1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Kopf

Der Kopf ist für die Sprache ein bedeutungsvoller Ort. Mit ihm kann man durch die Wand rennen, man kann ihn verdrehen und verlieren – und das meist, ohne Schaden zu nehmen.‎‎

Unser Kopf ist das Zentrum von Geist und Gefühl. Zumindest sprachlich betrachtet. Mit ihm können wir die Welt begreifen und uns in ihr zurechtfinden. Deshalb ist, wer "den Kopf verliert", reichlich orientierungslos. Kopflos reagieren Menschen vor allem in Stresssituationen. Unter Zeitdruck gibt man schon mal Salz in den Kaffee und Zucker in die Suppe. Oder man sucht vor einem wichtigen Termin eine halbe Stunde lang verzweifelt nach dem Autoschlüssel, den man längst in der Hand hält.

Eingeschränkte Sicht

Auch die Liebe oder mehr noch die Verliebtheit kann den Menschen orientierungslos machen – und ihm den Blick so sehr verstellen, dass die oder der Angebetete zum schönsten, klügsten und überhaupt zum großartigsten Wesen auf der Welt wird. Freunde kommentieren diesen Zustand meist mit dem Satz: "Na, dir wurde ja ganz schön der Kopf verdreht!"

Nun passiert es manchmal auch den intelligentesten Menschen, dass sie das Naheliegende weder sehen noch verstehen, dass sie – wie man sagt – "ein Brett vor dem Kopf haben". Diese zeitweilige Begriffsstutzigkeit ist nicht weiter schlimm. Aber leider gibt es auch noch jene, die auf ihre Sicht der Dinge absolut fixiert sind und alle Ratschläge und Argumente ignorieren. Typisch ist eine solche Einstellung bei politischen und religiösen Fanatikern, die man wegen ihrer starren Haltung auch gerne als Betonköpfe bezeichnet.

Ein Kopf kommt selten allein

Es gibt noch zahlreiche zusammengesetzte Wörter mit "Kopf", die menschliche Unzulänglichkeiten in verschiedenen Varianten zum Ausdruck bringen. Auch ein kluger Mensch kann als Dummkopf oder Holzkopf bezeichnet werden, wenn er mal einen Fehler begeht, zum Beispiel, indem er sich zu einem unnötigen Zeitschriftenabonnement oder einem übertrieben teuren Auto überreden lässt. Dem Hohlkopf dagegen fehlt grundsätzlich die Fähigkeit, klug zu handeln, zumindest aus der Sicht des Betrachters.

Beim Hitzkopf geht so manches daneben – aber nur, weil er sehr ungeduldig ist und der Überlegung keine Zeit lässt. Der Kindskopf dagegen scheitert an seiner kindlichen Naivität. Und der Trotzkopf will einfach nicht einsehen, dass auch er mal Unrecht hat. Im Extremfall rennt er "mit dem Kopf durch die Wand" und versucht sich durchzusetzen, obwohl das Hindernis offensichtlich unüberwindbar ist.

Kopf oder Bauch?

Als gut überlegt, sachlich und vernünftig gilt im Allgemeinen die Kopfentscheidung. Bauchentscheidungen dagegen werden nach Lust und Laune getroffen und der Vernunft vorgezogen.

Nun kann man es aber auch übertreiben mit dem Nachdenken und sich in großen Theoriekonstrukten verlieren. Das nennt man dann kopflastig. Um eine regelrechte Kopfgeburt hingegen handelt es sich, wenn eine Idee allzu unrealistisch ist und fern jeder Alltagserfahrung liegt.

Kopfnoten und rauchende Köpfe

Schlechte Noten auf dem Schulzeugnis führen manchmal dazu, dass Eltern ihren Kindern "tüchtig den Kopf waschen". Diese Reinigung geschieht nicht mit Wasser, sondern mit Worten wie: "Du bist doch nicht 'auf den Kopf gefallen' und bringst trotzdem eine Fünf mit nach Hause!"

Einige Eltern verzweifeln auch über die Kopfnoten ihrer Kinder. Kopfnoten heißen so, weil sie früher ganz oben auf dem Zeugnis, also dem Zeugniskopf standen. Sie sollen das soziale Verhalten von Schülern bewerten. Weil sie unter Pädagogen höchst umstritten sind, redete man sich über Kopfnoten schon oft die Köpfe heiß – in anstrengenden Diskussionen, die nicht selten zu "rauchenden Köpfen" führten.

Kopf hoch!

Wenn dann auch noch der Sohn darauf hinweist, dass der Vater in der Schule auch nicht besser war, könnte ein klassischer Streit beginnen. Man "wirft sich" grobe Worte "an den Kopf", der Sohn geht unter Türknallen in sein Zimmer und der Vater ruft ihm nach: "Wenn sich das nicht ändert, kannst du dir das Mofa zum Geburtstag 'aus dem Kopf schlagen'!" Er braucht also nun nicht mehr zu hoffen, dass er eines geschenkt bekommt.

Die Situation ist aber auch anders vorstellbar. "Eine schlechte Note wird dich schon nicht 'den Kopf kosten' und die Versetzung gefährden", könnte der verständnisvolle Vater sagen. Und die Mutter könnte tröstend hinzufügen: "Kopf hoch, Junge! Es gibt ja auch noch andere Fächer. Bis zum Abitur schaffst du das schon. Du darfst jetzt bloß nicht 'den Kopf in den Sand stecken' und aufgeben." Wer würde bei so viel Verständnis "den Kopf hängen lassen"?

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads