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Aktuell Nahost

Kopten feiern neuen Patriarchen

Die koptischen Christen in Ägypten haben ihren gewählten Patriarchen Tawadros II. offiziell ins Amt eingeführt. Präsident Mohamed Mursi nahm an der feierlichen Zeremonie allerdings nicht teil.

Mit einer feierlichen Amtseinführung in der Markus-Kathedrale von Kairo ist Tawadros II. als "Papst von Alexandrien, Patriarch von ganz Afrika und des Stuhls des heiligen Markus" eingesetzt worden. Der 60-Jährige folgt auf den Mitte März verstorbenen Patriarchen Schenuda III., der seit 1971 an der Spitze der koptischen Kirche Ägyptens stand. Er steht als 118. Patriarch an der Spitze von etwa 12 Millionen ägyptischen Kopten.

Ägyptische Kopten fühlen sich diskriminiert

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Ägyptische Kopten krönen neues Oberhaupt

Die christlichen Kopten machen etwa zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung aus. Sie klagen seit dem Sturz des ehemaligen Machthabers Hosni Mubarak über zunehmende Diskriminierungen: Die neue, von der Muslimbruderschaft dominierte Regierung behindere sie bei ihrer Religionsausübung. Bezeichnend ist, dass der ägyptische Präsident Mohammed Mursi nicht an der Inthronisierung des Papstes teilnahm, sondern stattdessen seinen Regierungschef Hischam Kandil schickte. Mursi kommt aus der Muslimbruderschaft.

Christen verlassen Verfassungsversammlung

Die Kopten boykottieren inzwischen auch die Verfassungsversammlung, die an einer neuen Verfassung für Ägypten arbeitet. Am Samstag hatten sie offiziell ihre Mitarbeit aufgekündigt. Das Gremium sorge nicht dafür, dass die Verfassung "einen nationalen Konsens findet oder die Identität Ägyptens widerspiegelt", sagte der bisherige Interimsleiter der koptischen Kirche, Bischof Pachomius.

Konkret stört die Kopten, dass die streng islamischen Salafisten einen Artikel aus der alten Verfassung umschreiben wollen. Bisher heißt es darin, die "Prinzipien der Scharia" seien Grundlage der Gesetzgebung. Die Salafisten wollen das durch "Regeln der Scharia" ersetzen. Am 12. Dezember soll der endgültige Entwurf für die neue Verfassung vorgelegt werden.

Papst Tawadros (Foto: rtr)

Trotz zunehmender Diskriminierung sucht Papst Tawadros II. den Kosens mit den regierenden Islamisten

Tawadros II. will Konsens mit Muslimen

Medienberichten zufolge steht Tawadros II. trotz allem für eine positive Haltung gegenüber dem Islam. So betont er, dass die Christen in Bezug auf die Formulierungen in der neuen Verfassung einen Konsens wollen und daher mit Gelehrten der sunnitischen Al-Azhar-Universität im Dialog seien. Schon Tawadros Vorgänger, Schenudas III., pflegte ein gutes Verhältnis zu den muslimischen Ägyptern und genoss großen Respekt bei ihnen.

Tawadros II. wurde unter dem bürgerlichen Namen Sobhi Bakki Soleiman in der Region Mansura im Nildelta geboren. Vor seinem Eintritt ins Priesterseminar studierte er in Alexandria Pharmazie. Im Jahr 1988 ging er in ein Kloster in der Region Wadi Natrun nördlich von Kairo, wo er nach elf Jahren zum Bischof geweiht wurde. Am 4. November 2012 wurde er per Losentscheid aus einer gewählten Dreierliste zum neuen Kirchenoberhaupt bestimmt.

Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten. Sie führen ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurück. Angaben über Mitgliederzahlen schwanken stark zwischen fünf und zwölf Millionen unter den rund 80 Millionen Einwohnern Ägyptens.

nem/det (afp, dapd, kna)

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