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Kultur

Kontakte knüpfen in Guadalajara

In mehr als 40 Ländern wird Spanisch gesprochen, für mehr als 400 Millionen Menschen ist es die Muttersprache. Grund genug für deutsche Verlage, sich um diesen Markt zu bemühen.

Der deutsche Stand auf der Buchmesse in Guadalajara (Foto: Holger Ehling)

Gespräche am Deutschen Stand

Zum 23. Mal findet dieser Tage in Guadalajara, der zweitgrößten Stadt Mexikos, die Internationale Buchmesse statt. Annähernd 2000 Verlage aus 40 Ländern zeigen ihre Bücher; mit rund 250 Schriftstellern und erwarteten 600.000 Besuchern ist diese Messe das größte Bücherfest im gesamten spanischsprachigen Raum.

Lateinamerikanische Verlage werden selbstbewusst

Buchmesse Guadalajara (Foto: Holger Ehling)

Besucher der FIL (Feria Internacional del Libro)

In Guadalajara treffen sich alle diejenigen, die in der spanischsprachigen Welt mit Literatur und Büchern zu tun haben. Dabei gilt es, sich über die Kraftverhältnisse im Klaren zu sein. "Der lateinamerikanische Markt ist seit vielen Jahren dominiert von den großen spanischen Gruppen, die sich in Lateinamerika sehr früh und sehr breit aufgestellt haben", berichtet Martina Stemann, die im Auftrag der Frankfurter Buchmesse den Gemeinschaftsstand deutscher Verlage in Guadalajara organisiert hat. Allerdings sei in den vergangenen Jahren erfreulicherweise eine gewisse Unabhängigkeitsbewegung zu verzeichnen: Lateinamerikanische Verlage treten zunehmend selbstbewusster auf und konkurrieren mit spanischen Konzernen um Übersetzungsrechte.

Bücher sind zu teuer

Für deutsche Verlage ergeben sich dabei interessante neue Einsichten. "Verlage in Lateinamerika sind sehr neugierig", sagt Silvia Schuster vom Hamburger Carlsen-Verlag. Sie interessierten sich nicht nur für die preisgekrönten Bücher und Bestseller, sondern guckten auch genau, wie die Editionsgeschichte aussehe."Das hatte ich noch nie bei einem Gespräch mit einem spanischen Verlag", so Schuster.

Ein Besucher der Buchmesse liest in einem Buch (Foto: AP/Carlos Jasso)

Lesen soll gefördert werden

Tatsächlich klagen internationale Verleger schon seit Jahren darüber, dass die Übersetzungen ihrer Bücher, die sie einer der großen spanischen Verlagsgruppen anvertraut haben, viel zu selten auch den Weg nach Lateinamerika finden. Die Gründe dafür sind wirtschaftlicher Art. Mit Ausnahme von Mexiko, Argentinien und Kolumbien sind die spanischsprachigen Märkte Lateinamerikas recht klein. Für einen spanischen Verlag lohnt es sich deshalb nicht unbedingt, eigene Ausgaben vor Ort zu produzieren, zumal Bücher, gemessen an der Kaufkraft der Menschen, in ganz Lateinamerika unverhältnismäßig teuer sind. Ein Roman in Taschenbuchausgabe kostet in Mexiko in etwa den Gegenwert von sieben Euro – wer als durchschnittlicher Angestellter einen Job hat, verdient allerdings in der Regel nicht viel mehr als 300 Euro im Monat; selbst Akademiker sehen einen Monatsverdienst von 500 Euro als hervorragend an.

Gute Chancen für deutsche Bücher und Autoren

Bücher sind also Luxusgüter – trotzdem unternehmen in vielen Ländern die Regierungen große Anstrengungen, um die Lesekultur zu fördern. So werden in Mexiko im kommenden Jahr mehr als sechs Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um Übersetzungen ausländischer Kinderbücher zu unterstützen, die dann an Schulen verteilt werden. Solche Programme kurbeln den Lizenzverkauf an: Im Jahr 2008 wurden 427 deutsche Titel ins Spanische übersetzt – zwar deutlich weniger als in den Jahren zuvor, doch der Trend zeigt seit Langem nach oben. Und der Auftritt Argentiniens als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2010 verspricht weitere gute Gelegenheiten für den Austausch von Büchern und Autoren zwischen Deutschland und Lateinamerika.

Autor: Holger Ehling
Redaktion: Petra Lambeck

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