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Politik

Kontinuität auf bayerisch

Die CSU hat Erwin Huber zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Damit endet die Ära von Edmund Stoiber. Henrik Böhme kommentiert.

Themenbild Kommentar

Die CSU ist ein Phänomen in der deutschen Parteienlandschaft. Seit einem halben Jahrhundert regiert sie ununterbrochen im Landtag des Freistaates Bayern. Aber auch bundespolitisch mischt sie kräftig mit - an der Seite ihrer Schwesterpartei CDU. Gerne charmiert man damit, dass die CDU ohne die CSU eine Dame ohne Unterleib sei.

Henrik Böhme

Henrik Böhme

Und noch einen Spruch zitieren die Granden der bayerischen Regionalpartei gerne: Die größte Gefahr für die CSU ist die CSU selbst.

Als hätte es dafür eines Beweises bedurft, lieferte die Partei in den vergangenen Monaten ein politisches Schauspiel der Extraklasse: Denn die Macht von Edmund Stoiber begann schon länger zu bröckeln – aber keiner hatte den Mut, dies offen auszusprechen. Erst Gabriele Pauli, eine Landrätin, löste dann mit Spitzelvorwürfen und Kritik an Stoiber die Krise aus.

Jetzt nun, neun quälende Monate später, der Showdown in München – und der letzte Vorhang für Edmund Stoiber. Er hat jetzt zwei Nachfolger. Zum einen Erwin Huber, über viele Jahre ein loyaler Diener seines Herrn. Immerhin musste er sich gegen zwei Mitbewerber für den Parteivorsitz durchsetzen. Kein alltägliches Ereignis im bayerischen Hofstaat. Einfacher hatte es da Günter Beckstein, bisher Innenminister. Er bekam das einstimmige Votum des Parteitages – und wird in wenigen Tagen vom Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.

Die CSU hat in München einen Neuanfang versucht. Aber irgendwie hatte man alles schon einmal gehört: Linke und Grüne sind für alles Schlechte in der Welt verantwortlich, die CSU hingegen ist ein Hort des Guten. Das neue Grundsatzprogramm setzt vor allem auf die Bewahrung konservativer Werte. Die CSU – auch das war wieder und wieder zu hören – müsse sich nicht neu erfinden, sie sei die einzige Zukunftspartei in Bayern. Das mag im Moment so stimmen. Die absolute Mehrheit ist nicht nur Messlatte für das neue Spitzenpersonal – sondern vor allem eine Existenzfrage. In dem Moment, wo man die Macht mit einem Koalitionspartner teilen müsste, würde das nicht nur den Einfluss auf die Bundespolitik schwächen – es wäre auch das schnelle Ende der Doppelspitze Beckstein/Huber.

Vorerst noch bleibt die CSU ein Phänomen. Während sich politische Gegner schon die Hände rieben ob der Krise um Stoiber und Co – so hat sie mit dem Parteitag von München zu alter Geschlossenheit zurückgefunden.