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Nahost

Konvertiert und verfolgt

Wer als Muslim geboren wird, bleibt es auch, zumindest nach islamischem Recht. Darum riskieren Iraner, die einen Glaubenswechsel wagen - etwa zum Christentum - ihr Leben, auch in Deutschland.

Konvertierte Christen vor dem Altar einer evangelischen Kirche in Trier, Foto: dpa

Zuflucht in Deutschland: Konvertierte Christen

Samstagnachmittag, in einer kleinen Gemeinde in Köln: Wie jede Woche treffen sich rund 30 Iraner dort und feiern unter der Leitung von Volner Betsayyad einen Gottesdienst: Der kleine, kräftige Mann hält eine Bibel in der Hand und beginnt zu singen.

Bis auf Volner Betsayyad wurden alle Mitglieder der kleinen Freien- Kirche als Muslime geboren. Sie sind zum Christentum konvertiert. "Ich habe sie wieder geboren", sagt Betsayyad sichtlich stolz. Der 50 jährige Iraner nimmt den christlichen Auftrag zur Mission sehr ernst: "Geht in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Völkern", zitiert er die Bibel: "Also suchen wir Iraner. Wir finden ihre Adresse, verteilen unsere kleinen Hefte unter ihnen und laden sie in unsere Gemeinde ein".

Situation hat sich verschlechtert

Hinrichtung im Iran (Archiv), Foto: AP

Die Todesstrafe wird im Iran immer noch verhängt, auch gegen Konvertiten

Als gebürtiger Iraner kennt Betsayyad die Gefahren seiner Arbeit, denn der Wechsel vom Islam zu einer anderen Religion, etwa dem Christentum, ist für einen Moslem verboten und bedeutet nach Lesart des islamischen Rechts "abtrünnig zu werden"; eine gefährliche Auslegung des Religionswechsels, der in seiner Heimat, dem Iran, mit dem Tode bestraft wird.

Der Priester öffnet seine Bibel, die er schon vor dreißig Jahren in Teheran gekauft hat. Schon damals unter dem Schah habe er als Christ Probleme gehabt, erinnert er sich: "Aber nun ist alles noch viel schwieriger geworden. Besonders in den letzten drei bis vier Jahren. Denn jetzt wird Konvertieren offiziell mit dem Tode bestraft".

Dementsprechend verschlossen und zurückhaltend sind Iraner, die sich mit dem Gedanken tragen, zu konvertieren oder bereits ihre Religion gewechselt haben. Sie reden nicht gerne über sich und ihren Glauben. Mit gutem Grund, meint Alireza, die zu den ältesten Mitgliedern der Kölner Gemeinde gehört: "Für jemanden, der zum Christentum konvertiert ist und einen iranischen oder islamischen Namen hat, ist es auch hier nicht einfach", erzählt sie, denn obwohl sie schon lange in Deutschland lebt, wird sie auch hier oftmals angefeindet und bedroht: "Einer hat mir sogar einmal gesagt: Wenn wir uns in einem islamischen Land begegnet wären, würden wir dir zeigen, was es bedeutet, vom Christentum zu reden und dafür zu werben!" Die Angst vor Übergriffen ist unter den christlichen Iranern groß. Darüber hinaus leiden viele auch unter Isolation, denn sie werden oftmals von Familie und Freunden gemieden.

"Religion kann man nicht erben"

Mina Ahadi, Gründerin des Zentralrates der Ex-Muslime in Deutschland, Foto: DW

Engagiert sich: Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime

An diesem Tag in der Kölner Gemeinde beten die Mitglieder gemeinsam für Iran, eine 50-jährige Frau mit kurzen, schwarzen Haaren. Christin zu sein, war für sie immer ein Traum, erzählt sie: "Ich glaube an Jesus, seit ich acht Jahre alt bin. Damals ging ich ins Christliche Krankenhaus in Teheran. Aber wegen meiner Familie und der Situation im Iran war es nicht möglich, Christin zu sein." Vor sechs Jahren ist sie nach Deutschland ausgewandert und zum Christentum übergetreten. Doch ihre Familie habe sich von ihr abgewandt, sagt sie: “Sie haben meine Entscheidung noch nicht verdaut."

Rahele, eine junge Mutter, singt in dem kleinen Chor der Gemeinde, während ihr Kind in einer Babyliege auf einem Stuhl schläft. Auch sie wurde als Muslima geboren, doch sie haben sich nie damit identifizieren können, erzählt sie. "In meinem Leben habe ich wahrscheinlich weniger als zwei Monate meine religiösen Pflichten als Muslim erfüllt". Jetzt nimmt sie jede Woche am Gottesdienst teil. Allerdings hat sie vier Jahre gebraucht, um zum Christentum überzutreten: "Ich habe viele Bücher gelesen, viele gläubige Menschen aus der Gemeinde kennen gelernt und viel nachgedacht", sagt sie. Sie wiegt ihr Baby sanft auf ihrem Schoß und deckt ihren Sohn ordentlich zu. Rahele hat ihn bisher noch nicht taufen lassen: "Er wurde nur gesegnet. Er soll irgendwann selbst entscheiden, denn Religion kann man nicht erben."

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