätzlich bearbeitet sie Fälle, in denen Personen, deren Immobilie besetzt ist, Miete bekommen sollen. "Von diesen Anträgen haben wir mehr als 4.000 erhalten, bis jetzt zahlen aber nur 758 Personen Miete." Mrdakovic hofft außerdem, dass die Frist für die Abgabe der Anträge wegen der großen Zahl der Fälle noch verlängert wird. "Problematisch ist ferner, dass wir uns als unabhängige Organisation nur aus Fremdmitteln finanzieren. Und einem unserer Geldgeber, der Kosovo-Agentur für Privatisierung, fehlt es an Finanzmitteln für die Fortsetzung der Arbeit. Sollten wir keine Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft und den Gemeinden bekommen, wird die Arbeit wahrscheinlich aufgeschoben und somit auch der zeitliche Rahmen für die Arbeit der Agentur verlängert werden müssen."

Klagen der Betroffenen

Vertreter der Kosovo-Agentur für Eigentum haben das überwiegend serbisch besiedelte Orahovac besucht, um den Serben die Bedeutung der Restitutionsanträge zu erklären. Auch die Deutsche Welle sprach in dem Gebiet mit Betroffenen. Slavka Grkovic sagte uns: "Wir haben vier Hektar Land, das usurpiert ist. Fünf Jahre habe ich prozessiert und habe nun schließlich den Gerichtsbeschluss bekommen, dass es unser Land ist. Wir haben es schriftlich, dass es seit 1926 uns gehört, dass wir es geerbt haben. Wir haben es bei der Agentur gemeldet, bis heute aber keine Antwort bekommen." Velimir Micic behauptet: "Im Jahr 2000 hat ein Mann mein Land besetzt und bearbeitet es jetzt. Ich habe auch einen Plan von meinem Ackerland und alle notwendigen Papiere. Ähnliche Probleme haben viele meiner Landsleute hier in Orahovac und Velika Hoca."

Nach Einschätzung der Kosovo-Agentur für Eigentum wird sie für die Lösung der eingegangenen Fälle drei Jahre benötigen, falls die weitere Finanzierung der Arbeit gesichert werden kann.

Alija Refki, DW-Serbisch