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Politik

Konter-Revolution gekontert

Nur zwei Tage nach seinem Sturz erobert Hugo Chávez in Venezuela die Macht zurück: Er übernimmt erneut das Präsidentenamt. Der Putsch gegen den Linksnationalisten ist offensichtlich gescheitert.

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Hugo Chávez kehrt in den Präsidentenpalast Miraflores zurück

Der alte und neue Staatschef schwebte per Hubschrauber in Venezuelas Hauptstadt Caracas ein. Dort begrüßten ihn seine Anhänger mit Gesang und Feuerwerk. Das Exil von Hugo Chávez auf der Insel Orchilla währte nur zwei Tage: Der vom Militär eingesetzte Präsident Pedro Carmona konnte sich nicht an der Macht halten. Er habe niemals seinen Rücktritt erklärt, betonte Chávez bei seiner Rückkehr.

Militär gespalten

Die Streitkräfte verweigerten seinem Rivalen Carmona die vollständige Unterstützung. Präsidententreue Einheiten forderten die Rückkehr von Chávez. Auch der venezolanische Gewerkschaftsbund, der mit seinen Massenprotesten den Sturz von Chávez zunächst mitausgelöst hatte, konnte sich nicht für Carmona entscheiden. Bei Gegendemonstrationen von Chávez-Anhängern gab es Dutzende Tote.

Der wieder eingesetzte Staatschef kündigte in einer Rede an die Nation an, es werde keine Repressalien gegen die Opposition geben. Allerdings würden die Minister von Carmona und einige Offiziere wegen des Putschversuches vor Gericht gestellt. Carmona, Chef des Unternehmer-Verbandes und Anführer der Revolte, wurde festgenommen.

Zwischen Kuba und Kolumbien

Hugo Chávez gilt als Linksnationalist. Er unterhält enge Beziehungen zum sozialistischen Kuba und zur linken Guerilla-Bewegung Kolumbiens. Chávez wettert gegen das "Establishment" aus Kirche, Unternehmern und Oberschicht. Zum Regierungschef der 24 Millionen Venezolaner wurde Chávez 1998 gewählt. Sein Parteienbündnis "Patriotischer Pol" schrieb sich den Kampf gegen Korruption und Kartelle auf die Fahnen.

Im Jahr 2000 gestaltete er die Verfassung nach seinen Vorstellungen um. Weil die Realität hinter Chávez Versprechen zurückblieb, gab es immer wieder Versuche, ihn von der Macht zu verdrängen. Unternehmer und Gewerkschaften riefen gemeinsam zum Generalstreik auf, einzelne Truppenteile lehnten sich gegen ihn auf.

Präsident mit Putscherfahrung

Mit Putschversuchen hat Chávez indes Erfahrung: 1992 wollte er selbst, damals Oberst der Fallschirmjäger, den damaligen Präsidenten Carlos Andres Perez zu stürzen. Der Putsch scheiterte, Chávez ging für zwei Jahre ins Gefängnis. Nun wehrte er sich selbst erfolgreich gegen einen Putschversuch - und feierte den Tag seiner Rückkehr als historisches Ereignis: "Das war eine Konter-Konter-Revolution". (jf)

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  • Datum 15.04.2002
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