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Wirtschaft

Kooperation trotz Sanktionen

Obwohl die Lage zwischen Russland und dem Westen angespannt ist, schütteln sich in St. Petersburg Topmanager die Hände. Deutsche Firmen haben schon die ersten Aufträge erhalten - von russischen Staatsbetrieben.

Für Russland ist es wirtschaftlich die wichtigste Veranstaltung des Jahres. 7000 Besucher werden auf dem 19. Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg erwartet, darunter viele Topmanger aus aller Welt.

Die Veranstaltung geht bis kommenden Sonntag. Bereits zu Beginn am Donnerstag hat es erste Kooperationsvereinbarungen gegeben. So hat der Elektrokonzern Siemens mit der russischen Staatsbahn RZD einen Wartungsvertrag abgeschlossen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 40 Jahren. Der neue Auftrag wurde mit einem bereits bestehenden Wartungsvertrag von 2011 zusammengefasst, so dass sich das Gesamtvolumen nun auf 1,7 Milliarden Euro beläuft.

Ostsee-Pipeline wird erweitert

Der Energieversorger E.ON vereinbarte mit dem russischen Gazprom-Konzern und anderen europäischen Gaskäufern den Bau weiterer Röhren nach Deutschland. Ein Gazprom-Sprecher nannte am Donnerstag Shell und OMV als weitere Partner.

Ostsee Pipeline (Foto: dpa)

Ostsee-Pipeline "Nord Stream"

Gazprom hatte die Erweiterung der Nord-Stream-Pipeline zu Jahresbeginn auf Eis gelegt und dies mit den fallenden Gaspreisen begründet. Diese haben sich inzwischen aber auf niedrigem Niveau stabilisiert. Durch die Pipelines wird seit 2012 Gas aus Sibirien nach Deutschland und in weitere Staaten in Europa gepumpt.

Sanktionen mit Folgen

Wegen der schweren Wirtschaftskrise in Russland blicken Unternehmer eher pessimistisch auf das Forum in St. Petersburg. "In den kommenden ein bis zwei Jahren erwarten wir nur wenig positive Entwicklung", sagt Frank Schauff, Chef der Vereinigung Europäischer Unternehmer (AEB). Langfristig rechne sein Verband aber mit einer Erholung, die sich positiv für die europäischen Investoren auswirken werde.

Porträt Frank Schauff (Foto: picture-alliance/dpa/Association of European Business/Staszalesov.Com)

Frank Schauff vom AEB

Durch die von Sanktionen begleiteten Spannungen zwischen Russland und dem Westen sei 2014 ein schwieriges Jahr für Russland-Geschäfte gewesen, so Schauff. Seit dem Sommer vergangenen Jahres gelten in der EU Ausfuhrverbote für bestimmte Maschinen, etwa für die Förderung von Öl und Gas, sowie für Waffentechnik.

Die meisten deutschen Firmen gingen aber pragmatisch mit den Sanktionen um. Das bestätigen auch Erhebungen von AEB und dem Institut GFK. Demnach haben sich die Strafmaßnahmen für die Mehrheit der Unternehmen nicht auf die eigenen Geschäfte ausgewirkt.

Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, rief im ARD-Fernsehen zum weiteren Dialog auf. "Gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit ist die beste Friedenssicherung", sagte er.

Investoren aus China

Kremlstrategen wollen in St. Petersburg wegen der Krise mit dem Westen verstärkt Investoren vor allem aus China ins Land holen. Daher sehen europäische Konzerne das Forum in St. Petersburg auch als Ansporn, den russischen Markt nicht an asiatische Mitbewerber zu verlieren. "Es ist richtig, die ostasiatische Konkurrenz im Blick zu behalten, aber ich würde vor Panik warnen", so Schauff von AEB. Der Handel zwischen der EU und Russland ist zwar zuletzt stark eingebrochen. Doch ist der Anteil der EU am russischen Außenhandel mit etwa 49 Prozent in den vergangenen Jahren weitgehend stabil geblieben, wie aus Daten des russischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht.

Was machen Putin und Tsipras?

Den eigentlichen Coup aber soll es aber erst an diesem Freitag geben. Dann wird Alexis Tsipras in St. Petersburg mit Kremlchef Wladimir Putin zusammen kommen. Im Beisein der Politiker soll eine Absichtserklärung über den Weiterbau der geplanten Gasleitung Turkish Stream von der Türkei nach Griechenland unterzeichnet werden.

Russland Griechenland Tsipras bei Putin (Foto: EPA/ALEXANDER)

Putin und Tsipras bei einem Treffen am 08. April

Die Russen versprechen den vom Bankrott bedrohten Griechen nicht nur einen Milliardenvorschuss für den Pipelinebau. Für die Zukunft soll das chronisch klamme EU-Land eine dauerhafte Einnahmequelle haben - Hunderte Millionen Euro jährlich für den Gastransit nach Westeuropa.

nm/hmf (dpa, rtr, afp)

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