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Afrika

Kopf-an-Kopf-Rennen bei Sambias Präsidentschaftswahlen

Sambia erwartet die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen. Interne Machtkämpfe innerhalb der Regierungspartei haben die Opposition gestärkt. Beobachter räumten ihr gute Chancen ein.

Am Dienstag (20.01.2015) haben die Sambier einen neuen Präsidenten gewählt. Nun erwarten die Sambier die Ergebnisse. Ersten inoffiziellen Ergebnissen zufolge soll der Generalsekretär der links-orientierten Regierungspartei Patriotische Front (PF) und derzeitige Verteidigungsminister Edgar Lungu bei der Stimmenauszählung vorne liegen.

Sambias Regierungspartei, die Patriotic Front (PF), ist seit langem in interne Machtkämpfe verwickelt. Da kam der Tod von Parteiführer und Präsident Michael Sata im Oktober vergangenen Jahres nur als erschwerendes Problem hinzu. Der schwelende Konflikt innerhalb der zersplitterten Partei trat nur noch offener zutage, als Vizepräsident Guy Scott nach dem Ableben Satas die Amtsgeschäfte als Übergangspräsident übernahm. Scott enthob Verteidigungsminister Edgar Lungu seines Amtes als Generalsekretär der PF, ohne ein Wort der Erklärung. Nach heftigen Protesten gegen diese Entscheidung in der Hauptstadt Lusaka revidierte Scott tags darauf die Abberufung und stellte Lungu wieder ein.

Übergangspräsident Guy Scott REUTERS/Larry Downing

Vertrauen verspielt: Übergangspräsident Guy Scott

Seitdem misstrauen ihm viele Sambier. Scott selbst darf wegen seiner britisch-schottischen Vorfahren nicht zu den Präsidentschaftswahlen am Dienstag (20.01.2015) antreten. Die sambische Verfassung verlangt, dass beide Elternteile in Sambia geboren sein müssen.

Zwei Lager ringen in der PF um die Vormacht. Jedes Lager stellte noch vor Wochen einen eigenen Kandidaten: die Fraktion um Guy Scott votierte für Miles Sampa, den Neffen des verstorbenen Michael Sata. Das gegnerische Lager schickte Edgar Lungu ins Rennen. Vor knapp vier Wochen einigten sich dann schließlich alle - nach Vermittlung von katholischen Bischöfen - auf Edgar Lungu.

Die Regierungspartei liegt vorn

Helmut Elischer, Direktor der Friedrich-Ebert-Stiftung in Lusaka, hält die "Chancen für einen Wahlsieg der PF für hoch", trotz der internen Grabenkämpfe. "Die Partei ist in ihrer Kampagne um Einigkeit bemüht und will jetzt das Beste aus der Situation machen." Edgar Lungu sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP: "Ich möchte eine Einheitsregierung, die auch offen für Oppositionsanhänger ist." Er wolle, dass Sambia alle parteipolitischen und ethnischen Streitigkeiten hinter sich lässt und zu einer nationalen Identität finde, so Lungu.

Hakainde Hichilema, UPND Foto: REUTERS/Rogan Ward

Aussichtsreicher Kandidat: Hakainde Hichilema von der UPND

Doch auch die Oppositionspartei Movement for Multi-Party Democracy (MMD) ist mit internen Machtkämpfen beschäftigt. Nach einem Gerichtsentscheid schickt die Partei nun den 54-jährigen Pastor Nevers Mumba ins Rennen.

Streiten sich zwei, freut sich der dritte, meint der sambische Analyst Boniface Cheembe. "Von den Machtspielen der anderen hat die Oppositionspartei United Party for National Development (UPND) beträchtlich profitiert. Ihr Kandidat Hakainde Hichilema verzeichnet immer mehr Zuspruch in der Bevölkerung". Damit könnte sie zu einem ernsthaften Herausforderer werden, und eventuell sogar den zukünftigen Präsidenten stellen, meint Cheembe in einem Gespräch mit der DW.

Kandidat Hichilema ist kein Neuling. Er tritt bereits zum vierten Mal an. Er und seine Partei wollen Sambias Wirtschaft mithilfe von Investoren in der Kupferindustrie vorantreiben. Auch hat Hichilema angekündigt, die repressiven Pressegesetze abzuschaffen und eine volksnahe Verfassung zu verabschieden.

Bessere Jobs, gesichertes Einkommen

Kupferbergwerk in Sambia

Sollen Investoren locken: Sambia ist zweitgrößter Kupferproduzent des Kontinents

Die meisten Sambier unterdessen wünschen sich eine stabilere Wirtschaft. Sie wollen mehr Jobs für die Jugend und dass sich ihr Lebensstandard verbessert. So war auch das Interesse am Wahlkampf innerhalb der Bevölkerung sehr hoch. Die Wahlveranstaltungen der Parteien waren gut besucht, so Analyst Cheembe. "Die Sambier hören ganz genau hin, was die einzelnen Parteien zu sagen haben und wägen die Versprechen der Kandidaten genau ab."

Helmut Elischer von der Friedrich-Ebert-Stiftung ist, was die Wahlbeteiligung angeht, schon skeptischer: "Die Wahlkommission hat angekündigt, das Wahlregister aus dem Jahr 2011 zu verwenden." Das hieße jedoch, dass eine junge Generation an Wahlberechtigten gar nicht teilnehmen könne, so Elischer.

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