Konzertverbot: Stille in Bamako | Afrika | DW | 19.06.2013
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Afrika

Konzertverbot: Stille in Bamako

Weltweit ist Mali für seine Musik bekannt. Doch seit Januar schweigen die Instrumente: Mit dem Ausnahmezustand wurden öffentliche Konzerte verboten - aus Sicherheitsgründen. Viele Musiker kämpfen nun um ihre Existenz.

Salif Keita, Habib Koité, Toumani Diabaté, Bassekou Kouyaté - das ist nur eine kleine Auswahl von Musikern aus Mali, die sich auf der internationalen Bühne einen Namen gemacht haben. Derzeit kann man sie allerdings nur außerhalb ihres Heimatlandes im Konzert sehen: Der Ausnahmezustand, den die Regierung im Januar verhängt hat, verbietet auch Musikaufführungen. Das Sicherheitsrisiko sei zu groß, begründet die Regierung ihre Entscheidung. In der Hauptstadt Bamako, wo sonst täglich Live-Bands auftreten, ist es seither still. Erst kürzlich wurde das Konzertverbot bis zum 5. Juli 2013 verlängert - dann beginnt der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen am 28. Juli 2013.

"Als der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, traf das die Musiker am heftigsten", sagt Abdoul Wahab Berthe, der den malischen Sänger Habib Koité als Bassist begleitet. "Alles wurde verboten", erzählt er. Zurzeit gebe es "keine Studioaufnahmen, keine Veranstaltungen - nichts." Die Musiker leben also von der Hand in den Mund. Deswegen freut sich Abdoul Wahab Berthe über seine Auftritte in Europa. Aber nur die wenigsten malischen Musiker haben die Möglichkeit, ins Ausland auszuweichen.

Ein Land wie in Trauer

Der Balafon-Spieler Aly Keita aus Mali

Aly Keita: "Es gibt keine Musik mehr in Mali"

Der Balafon-Spieler Aly Keita lebt in Berlin und tourt mit Stars der westafrikanischen Musik durch die Welt. Das Balafon ist ein traditionelles westafrikanisches Xylophon, das seine besondere Klangart durch Flaschenkürbis-Hälften erhält, die unter den Klanghölzern als Resonanzkörper angebracht sind. Als Keita vor kurzem zu Besuch in seinem Heimatland Mali war, fand er die Situation furchtbar. "Dort wird es immer schwieriger für meine Freunde - die spielen normalerweise auf Feiern, Hochzeiten und traditionellen Versammlungen. Es gibt keine Musik mehr", erzählt er im Gespräch mit der DW. Die Musiker spielten gar nicht - und wenn, dann nur zu Hause, so Aly Keita. Mali erscheine ihm wie in Trauer. "Ein Land ohne Musik, das ist nicht möglich, das ist nicht Mali", sagt der Balafon-Spieler. Viele Musiker verlören allmählich die Hoffnung und verkauften ihre Instrumente.

Verständnis hat Aly Keita aber trotzdem. "Bei Konzerten kommen immer viele Menschen zusammen, Selbstmordattentäter könnten sich unter die Leute mischen und sich in die Luft sprengen." Dies sei den Musikern vielleicht nicht deutlich genug erklärt worden, meint der Künstler. Viele hätten nicht verstanden, warum die Behörden Konzerte und Versammlungen verboten hätten. "Es ist eine Sicherheitsmaßnahme, die aber leider viele unglücklich macht", erklärt er.

Musiker aus dem Norden sind doppelt gestraft

Der Musiker Bassekou Kouyaté aus Mali nach dem Konzert (Foto: DW/Aude Gensbittel)

Wirbt für Toleranz in Mali: Ngoni-Musiker Bassekou Kouyaté

Bassekou Kouyaté ist international bekannt für sein Ngoni-Spiel. Ngoni ist ein traditionelles Saiteninstrument und ähnelt einer Harfe. Kouyaté zeigt vor allem Mitgefühl für die Musiker, die im vergangenen Jahr aus dem Norden Malis geflohen sind. Diese Region hatten Islamisten mehrere Monate lang besetzt gehalten und Musik verboten, weil sie ihnen als unislamisch galt. Jetzt können diese Musiker auch in Bamako nicht auftreten. Deswegen fordert Bassekou Kouyaté für sie finanzielle Hilfe vom Staat und von den westlichen Geberländern. "Die internationale Gemeinschaft gibt viel Geld für Truppen in Mali - sie sollte auch an die Musiker denken, die nicht mehr arbeiten können", sagt er. "Wir sind auch Malier, und wir standen diesem Land immer mit aller Kraft bei."

Aufruf zur nationalen Einheit

Seit langem setzt sich Bassekou Kouyaté für Frieden in Mali ein. Seine Lieder rufen zur Einheit unter den verschieden ethnischen Gruppen auf, zu Toleranz und Religionsfreiheit. Seit Beginn der Krise hat er auf Wunsch der Regierung mehrfach im staatlichen Fernsehen für den nationalen Zusammenhalt geworben. "In Mali ist schon genug Blut geflossen", sagt der Musiker. Man brauche Solidarität, damit die Probleme nicht ständig wiederkehrten. In Mali lebten gegenwärtig Hunderte verschiedener Ethnien. Wenn jede ihren eigenen Staat fordere, habe das Land keine Zukunft, sagt er mit Blick auf die Tuareg-Rebellen, die im Norden des Landes weitgehende Autonomie vom Zentralstaat fordern.

Und so wirbt Bassekou Kouyaté in Mali zur Zeit eben nicht auf Konzerten sondern in Fernsehen und Interviews für sein Anliegen: Es sei besser, mit Worten für seine Ziele zu kämpfen als mit Waffen.

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