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Kultur

Kops: Verbrecherjagd ohne Verbrecher

Was denken sich vier Dorfpolizisten aus, wenn es keine Verbrechen gibt und sie deswegen wegrationalisiert werden sollen? Na was wohl.

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Jacob und seine Kollegen schieben Dienst

Kops Filmplakat Film Schweden

Die Polizisten in Högsboträsk haben nur ein Problem – das ist dafür aber ein großes: Seit zehn Jahren gibt es in ihrer Kleinstadt praktisch keine Kriminalität! Kein Mord, kein Banküberfall, nicht mal ein klitzekleiner Ladendiebstahl! So verbringt das Polizisten-Quartett den lieben langen Tag damit, Beziehungsprobleme zu wälzen, Hotdogs zu essen und ab und zu mal eine entlaufene Kuh einzufangen. Kein Wunder also, dass die Polizeizentrale das kleine Revier in Högsboträsk angesichts einer Null-Komma-Null Verbrechensrate schließen möchte.

Das nehmen die vier Kollegen jedoch nicht tatenlos hin. Sie beschließen, der Statistik etwas nachzuhelfen. Plötzlich beklagt der Tante-Emma-Laden einen Ladendiebstahl, die Würstchenbude geht in Flammen auf, im Wald hört man Schüsse und Schreie... So können die Polizisten auch ohne Verbrecher beweisen, wie gut sie Verbrecher jagen.

Rationalisierungseifer und liebevolle Charaktere

Fares Fares Filmszene Kops

Mit einem Augenzwinkern nimmt Regisseur und Drehbuchautor Josef Fares in seinem neuen Film "Kops" Statistik-Gläubigkeit und Rationalisierungseifer aufs Korn. Damit gelingt dem 26-jährigen Jungregisseur nach seinem Überraschungserfolg mit dem Multikulti-Film "Jalla! Jalla!" eine kurzweilige Krimikomödie. Die Geschichte der Verbrecherjagd ohne Verbrecher erzählt er in charmant lockerem Tonfall, ohne in Klischees zu verfallen.

Seine Charaktere sind liebenswerte Kauze. Da ist der Dorfpolizist Jacob (Fares Fares, der Bruder des Regisseurs), der bei seinen Blind-Dates immer wieder auf die Nase fällt. Die Polizistin Agneta (Sissela Kyle) möchte, dass ihr Ehemann und Kollege Lasse (Göran Ragnerstam) endlich mal "Ich liebe Dich" zu ihr sagt, und "Kop" Benny (Torkel Petersson) wäre gern ein großer Gangster-Jäger: Vor lauter Langeweile verfolgt er seine Katze mit gezogenem Revolver durch die Wohnung und strickt abends für seine Kollegen Stirnbänder.

Gewürzt mit Zitaten

"Kops" macht auch deshalb Spaß, weil Josef Fares seine Geschichte mit Zitaten aus der Film- und Musikgeschichte gespickt hat. Vor allem amerikanische Action-Filme werden aufs Korn genommen. So hat Benny das Vokabular der Hollywood-Cops drauf ("Freeze Motherfuckers!") und fängt in Zeitlupe Revolverkugeln mit den bloßen Händen auf - ganz so wie sein Vorbild in "Matrix". Dass er und Agneta denselben Namen tragen wie zwei Sänger von "Abba", der schwedischsten aller Bands, spricht für sich.

Fares Krimikomödie bietet lockere Unterhaltung, ist aber selten platt. Lediglich gegen Ende des Films verliert der Regisseur seinen Blick für die komischen Situationen des Alltags und überzeichnet. Bei einer vorgegaukelten Entführung gewinnt der Klamauk die Oberhand.

In Schweden hielt sich "Kops" wochenlang an der Spitze der Kino-Charts - jeden neunte Schweden zog es ins Kino. Trotzdem planen die USA ein Remake mit Adam Sandler in der Rolle des Jacob. (iw)