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Aktuell Nahost

Kopten trauern um verstorbenen Patriarchen

Das Oberhaupt der koptischen Kirche Ägyptens, Papst Schenuda III., ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Zahlreiche Gläubige kamen zum Gedenken in Kairo zusammen. Schenudas Wirken wurde weltweit gewürdigt.

Egypt's Coptic Christian leader Pope Shenouda III looks on during a gathering celebrating the 40th year of the his papacy, in Cairo, Egypt, Monday, Nov. 14, 2011. (Foto:Amr Nabil/AP/dapd)

Koptischer Papst Shenouda III

Tausende koptische Christen haben sich am Sonntag bei einem Gottesdienst in der ägyptischen Hauptstadt Kairo vom dem verstorbenen Papst Schenuda III. verabschiedet. Sein Leichnam wurde zur Trauerfeier aufgebahrt.

Nach der Nachricht vom Tod Schenudas III. erklangen am Samstagabend die Glocken der Sankt-Markus-Kathedrale in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Die koptisch-orthodoxe Kirche läutete damit die Trauerzeit für ihren verstorbenen Patriarchen und Papst ein. Mehrere tausend Kopten versammelten sich in der Kathedrale, um für Schenuda zu beten.

Die Beerdigung soll am Dienstag stattfinden. Nach Angaben der amtlichen ägyptischen Nachrichtenagentur Mena erlitt Schenuda am Samstagmorgen einen Herzanfall. Der 88 Jahre alte Patriarch litt bereits seit Jahren unter Gesundheitsproblemen. Er war mehrfach zu medizinischer Behandlung an Leber, Darm und Lunge im Ausland.

Würdigung und Anteilnahme

Papst Benedikt XVI. und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kondolierten zum Tod des Kopten-Papstes. Sie würdigten den Verstorbenen als "Brückenbauer der koptischen Christen".

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Ägypten: Oberhaupt der Kopten gestorben

Auch muslimische Vertreter in Ägypten äußerten ihre Trauer über den Tod des koptischen Patriarchen. Ägyptens Großmufti Ali Gomaa erklärte, Schenudas Tod sei eine "Tragödie und großes Leid für Ägypten und sein Volk". Die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der Muslimbruderschaft würdigte Schenudas "bedeutende Beiträge" zur Innen- und Außenpolitik des Landes. Die liberale Al-Wafd-Partei lobte seine "Weisheit, die Ägypten sektiererischen Unfrieden" erspart habe.

Übergriffe auf koptische Christen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Kopten, Muslimen und Militärs hatten die christliche Minderheit in Ägypten in den vergangenen Monaten verstärkt ins Bewusstsein der westlichen Öffentlichkeit gebracht. Schenuda III. hatte immer wieder zu politischer Zurückhaltung gemahnt - ein Kurs, der gerade unter christlichen Jugendlichen in Ägypten zuletzt kaum mehr auf Verständnis stieß.

Anfang 2011 waren vor einer Kirche in der Hafenstadt Alexandria in der Silvesternacht mehr als 20 Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden. Im vergangenen Oktober starben bei blutigen Zusammenstößen zwischen Kopten und Muslimen in Kairo 26 Menschen, überwiegend Christen.

40 Jahre an der Spitze der koptischen Kirche

Schenuda III. wurde am 3. August 1923 als Nasir Gayid Rafail in Abnoub in der oberägyptischen Provinz Assiut geboren. Nach Studien der Theologie, Geschichte und Archäologie trat er 1954 ins Kloster ein. Der damalige Kopten-Papst Kyrillos VI. ernannte ihn zu seinem Privatsekretär. 1962 folgte die Bischofsweihe. Ende Oktober 1971 wurde er als Schenuda III. zum Oberhaupt der koptischen Kirche gewählt. Sein offizieller Titel lautete: "Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles vom Heiligen Markus".

Die koptische Kirche ist die größte christliche Gemeinde im Nahen Osten und stellt in Ägypten knapp zehn Prozent der Bevölkerung. Weltweit gehören etwa zehn Millionen Menschen der koptischen Kirche an.

kis/det/rb (dpa, afp, kna)

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