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Kultur

Kopfgeldjagd auf digitale Einbrecher

Interpol, FBI und der Software-Riese Microsoft blasen zur Jagd auf Computerhacker. Fünf Millionen Dollar wurden ausgesetzt, um Hacker aufzuspüren.

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Viren gegen Microsoft: Die Attacke des Computerwurms "Lovesan"

"In unseren Kreisen ist das eine Lachnummer", sagt Lars Weiler vom Chaos Computer Club zum Kopfgeld-Programm gegen Hacker. "Das Ganze ist doch in erster Linie eine PR-Geschichte, die sich Microsoft ausgedacht hat. Was wollen die mit fünf Millionen Dollar schon ausrichten?" Weiler hat Recht. Die Attacken bösartiger Computerviren gegen das Softwaremonopol von Microsoft sind keine Einzelfälle.

In einer Studie des IT-Marktforschers Aberdeen Group wird ein düsteres Szenario der Computer-Sicherheit entworfen: "Fast alle Internet Service Provider, viele Unternehmensnetzwerke und die meisten privaten PCs sind mit Inhalten infiziert, die eine elektronische Überwachung, den elektronischen Diebstahl oder andere Arten der Cyber-Kriminalität ermöglichen", schreibt der Autor der Studie, Jim Hurley. Das Prekäre dabei ist , so Hurley, dass die Mehrheit dieser digitalen Angriffe völlig unbemerkt bleibt und klammheimlich nahezu alle Sicherheitssysteme oder Firewalls überwindet.

Weiße und schwarze Hüte

Die Attacken gegen Microsoft sind dagegen weltweite Medienereignisse. Auch wenn Millionen von Rechnern rund um den Globus von digitalen Bösewichtern wie "MSBlast" oder "SoBig" lahm gelegt werden, so schwingt bei vielen Computer-Nutzern ein Hauch von Sympathie für die Schöpfer der Viren mit. Die wiederum gefallen sich in ihrer Rolle als einsame Kämpfer gegen das Monopol des Bill Gates und sind in der Hacker-Community als "whitehats" bekannt.

Der klassische "Weißhut" hat einen durchdachten ideologischen Überbau: Er versteht sich als eine Art Robin Hood des Internets, der aus edlen Motiven in Kauf nimmt, auch gegen Gesetze zu verstoßen, um gegen das Böse im Netz zu kämpfen. "Blackhats", die mit den schwarzen Hüten, sind dagegen nur darauf aus, Schaden anzurichten – aus purem Spaß an der Freude. "Das sind dumme Kinder, die Spaß daran haben, Seiten herunterzufahren – und möglichst viel Schaden anzurichten", lautet das vernichtende Urteil von Lars Weiler vom Chaos-Computer-Club.

Kopfgeld auf Hacker ausgesetzt

Als Teil der Kopfgeld-Kampagne setzt Microsoft eine Belohnung von 250.000 Dollar aus, um an die Macher des Computervirus MSBlast heran zu kommen. Die Variante A des aggressiven Wurms wurde unter dem Namen Blaster und LovSan im August bekannt, als er weltweit Computer infizierte und dabei eine Sicherheitslücke im Windows- Betriebssystem aufdeckte. Weitere 250.000 Dollar von Microsoft winken dem, der die Ermittler zu den Urhebern des Sobig-Virus führt, der ebenfalls Rechner mit Microsoft-Betriebssystemen angreift.

Dass die Kopfgeld-Kampagne teilweise Erfolg hat, will Computerexperte Weiler nicht ausschließen: "Natürlich kann ich mir vorstellen, dass es den einen oder anderen gibt, der andere verpfeift. Besonders, wenn jemand mal Unsinn gemacht hat, dann ist das eine prima Methode, um solche Leute loszuwerden."

Kampf gegen den Cyber-Terror

Hochtechnisierte Volkswirtschaften wie die USA, Europa oder Japan werden weiter mit der Bedrohung aus dem Cyberspace leben müssen. Schon jetzt rechnen die Geheimdienste damit, dass Terroristen Viren, Würmer und Trojaner in die Netze ihrer Feinde einschleusen. "Bei einer Software-Monokultur kann man mit solchen Mitteln einen größeren wirtschaftlichen Schaden anrichten, als durch terroristische Gewaltaktionen bei denen unschuldige Menschen ums Leben gebracht werden", resümiert ein Internet-Nutzer in einem der unzähligen Internet-Foren, in denen das Thema zur Zeit heiß diskutiert wird. Sein Newsgroup-Beitrag schließt mit der bangen Frage: "Was wird die nächste Stufe sein, wenn es mit dem Kopfgeld nicht klappt? Kriegserklärungen gegen Länder von denen die Viren in Umlauf gebracht werden?"

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