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Politik

Konkrete Maßnahmen gegen Streubomben

Streumunition gilt als besonders heimtückisch, Opfer sind fast immer Zivilisten. Seit August gilt ein Abkommen gegen Streubomben. Auf einer Konferenz sollen nun konkrete Maßnahmen zur Umsetzung abgestimmt werden.

Auf der Suche nach Blindgängern in Laos (Foto: dpa)

Auf der Suche nach Blindgängern in Laos

Im südostasiatischen Laos haben am Dienstag (09.11.2010) Beratungen über die Umsetzung der internationalen Streubomben-Konvention begonnen. Ziel sei es, die am 1. August in Kraft getretene internationale UN-Konvention gegen Streubomben zu stärken, sagte der deutsche Delegationsleiter Peter Gottwald in der laotischen Hauptstadt Vientiane. Er ist der Beauftragte der Bundesregierung für Abrüstung und Rüstungskontrolle. Es gehe darum, weitere Länder als Unterzeichner zu gewinnen und die Räumung der gefährlichen Munitionsreste zu beschleunigen, sagte Gottwald.

"Von der Vision zur Aktion"

Zwei Afghanen zeigen ihre von Minen zerfetzten Beine und ihre Prothesen (Foto: dpa)

Zwei Afghanen zeigen ihre von Minen zerfetzten Beine und ihre Prothesen

Eine Streubombe setzt hunderte kleinerer Bomben frei, die oft ganze Landstriche verseuchen. Opfer sind zu 98 Prozent Zivilisten, gut ein Viertel davon Kinder. Ziel der Konferenz mit dem Motto "Von der Vision zur Aktion" ist es, konkrete Schritte für ein Ende von Produktion und Gebrauch dieser Waffe abzustimmen.

Von den 108 Unterzeichnerländern haben bislang mehr als 40 Staaten den Vertrag ratifiziert, darunter Deutschland, Kanada, Großbritannien, Afghanistan, Irak und viele afrikanische Staaten. Der Vertrag verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, binnen acht Jahren den Gebrauch und die Produktion von Streubomben zu beenden. Innerhalb von zehn Jahren müssen zudem Blindgänger geräumt und den Opfern von Streubomben umfassende soziale Hilfe gewährt werden. Auch auf die Lagerung sowie den Im- und Export von Streumunition muss verzichtet werden. Die weltweit wichtigsten Hersteller und Anwender von Streumunition sind der Konvention bislang nicht beigetreten. Dazu gehören die USA, Russland, China, Israel, Indien und Pakistan.

Opfer: Tot oder schwer verstümmelt

Streubomben können aus Flugzeugen abgeworfen oder vom Boden aus mit Raketenwerfern abgefeuert werden. Ihre Behälter öffnen sich in der Luft und verteilen viele kleine Bomben, so genannte Bomblets, über große Flächen. Diese Flächen sind wegen der großen Zahl von Blindgängern auch nach dem Ende eines Konflikts gefährliches Gebiet, ohne dass es zu erkennen wäre. Die Blindgänger liegen oft jahrelang unentdeckt herum - bis zufällig ein spielendes Kind oder ein Bauer bei der Feldarbeit auf sie trifft. Genau wie Landminen geht die Munition bei Berührung in die Luft, wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist nur schwer verstümmelt.

Bislang wurde diese Waffe in mehr als 30 Staaten eingesetzt. Auch in Laos, wo die Konferenz stattfindet, wurden nach Angaben der einheimischen Behörden Millionen Streubomben abgeworfen, als der Vietnamkrieg zwischen 1964 und 1973 auf die Nachbarländer übergriff. Auch die Menschen in Vietnam und Kambodscha sind betroffen. Nach Angaben der Organisation Handicap International wurden seit 1965 weltweit mindestens 440 Millionen Streubomben abgeworfen.

In den vergangenen Jahren kam Streumunition auch im ehemaligen Jugoslawien, im Irak, in Afghanistan und im Libanon zum Einsatz. Durch diese Bomben wurden Handicap International zufolge bis heute rund 100.000 Menschen getötet. Die Konferenz in Laos dauert bis zum 12. November an.

Autor: Klaudia Prevezanos (afp, dpa, KNA)
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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