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Wirtschaft

Kopf ab - wofür man in der Silvesternacht einen Säbel braucht

Vier Liter Sekt trinkt jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr. Das ist weltweit Spitze. Immer öfter ist es Sekt der Marke "Rotkäppchen". Die ostdeutsche Kellerei ist Marktführer. Ein Portrait.

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In der Rotkäppchen-Mumm-Sektkellerei in Freyburg (Sachsen-Anhalt)

Rotkäppchen Sekt Kellerei Weihnachten Fass

Das große Fass in Freyburg

Es gibt zwei Wege, eine Flasche Sekt oder Champagner zu öffnen. Man kann sie entkorken, oder aber köpfen. Schon Napoleon soll im Jahr 1812, nach gewonnener Schlacht, zum Säbel gegriffen haben. Einen Champagnersäbel zu führen, das sei gar nicht so schwer, sagt Ilona Kaiser von der Sektkellerei Rotkäppchen in Freyburg, im südlichen Sachsen-Anhalt. Sie steht im historischen Teil der Kellerei, einem fünfstöckigen Gebäude aus rotem Backstein, und hält in der einen Hand einen Säbel mit goldenem Griff und einer breiten, reich verzierten Klinge. In der anderen Hand hält sie eine Flasche Sekt. Ein gezielter Schlag gegen die Flaschenhalslippe lässt den sauber abgetrennten Flaschenhals mit einem Knall durch die Luft fliegen. Er landet auf dem Boden des Kellereigebäudes, das vor mehr als 150 Jahren in einen Felsen getrieben wurde und heute unter Denkmalschutz steht. Für die industrielle Sekt-Produktion ist hier kein Platz. Sie findet nebenan, in modernen Industriehallen statt. Pro Stunde werden hier 20.000 Flaschen Sekt abgefüllt.

Von Monopol zu Rotkäppchen

Gegründet wurde die Freyburger Kellerei 1856 durch die Gebrüder Moritz und Julius Kloss und ihren Freund Carl Foerster. Schnell erkannten sie die wachsende Bedeutung moussierender Weine und feierten als Freyburger Champagner Fabrik Gesellschaft rasch Erfolge. Mit ihren Marken Monopol, Crèmant Rosé und Lemartin Frères machten sie den französischen Champagnern Konkurrenz. Zum schnellen Wachstum trug die erste Reichtags-Weinprobe 1876 ebenso bei wie die Verleihung der Großen Preußischen Staatsmedaille in Gold.

Rotkäppchen Sekt Kellerei Kontorgebäude

Das Kontorgebäude der Kellerei

Die Einführung des Markenschutzgesetzes Ende des 19. Jahrhunderts machte es Kloss & Foerster allerdings unmöglich, den Namen Monopol zu behalten. In einem Rechtsstreit unterlagen sie dem Champagnerhaus Heidsieck Monopole in Reims in Frankreich. Das war die Geburtsstunde des Markennamens Rotkäppchen. Der Freyburger Sekt trug auf dem Flaschenkopf schon immer eine rote Aluminium-Kappe und so ist der Name Rotkäppchen nicht etwas von der gleichnamigen Märchenfigur abgeleitet, sondern von der Farbe der Verpackung.

Kultur und persönlicher Kontakt als Vermarktungsstrategie

Rotkäppchen Sekt Kellerei Produktionshalle

Produktion des Marktführer

Nicht nur die Firmengeschichte, sondern auch ein breites kulturelles Angebot locken jedes Jahr mehr als 100.000 Besucher in die Sektkellerei in Freyburg. 20 bis 25 Kabarettveranstaltungen und Konzerte, von Klassik über Jazz bis zur Volksmusik, finden jedes Jahr im historischen Lichthof der Kellerei statt. Dazu kommen täglich zwei Führungen, außerdem können Räume im historischen Kellereigewölbe für private oder betriebliche Feiern, gerne auch mit Catering, angemietet werden. Die Verbindung von Sekt und Kultur, von Sekt und erinnerungswürdigen Momenten, sowie der direkte Kontakt zum Kunden sind Teil der Verkaufsstrategie, wie Marketingdirektor Peter Claußen sagt. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Mehr als 82 Millionen Flaschen Rotkäppchen-Sekt wurden 2007 verkauft, 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Marktführerschaft dank Expansion im Westen

Der Erfolg mutet noch immer wie ein kleines Wunder an, denn nach der deutschen Vereinigung stand die 1948 in einen volkeigenen Betrieb umgewandelte Sektkellerei vor der Insolvenz. In der DDR hatte Rotkäppchen in Spitzenzeiten 15 Millionen Flaschen Sekt pro Jahr produziert, 1991 waren es nur noch eine Million Flaschen. Die Kellerei sollte geschlossen werden, doch 1993 übernahm eine Gruppe von ehemaligen Mitarbeitern um den technischen Leiter der Kellerei die Firma von der Treuhand. Von da an ging es bergauf. 2002 wurden die hessischen Konkurrenten MM Extra und Jules Mumm aufgekauft. Ein Jahr später wurde die in Baden heimische Geldermann-Sektkellerei übernommen. Seit 2006 gehört auch der Spirituosenhersteller Eckes zum Konzern und außerdem ist die Produktpalette durch Wein erweitert worden. 186 Millionen Flaschen Sekt, Spirituosen und Wein liefen 2007 an insgesamt fünf Standorten der Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien vom Band. Der Gesamtumsatz belief sich auf 709,5 Millionen Euro. Mehr als jede dritte in Deutschland getrunkene Flasche Sekt stammt aus einer der Rotkäppchen-Kellereien.

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