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Politik

Koranschüler wollen bis zum Tode kämpfen

Die Lage scheint ausweglos: Die Koranschüler in der belagerten Roten Moschee wollen bis zum Tode kämpfen. Durch gezielte Angriffe will die Regierung die Fanatiker zermürben. Sie fordert die bedingungslose Kapitulation.

Die Rote Moschee unter Beschuss, AP

Bastion für die Scharia: Die Rote Moschee unter Beschuss

"Wir werden das Märtyrertum akzeptieren, aber wir werden nicht aufgeben", sagte der stellvertretende Leiter der Koranschulen, Abdul Rashid Ghazi, dem Sender Geo TV am Freitag (6.7.) per Telefon aus dem umstellten Komplex in der pakistanischen Hauptstadt. In der Nacht hatte Ghazi noch angeboten, gegen freies Geleit aufzugeben. "Diejenigen, die aufgeben, sollten nicht verhaftet werden", hatte er dem Sender Aaj während einer Feuerpause gesagt. Die Regierung lehnte das Angebot ab und forderte erneut eine bedingungslose Kapitulation.

Menschen entfernen sich von der Roten Moschee, AP

Während der Feuergefechte

Zwei schwere Explosionen

Am Freitagabend wurde die Moschee von zwei schweren Explosionen erschüttert. Ein Militärsprecher sagte dem Nachrichtensender Aaj, Ziel der kontrollierten Detonationen sei gewesen, ein Loch in die Koranschule für junge Frauen zu sprengen, denen so die Flucht vor den Extremisten ermöglicht werden sollte. Nach Darstellung der Behörden sind unter den Kämpfern in der Moschee auch Mitglieder von Terrororganisationen, die Frauen und Kinder in dem Gotteshaus als menschliche Schilde missbrauchen.

Ein Regierungsvertreter hatte zuvor erklärt, die Streitkräfte würden das Gotteshaus nicht stürmen, solange sich noch Frauen und Kinder auf dem Gelände befänden. "Sicherheit ist unser oberstes Ziel", sagte der stellvertretende Informationsminister Tariq Azim. "Wir wollen Unschuldigen keinen Schaden zufügen." Der Minister für religiöse Angelegenheiten, Ijazul Haq, sagte, es gebe weiterhin Verhandlungen, und Geistliche versuchten, Ghazi zum Aufgeben zu bewegen.

Pervez Musharraf, AP

Pervez Musharraf will sich von militanten Islamisten nicht unter Druck setzen lassen

Sicherheitskräfte beschossen am Freitag den Koranschulen-Komplex mit Maschinengewehren und Mörsern, um den Druck auf die Islamisten zu erhöhen. Nach Angaben der Moschee-Leitung kamen bei dem Mörserbeschuss mindestens 30 Koranschülerinnen ums Leben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Koranschüler schossen von den Dächern des Komplexes auf die Sicherheitskräfte. Die Behörden bestätigten bislang 19 Todesopfer bei den seit Dienstag andauernden Kämpfen. Augenzeugen und unabhängige Beobachter sprechen dagegen von Dutzenden Toten.

Rakete auf einem Hausdach, AP

Von hier aus soll die Präsidentenmaschine beschossen worden sein

Sicherheitskreise: Präsidentenflugzeug beschossen

Am Freitag beschossen Unbekannte in Islamabad nach Angaben aus Sicherheitskreisen das Flugzeug des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf. Das Flugzeug wurde nicht getroffen und Musharraf nicht verletzt. Ein Polizeioffizier, der anonym bleiben wollte, hat der Deutschen Presseagentur gesagt, auf dem Dach eines verdächtigen Hauses seien Flugzeugabwehrwaffen gefunden worden. Mehr als zwei Dutzend Geschosse seien sichergestellt worden. Die Armee dementierte den Beschuss, über den auch zahlreiche pakistanische Medien berichteten. Musharraf hat bereits mehrere Anschläge radikal-islamischer Muslime überlebt.

Gull Khan wurde bei den Schiessereien verletzt, AP

Gull Khan wurde bei den Schiessereien verletzt

Bei einem weiteren möglichen Vergeltungsanschlag für den Angriff der Sicherheitskräfte auf die Rote Moschee wurden am Freitag vier Soldaten getötet. Der Bombenanschlag habe einem Militärkonvoi im Distrikt Swat in der Nordwest-Grenzprovinz gegolten, sagte ein Sicherheitsbeamter, der anonym bleiben wollte. Mehrere Soldaten seien verletzt worden, einige davon lebensgefährlich. Der Beamte schloss einen Zusammenhang mit den Kämpfen an der Roten Moschee nicht aus.

Verstärkungstruppen für die Fanatiker

Die Soldaten gehörten zu Verstärkungstruppen, die nach Swat geschickt worden waren, nachdem ein mächtiger lokaler Geistlicher namens Fazallulah seine Unterstützung für die Koranschüler in der Roten Moschee erklärt hatte. Fazallulah gehört der verbotenen Extremistenorganisation Nifaz Shariat-I-Mohammed an und hat Tausende Anhänger. Der Geistliche drohte mit Anschlägen auf Sicherheitskräfte, sollte die Belagerung der Roten Moschee nicht beendet werden. In den vergangenen drei Tagen kam es in Swat zu drei Anschlägen auf Polizisten, bei denen insgesamt sechs Menschen ums Leben kamen.

Nach Darstellung der Behörden sind unter den Kämpfern in der Moschee auch Mitglieder von Terrororganisationen, die Frauen und Kinder in dem Gotteshaus als menschliche Schilde missbrauchen. Ghazi und sein am Mittwoch bei einem Fluchtversuch festgenommener Bruder, Koranschulen-Leiter Maulana Abdul Aziz, kämpfen für die Einführung der Scharia, des islamische Rechtes, in ganz Pakistan. Sie sind offene Anhänger der radikal-islamischen Taliban.

Pakistanischer Soldat schussbereit vor der Roten Moschee

Pakistanischer Soldat schussbereit vor der Roten Moschee

Rote Moschee: Hochburg des Islamismus

Ihre Koranschüler haben in den vergangenen Monaten angebliche Prostituierte zur Umerziehung verschleppt und Inhaber von Musik- und Videoläden aufgefordert zu schließen. Die Zusammenstöße hatten am Dienstag begonnen, als aufgebrachte Koranschüler eine neu errichtete Kontrollstelle der Polizei in der Nähe der Moschee stürmten.

Die Rote Moschee, so benannt nach ihren roten Wänden, gilt schon seit langem als Hochburg des militanten Islamismus in Pakistan. Auch Al-Kaida-Chef Osama bin Laden unterhielt einst enge Kontakte zu den dortigen Geistlichen. In jüngster Zeit wurde die Moschee zum Zentrum des Widerstands gegen die USA-freundliche Politik von Präsident Pervez Musharraf. (vem)

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