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Afrika

Korruption im Kreißsaal

16 Frauen sterben täglich in Uganda bei der Geburt ihres Kindes, weil Krankenhäuser schlecht ausgestattet sind und Ärzte korrupt sind. Jetzt ziehen Frauen vor das Verfassungsgericht.

Frauen in schwarzen Protest T-shirts sitzen auf einer Wiese nahe des Parlaments (Foto: DW/S. Schlindwein)

Frauen in Uganda ziehen vor Gericht

In schwarzen T-Shirts sitzen an diesem Morgen hunderte Frauen dicht gedrängt in dem kleinen Saal des ugandischen Verfassungsgerichts. "Nicht noch ein unnützer Tod" steht auf den T-Shirts in weißen Lettern geschrieben.  

Aisha Noticia sitzt in der vordersten Reihe. Die 32-jährige Mutter von drei Kindern wäre bei der Geburt ihres letzten Kindes fast gestorben – hätte sie dem Arzt nicht ihr ganzes Vermögen vermacht. 

Bezahlen oder sterben?

Zur Geburt ihres letzten Kindes ging sie in Ugandas Zentralkrankenhaus Mulago in der Hauptstadt Kampala. Sie brauchte einen Kaiserschnitt, wie bereits bei den anderen beiden Geburten zuvor. Doch als sie in Mulago ankam, gab es dort keine Medikamente und keine Chirurgenhandschuhe, berichtet sie. "Die Ärzte sagten, ich muss alles selbst kaufen, sonst können sie mich nicht operieren", sagt Noticia. "Ich sah dort viele Frauen bei der Geburt sterben, weil sie sich die Sachen nicht leisten konnten. Mein Mann hat eine Hühnerzucht. Er verkaufte alle Hühner, um mir 100.000 Schillinge zu bringen", seufzt sie.

Frauen in schwarzen Protest T-shirts protestieren (Foto: DW/S. Schlindwein)

Sie kämpfen für ihre Rechte

Als der Richter erscheint, steht Anwalt David Kabanda auf und verliest eine Petition. Er fordert den Richter auf, eine Verfassungsklage in den Terminkalender aufzunehmen. Immerhin ist in der Verfassung das Recht auf Gesundheitsversorgung festgeschrieben. Dieses Recht wollen Menschenrechts- und Frauenorganisationen nun einfordern, so Anwältin Mable Kakunda, die eine Patientenorganisation vertritt.

Der Grund dieser Petition: "In Uganda sterben jeden Tag 16 Frauen bei der Geburt, weil sie nicht ordnungsgemäß versorgt werden. Die Regierung tut dagegen nichts", klagt Kakunda. Deswegen hätten Frauen- und Patientenorganisationen sich zusammengeschlossen, "damit dieses unnütze Sterben ein Ende hat", so die Anwältin. In Uganda seien nur zwei Prozent der Kreißsäle mit dem Nötigsten ausgestattet. In den übrigen gebe es in der Regel keinen Strom, kein Wasser, keine Chirurgenhandschuhe. "Die Ärzte und Hebammen sitzen nur rum und können nichts tun", sagt sie.

Korruption im Gesundheitssektor

Frauen halten vor dem Verfassungsgericht ein Protestplakat (Foto: DW/S. Schlindwein)

Frauenprotest vor dem Verfassungsgericht

Korruption im Kreissaal, wenn es um Leben und Tod geht – dies spiegelt das Level der Korruption in Uganda im Allgemeinen wider. Vor allem die Korruption im Gesundheitssektor. Das eigentliche Problem ist, dass bereits an allerhöchster Stelle Geld veruntreut wird. Derzeit untersucht das Gesundheitsministerium, zum Beispiel, die Veruntreuung von rund 300.000 Dollar, die für Gelbfieber-Impfungen gespendet wurden. Auch die Gehälter für Hebammen und Ärzte werden nur unregelmäßig bezahlt und sind sehr gering. Deswegen verlangen die Frauen, die sich hier im Gericht versammelt haben, dass im nächsten Haushaltsplan die Regierung einen Schwerpunkt auf Gesundheit setzt. Seit Jahren wurde das Budget nicht erhöht. Jetzt hat die Regierung acht Kampfflugzeuge gekauft – im Wert von rund 750 Millionen Dollar – fast doppelt so viel, wie das gesamte Jahres-Budget des Gesundheitsapparates.

Dies soll sich nun ändern. Und die Frauen haben Erfolg: Der Richter entscheidet, die Klage in den Kalender aufzunehmen. Der erste Schritt ist geschafft, doch bis sich auch die Situation in den Kreißsälen ändert, werden noch viele Frauen im Mutterbett leiden -  entweder sie bezahlen oder sie sterben.

Autorin: Simone Schlindwein

Redaktion: Lina Hoffmann

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