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Kultur

Kopfhörermusik für Regentage

Die New Yorker Songwriterin Suzanne Vega ist endlich mit ihrer guten alten Gitarre zurückgekehrt: auf die Bühne und in die Welt der akustischen Musik. Ihr Auftritt in Köln (28.02.2002) war ein voller Erfolg.

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DW-WORLD besuchte das Suzanne Vega-Konzert in Köln

Ganz leise wird es in der Live Musik Hall, als Suzanne Vega ans Mikrofon tritt und "Marlene on the Wall" singt. Ihr Publikum ist nicht mehr das Jüngste. Die meisten Fans sind ihr seit den 80er Jahren treu geblieben. Dort steht sie nun, die eher unscheinbare Frau mit dem Pferdeschwanz und der klaren Stimme. Zu jedem ihrer Lieder erzählt sie eine kleine Anekdote. Die Stimmung ist eher rührend als aufgeheizt. Ohne viel Show oder Klamauk zieht Suzanne Vega das Publikum in ihren Bann. Begleitet wird sie von drei Herren am Bass, Schlagzeug und Gitarre.

Back to the roots

Nach der Scheidung von Star-Produzent Mitchell Froom geht Suzanne Vega musikalisch wieder eigene Wege. Sie hat die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und ist zu ihren Wurzeln zurück. Ihr neues Album "Stories In Red And Gray" ist eine Ansammlung von "Lukas" und Servicekräften aus "Tom's Diner" - eine charmante Kollektion von dem, was Suzanne Vega immer wollte und am besten konnte. Mit zerbrechlicher Stimme, sparsamer Instrumentierung, akustischen Gitarren, dezenten Drums und gelegentlichen Streichereinlagen findet die US-Amerikanerin den Weg zurück zum Folkpop. Von der modernen Dance-Music der 90er Jahre hat sie sich verabschiedet.

17 Jahre sind vergangen, seit ihr Debutalbum "Suzanne Vega" erschienen ist und international einschlug wie eine Bombe. Da war sie plötzlich, die zweite Joni Mitchell, deren Lieder unter die Haut gingen. Ihre Texte, die tieferen Analysen durchaus standhalten, hatte sie alle selbst geschrieben. Inspiriert wurde sie dabei nach eigener Aussage durch Leonard Cohen und Lou Reed. Suzanne Vega war Wegbereiterin für eine ganze Reihe junger Frauen, die Ende der Achtziger Jahre zur Gitarre (oder wie Tori Amos zum Klavier) griffen und überwiegend sehr persönliche und direkte Lieder schrieben. Tracy Chapman, P.J. Harvey und Alanis Morrissette sind vermutlich die bekanntesten Musikerinnen, die Vega folgten. Die Kritiker waren begeistert und erkoren die Vorreiterin zur Pop- und Folk-Ikone. Unverkrampft und authentisch wie sie wirkte, verfügte sie über Eigenschaften, die den kommerziell hochgezüchteten Musikern fehlte.

Maue Jahre

Mit ihrem zweiten Album "Solitude Standing" (1987) und der Singleauskoppelung "Luka" schloss Vega nahtlos an ihren Newcomer-Erfolg an. Erst ihr Studio-Album "99.9 F" (1992) markierte eine Abkehr von den ruhigen Balladen. Die Lieder boten allerlei technische Neuerungen und Beats – an den Erfolg der ersten Platten konnte "99.9 F" und auch "Nine Objects of Desire" (1996) nicht mehr anknüpfen.

Ihr aktuelles Album markiert Suzanne Vegas Rückkehr zu ihren musikalischen Anfängen. Nach der privaten und musikalischen Trennung von Froom, der für den radikalen Einschnitt in den 90er Jahren verantwortlich war, stellten sich die Fans die Frage, wie es mit Suzanne weitergehen würde. Schlussstrich? Neuanfang? Ihr Blick jedenfalls ist auf dem Cover von "Songs in red an gray" über die Schulter nach hinten gerichtet. Ihr "persönlichstes" Album sei es geworden, heißt es dazu im Infotext. Inhaltlich mag das stimmen, musikalisch aber scheint sie sich erst einmal wieder des Bodens unter ihren Füßen vergewissert zu haben. Von Aufbruchstimmung keine Spur. Die Zeiten, in denen Suzanne Vega für eine Überraschung gut war, sind wohl erst einmal vorbei.

Suzanne Vega mehr oder weniger "unplugged" ist am 1. März 2002 in München zu hören und zu sehen. Danach tourt sie quer durch ganz Europa bevor sie weitere Konzerte in Amerika gibt.

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