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Kultur

Konklave kurios

Das Konklave bietet Stoff für Geschichten: höchste Geheimhaltungsstufe, deshalb auch Klatsch und Tratsch auf höchster Stufe. Dazu ein archaisches Ritual. Und nicht immer geht alles glatt.

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Rituelles Einpferchen: Kardinalszelle von 1978


So einfach wie bei der Wahl im Jahr 236 war es nur selten: Der Legende nach setzte sich eine Taube – Symbol für den Heiligen Geist – auf den Kopf eines Anwesenden, den bis dahin niemand auf der Rechnung hatte: Papst Fabian I.

Das mit Abstand kürzeste Konklave der Kirchengeschichte wählte Julius II.: Es dauerte nur ein paar Stunden am 31. Oktober 1503.

Aus der Not eine Tugend machen

Papst Gregor VII

Papst Gregor VII

Der Brauch des Einschließens ("conclave" = lateinisch "verschlossener Raum") ist seit 1216 überliefert - als "Anreiz" für die Kardinäle, bei der Papstwahl nicht zu trödeln.

Besonders arg ärgerten sich 1268 die Stadtväter von Viterbo nach dem Tod Clemens IV., weil sie ein zerzanktes Kardinalskollegium im Bischofspalast beherbergen mussten -

Obstteller mit Thumbnail

ohne absehbares Ende. Rund drei Jahre diskutierten die 18 Kardinäle herum. Ab Sommer 1270 wurden sie eingemauert, ihre Nahrungsrationen gekürzt und zeitweilig das Dach abgedeckt. Genützt hat es nicht viel: Erst ein Jahr später, am 1. September 1271, wurde der Lütticher Archidiakon Tedaldo Visconti zu Papst Gregor X. gemacht.

Karge Speise gab es auch beim Konklave von 1276 – allerdings wurden nur die italienischen Kardinäle auf Wasser und Brot gesetzt. Die Franzosen ließen sich köstliche einheimische Küche kommen.

"Pius" verheißt nichts Gutes

Ein Höhepunkt war die Wahl eines Nachfolgers für Pius VI., jenes gebrochenen 83-Jährigen, der 1799 als Häftling in den Kerkern Napoleons starb. Um dem Einflussbereich des korsischen Eroberers zu entkommen, versammelten sich 34 von 46 Kardinälen auf der Klosterinsel San Giorgio Maggiore an der Lagune von Venedig. Die komplizierte Wahl Pius' VII. dauerte vier Monate.

Gammarelli Schneider für den Papst Vatikan

Schneider Gammarelli ist der Chefeinkleider

Pius IX. (1846-1878) verlor während seines Pontifikats den Kirchenstaat und fühlte sich fortan mitten im jungen italienischen Nationalstaat als "Gefangener des Vatikans". In einer päpstlichen Bulle soll er für seine Nachfolge eine eilige Wahl "praesente cadavere" - "in Gegenwart der Leiche" – verfügt haben. Dazu kam es zwar nicht, aber der neue Papst war trotzdem eine Seltenheit: Mit Leo XIII. (1878-1903) wurde ausnahmsweise der päpstliche Kämmerer (Camerlengo) zum Obersten Stellvertreter Christi auf Erden befördert.

Die Kardinäle, die im Jahr 1903 zur Wahl von Papst Pius X. kamen, erlitten allesamt eine Lebensmittelvergiftung: Ein Kupfertopf, der seit langem nicht benutzt worden war, hatte die Suppe verdorben. Als einer der wenigen blieb der Erzbischof von Wien verschont, der sich aus der Küche der Schweizergarde mit deutschem Essen verpflegte.

Erstaunlicherweise verliefen die nächsten beiden Konklaven mit einem "Papst Pius" als Ergebnis unproblematisch: Pius XII. (1939-1958) wurde bereits am Eröffnungstag gewählt.

Hinderliche Äußerlichkeiten

Vatikan: Petersdom und Petersplatz gefüllt mit Menschen zur Seligsprechung von Mutter Teresa

Petersdom und Petersplatz

Johannes XXIII., 1958 ernannt, sprengte die Form: Der joviale Sohn italienischer Weinbauern war schlicht zu dick für das vorbereitete Papstgewand. Die Nähte der Tracht mussten aufgetrennt werden, bevor sich der neue Pontifex Maximus auf dem Petersdom-Balkon angemessen gekleidet dem Volk präsentieren konnte. Heute liegen deshalb drei Gewänder für einen dünnen, einen mittelschlanken und einen dicken Papst für den ersten Auftritt unmittelbar nach der Wahl bereit.

Ironie der Geschichte

Papst Johannes Paul II gestorben - Archivbild von 1978

Papst Johannes Paul II 1978

1978 hatte drei Päpste: Paul VI., Johannes Paul I. und Johannes Paul II. Beim zweiten Konklave des Jahres galten eigentlich die italienischen Kardinäle Siri und Benelli als Favoriten - doch sie blockierten sich gegenseitig.

Und so wurde nach zwei Tagen und acht Wahlgängen ein Pole Papst - der erste Nicht-Italiener seit 455 Jahren. Vorher von ihm gehört hatte kaum jemand. Kardinal Casariego, der Erzbischof von Guatemala-Stadt, soll gefragt haben: "Wer ist denn dieser Kardinal Bottiglia?" "Wojtyla" hörte sich für ihn an wie das italienische Wort "bottiglia" = "Flasche".

Der "Medienpapst" Johannes Paul II. – von der jüngeren Generation auch "JP2" genannt – führte die katholische Kirche 26 Jahre lang. Nur ein einziger Papst vor ihm war länger an der Macht.

Jetzt sind die Kardinäle der Welt aufgerufen, ein neues Kirchenoberhaupt zu bestimmen. Wählen darf, wer am Tag vor dem Todestag des Papstes noch keine 80 Jahre alt war. Schade: Zwei der 183 Kardinäle wurden im März 2005 80 Jahre und haben ihre einmalige Chance zur Papst-Wahl nur um wenige Wochen verpasst. (arn)

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