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Aktuell Amerika

Kopf-an-Kopf-Rennen bei Präsidentenwahl in Kolumbien

In vielen Positionen unterscheiden sich die beiden Favoriten, Amtsinhaber Santos und Herausforderer Zuluaga, kaum. Bis auf eine entscheidende Frage: Soll der Friedensdialog mit den FARC-Rebellen weitergehen oder nicht.

Mit ihrer Stimme entscheiden die rund 33 Millionen Wahlberechtigten in Kolumbien vor allem für oder gegen weitere Verhandlungen mit der Guerilla. Amtsinhaber Juan Manuel Santos (Artikelbild) hat ein Friedensabkommen mit den linken FARC-Rebellen nach über 50 Jahren Krieg zur Priorität seiner Politik gemacht.

Sein schärfster Herausforderer, Óscar Iván Zuluaga (Foto unten), lehnt die Verhandlungen entschieden ab. Zuluaga ist der Ziehsohn von Ex-Präsident Álvaro Uribe und setzt wie dieser nach wie vor auf einen militärischen Sieg über die Guerilla.

Schlammschlacht vor der Wahl

In Umfragen liegen die beiden Favoriten gleichauf, erreichen aber mit erwarteten 30 Prozent voraussichtlich nicht die erforderliche absolute Mehrheit. Eine Stichwahl zwischen Santos und Zuluaga gilt daher als wahrscheinlich. Diese würde am 15. Juni stattfinden.

Óscar Iván Zuluaga schaut mit nach oben gestrecktem Daumen in die Kamera (Foto: dpa)

Der rechtskonservative Herausforderer und Mitfavorit Óscar Iván Zuluaga

Beide Politiker gehören dem rechten politischen Lager an, ein genereller Richtungswechsel steht in Kolumbien also nicht an. Sowohl in der liberal ausgerichteten Wirtschaftspolitik als auch beim Interesse an guten Beziehungen zu den USA sind sich die beiden Favoriten einig.

Mangels unterschiedlicher politischer Positionen waren die letzten Tage vor der Wahl von gegenseitigen Vorwürfen geprägt. So beschuldigte Zuluaga enge Mitarbeiter von Santos, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein. Dieser wiederum bezichtigte seinen Gegenspieler, Kontakte zu Hackern zu haben und brachte ihn mit einem Spionageskandal in Verbindung.

Da es bis auf die Friedenspolitik kaum politische Auseinandersetzungen gab, ließ der Wahlkampf die meisten Kolumbianer kalt. Beobachter rechnen daher mit einer sehr geringen Wahlbeteiligung.

Krieg mit Hunderttausenden Toten

Die anfangs breite Unterstützung in der Bevölkerung für den vor gut 18 Monaten begonnenen Dialog mit den FARC-Rebellen hat inzwischen nachgelassen, da die Verhandlungen nur schleppend vorankommen. In vielen Teilen des Landes toben immer wieder Kämpfe, jede Woche gibt es Meldungen über Tote und Entführungen.

So konnte Zuluaga, der die Verhandlungen mit der FARC - "dem größten Drogenkartell der Welt" - für inakzeptabel hält, in den vergangenen Monaten in der Wählergunst kräftig zulegen.

Die FARC und auch die zweitgrößte Guerillagruppe ELN haben für die Zeit des Urnengangs eine einseitige Waffenruhe verkündet. Der Krieg zwischen kolumbianischem Staat und den Rebellen dauert seit 50 Jahren an. Dabei wurden Hunderttausende Menschen getötet und Millionen vertrieben.

cw/kis (dpa, epd, afp)