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Wirtschaft

Konkurrenz für den iPod

Mit einem eigenen digitalen Musikspieler und Software will Microsoft dem Marktführer Apple Kunden abjagen. Das wird schwierig. Und ist gut für Musikindustrie und Nutzer.

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Der Walkman dieser Tage: der MP3-Player

Der weltgrößte Softwarekonzern ließ am Wochenende die Katze aus dem Sack und bestätigte, worüber die Fachwelt seit Wochen spekuliert. Gegen Jahresende will Microsoft seinen ersten MP3-Player und den dazugehörige Online-Musikvertrieb anbieten. Name der Produktfamilie: Zune. Später soll ein Gerät zum Abspielen von Videos folgen. Fünf Jahre nach Verkaufsstart von Apples Referenz-Gerät iPod und drei Jahre nach Einführung des Musik-Download-Shops iTunes will Microsoft die Marke mit dem Apfel-Logo auf diesem Feld attackieren. Doch an dem Stück Designer-Obst hatte sich schon Sony die Zähne ausgebissen. Der MP3-Spieler der Japaner gefährdete die Stellung des iPods nie ernsthaft.

Bei Apple spielt die Musik

iPod Mini in Japan

Der iPod von Apple: ein Fashion-Statement

Apples digitaler Musikspieler ist Lifestyle-Kultobjekt, Kassenschlager und wirtschaftliches Zugpferd des Computerherstellers. Im vergangenen Quartal verkaufte Apple mehr als acht Millionen iPods, ein Drittel mehr als im Zeitraum des Vorjahres. Der Marktanteil in den USA beträgt rund 77 Prozent. Auch beim Herunterladen von Musik ist Apple mit dem iTunes Music Store die Nummer eins. Die weißen iPod-Kopfhörer sind zum modischen Statement geworden. Und für das ansprechende Design hat der Apple-Kunde immer schon gerne tiefer in die Tasche gegriffen. Wie will Microsoft das toppen? Zumal die Kaufentscheidung zwischen Apple- und Microsoft-Produkten nicht selten zur Wahl zwischen gut und böse stilisiert wird. Der sympathische Underdog Apple gegen das Windows-Imperium.

Kabellos mit allen verbunden

Microsoft Bilanz Miniquiz 2004

Der Software-Gigant setzt neuerdings auf Hardware

Microsoft will es dennoch wagen und hat sich einiges einfallen lassen. Laut Chris Stephenson, Marketingchef von MSN Entertainment, soll der Zune-Player die Musik drahtlos von Computer herunterladen können. Treffen sich Zune-Besitzer, tauschen sie ihre Songs einfach per Funkverbindung. Der iPod kann das nicht. Die neue Wunderwaffe werde sich zudem mit anderen Microsoft-Produkten kabellos austauschen können, wie mit der Spielkonsole Xbox 360, der PC-Software Windows Media Center oder Handys, die auf eine mobile Windows-Version zugreifen. Mehr wollte das Unternehmen nicht verraten.

Microsoft Xbox360

Microsofts Sorgenkind bessert sich: die Xbox 360

Analysten glauben, dass der Konzern die Zune-Hardware günstig verscherbeln könnte, um später umso mehr Geld mit den Inhalten einzunehmen - Songs, Filme und Spiele. So machte es Microsoft schon beim früheren Ausflug in die Hardware-Sparte, mit seiner Spielkonsole Xbox, deren Absatz nach einem schwierigen Start langsam steigt. Und ähnlich aggressiv wie die Spielebox solle nach Chris Stephenson auch Zune beworben werden. Für das Xbox-Marketing hatte Microsoft damals 500 Millionen Dollar springen lassen. Etliche Künstler würden für die Zune-Werbung eingespannt. Apple hat das mit der irischen Pop-Institution U2 schon vor zweieinhalb Jahren gemacht.

"Konkurrenz", das ist Musik in vielen Ohren

Apple Headquarters

Nicht immer nur die Guten: das Apple-Hauptquartier Kalifornien

Doch nicht alle glauben, dass Apples Position unantastbar ist. "Die Kunden wissen eine Auswahl zu schätzen, fehlende Konkurrenz ist nie gut", meint Sven Hansen. Und auch in der Bewertung der Unternehmen plädiert der Multimedia-Fachmann beim deutschen Computermagazin "c't" für eine "undogmatische Sicht". "Vielen Kunden schmeckt es nicht, dass sie ihren iPod nur mit Apples Musiksoftware iTunes bestücken können". In Frankreich setzt gar die Politik Apple unter Druck, weil die bei iTunes verkauften Songs allein auf dem iPod abspielbar sind. Eine Geschäfts-Strategie, für die sonst Microsoft kritisiert wird. Die Musikindustrie vernahm deren Einstieg ins MP3-Player-Geschäft jedenfalls als frohe Botschaft. "Wir brauchen definitiv mehr Wettbewerb in dem Bereich", freute sich Georg White von Warner Music im US-Branchenblatt Billboard. "Eine größere Auswahl an Abspielgeräten und digitalen Inhalten würden wir sehr begrüßen."

Und was sagt Apple zu Zune? "Wir nehmen jeden Konkurrenten ernst", so Georg Albrecht zu DW-WORLD.DE. Mehr ließ sich dem Apple-Sprecher nicht zu Microsofts Vorstoß entlocken. Aber vielleicht kräht bald ohnehin kein Hahn mehr nach MP3-Playern. Wozu ein Extra-Gerät herumtragen, wenn man Musikdateien bequem über das Mobiltelefon hören kann? Nach dem deutschen Handelsblatt rechnen Analysten damit, dass Apple in der ersten Jahreshälfte 2007 ein iPod-Handy anbieten wird. Kann Apple-Sprecher Albrecht das bestätigen? "Kein Kommentar."

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