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Wirtschaft

Konjunkturlokomotive China bremst ab

Chinas Wirtschaft wächst langsamer als erwartet. Mit der sinkenden Nachfrage lässt auch der Preisdruck nach. Als Wachstumsmotor trägt China immer weniger zur Weltkonjunktur bei.

Ein chinesischer Bankangestellter zählt US Dollar hinter einem Bündel chinesischer Banknoten in einer Bankfiliale der Huaxia Bank in Shenyang (Foto: dpa)

Symbolbild China Inflation fällt

Ein unerwartet starker Rückgang der Inflation in China verstärkt die Anzeichen, dass die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft an Fahrt verloren hat. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni nur noch um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, und damit auf den niedrigsten Stand seit 29 Monaten, wie das Statistikamt am Montag (09.07.2012) in Peking berichtete. Chinas Regierungschef Wen Jiabao warnte vor "großen Risiken", dass sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt weiter abschwächt.

Der Rückgang der Inflation gibt Chinas Regierung neuen Spielraum zur Lockerung seiner Geldpolitik, um die Wirtschaft anzukurbeln. So kündigte der Ministerpräsident eine "aggressivere" Feinabstimmung der Finanzpolitik an, auch wenn sie vorsichtig bleibe. Wen Jiabao nannte gezielte Schritte wie strukturelle Steuersenkungen und bessere Lösungen, um Nachfrage und Bedarf bei Krediten auszugleichen.

Weitere Zinssenkungen erwartet

Die Erzeugerpreise fielen sogar um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - stärker als noch im Mai mit 1,4 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch um 3,3 Prozent. Die Nahrungsmittelpreise, die ein Drittel des Index ausmachen, legten im Juni nur um 3,8 Prozent zu. Mit dem plötzlichen Rückgang der Inflation spekulierten Experten über weitere Zinssenkungen oder eine Verringerung der Anforderungen für die Mindestreserven der Banken.

Die Zentralbank hatte erst Ende der vergangenen Woche zum zweiten Mal in einem Monat die Leitzinsen verringert, um neue Impulse für das Wachstum zu geben. An diesem Dienstag werden die Exportzahlen für Juni veröffentlicht. Die Ausfuhren dürften angesichts der schwächeren Nachfrage im schuldengeplagten Europa noch langsamer gewachsen sein. Mit Spannung werden auch die Wachstumszahlen für das zweite Quartal an diesem Freitag erwartet.

Wachstum entschleunigt sich

Nach 8,1 Prozent im ersten Quartal dürfte Chinas Wirtschaft nach Einschätzung der Commerzbank gegenwärtig nur noch mit 6,5 Prozent wachsen - deutlich weniger als die 7,5 Prozent, die Chinas Regierung für das ganze Jahr als Minimum vorgegeben hatte. Eine weitere Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte sei bis Jahresende wahrscheinlich. Auch eine Verringerung der Kapitalreserven der Banken sei möglich. Der Immobilienmarkt könne wenn nötig weiter gelockert werden, auch wenn sich der Premier eher für strikte Kontrolle ausgesprochen habe.

Experten erwarten, dass Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal nur noch um 7,6 oder 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen ist - so niedrig wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im März 2009. Wen Jiabao sagte aber, die wachstumsfördernden Schritte der Regierung zeigten Wirkung und stabilisierten das Wachstum, wenngleich mit einem langsameren Tempo. Die heimische Nachfrage sei weiter innerhalb der Zielvorgaben, sagte der Premier bei einer Inspektionsreise in der Ostprovinz Jiangsu.