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Wirtschaft

Konzern der Macht

Kein Konzern erhielt so viele Aufträge im Irak wie Halliburton aus Texas. Doch die Gewinne blieben bisher aus, statt dessen wächst die Liste der Vorwürfe auch gegen den Ex-Halliburton-Chef und US-Vizepräsident Cheney.

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Halliburton löscht auch brennende Pipelines

Der Trauerflor hat auf der Internetseite des Halliburton-Konzerns inzwischen einen festen Platz. Zum 41. Mal musste das Unternehmen aus der texanischen Ölmetropole Houston vor wenigen Tagen den Tod eines seiner Mitarbeiter im Irak verkünden. Diesmal traf es den 56-jährigen Lastwagenfahrer Walter Z. aus Florida. "Walter hat einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau des Irak geleistet", heißt es in der Beleidsbekundung. Walter Z. war mit seinem Truck auf eine Landmine gefahren.

Dick Cheney

Vizepräsident Richard Cheney

Schlechte Nachrichten kommen für Halliburton nicht nur aus dem Irak. Das Unternehmen steht in der Heimat seit Monaten im Kreuzfeuer der Kritik. Ein halbes Dutzend offizieller Untersuchungen laufen inzwischen gegen den Konzern, der von der US-Regierung für den Wiederaufbau im Irak Aufträge im Wert von zwischen sieben und zehn Milliarden Dollar erhalten haben soll. Im Visier der Ermittler steht dabei auch Vizepräsident Richard Cheney, der von 1995 bis 2000 den Konzern führte. Und die Liste der Vorwürfe wird immer länger. Es geht um die Verschwendung von Steuergeldern, Bestechung und Vetternwirtschaft.

Liste der Vorwürfe wächst - Halliburton und seine Tochtergesellschaft KBR (Kellogg Brown & Root) sollen von der Bush-Regierung teils ohne Ausschreibung die lukrativen Aufträge zum Wiederaufbau des Irak erhalten haben. Entscheidend sollen hier die Kontakte Cheneys gewesen sein, der nach wie vor jedes Jahr etwa eine Million Dollar von Halliburton kassiert.

- Im Dezember 2003 wurde bekannt, dass die Halliburton-Tochter KBR Treibstoff zu überhöhten Preisen an die US-Armee geliefert hatte. Insgesamt sollen 61 Millionen Dollar zu viel abgerechnet worden sein.

- Nur wenige Wochen später musste das Pentagon selbst einräumen, dass sein liebster Vertragspartner für das Essen der Soldaten auf einem Stützpunkt in Kuwait zu viel in Rechnung gestellt hatte. Laut Wall Street Journal hatte das Unternehmen angegeben, 42.000 Mahlzeiten serviert zu haben. Verspeist wurden aber nur 12.000. Wegen solcher Ungereimheiten halten die Wirtschaftsprüfer des Pentagon die Zahlung von 186 Millionen Dollar für die Versorgung der Truppen zurück.

- Ende Januar entließ der Konzern zwei Mitarbeiter in Kuwait. Die sollen sechs Millionen Dollar an Schmiergeld erhalten und dafür einem ortsansässigen Unternehmen einen lukrativen Auftrag zur Versorgung von US-Truppen besorgt haben.

- Große Empörung rief kürzlich eine schriftliche Stellungnahme von mehreren ehemaligen Mitarbeitern des Konzerns hervor: So sei ein rund 85 000 Dollar teurer Lastwagen einfach aufgegeben worden, als er wegen eines leicht reparierbaren Schadens liegengeblieben war. 100 Angestellte hätten für 10.000 Dollar in einem Nobel-Hotel in Kuwait übernachtet, obwohl sie eigentlich in Zelten wohnen sollten.

- Als besonders heikel könnte sich noch der Bestechungsskandal um das Konsortium TSKJ erweisen, an dem neben einer französischen, japanischen und italienischen Firma auch KBR beteiligt ist. TSKJ soll 180 Millionen Dollar Schmiergeld im Zusammenhang mit dem Bau einer Erdgasverflüssigungsanlage in Nigeria an dortige Regierungsmitglieder gezahlt haben und das zu einer Zeit, als Cheney noch bei Halliburton den Chefposten inne hatte. Die US-Börsenaufsicht SEC (Security and Exchange Commission) ermittelt.

Was wusste Cheney?

Halliburton hat reagiert und vor wenigen Tagen "alle Beziehungen" zu Albert "Jack" Stanley abgebrochen. Stanley war bis Dezember 2003 Chef von KBR. Ein weiterer Angestellter wurde entlassen. Als Begründung gab Halliburton an, die beiden hätten "auf unangemessene Weise persönliche Vorteile" aus dem Deal gezogen. Cheney hat wiederholt bestritten etwas von den Zahlungen gewußt zu haben.

Halliburton wehrt sich vehement gegen die Liste der Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer politischen Kampagne der Opposition. Gebetsmühlenartig wird betont, dass es keine Bush-Cheney-Connection gebe und dass Cheneys frühere Tätigkeit für den Konzern eher schädlich gewesen sei. Auch die schwierige Lage im Irak bereitet den Halliburton-Managern Kopfzerbrechen. Allein für die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter müssen sie enorme Summen aufwenden. Ein Rückzug kommt für den Konzern aber nicht in Fragen. Allein für KBR sind 24.000 Mitarbeiter in der Region im Einsatz.

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