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Wirtschaft

Konjunkturelle Lichtblicke

Die deutsche Wirtschaft steckt in der schwersten Rezession seit 80 Jahren. Die Bundesregierung erwartet einen Rückgang von sechs Prozent. Dennoch scheint der Tiefpunkt überwunden zu sein, findet Karl Zawadzky.

Themenbild Kommentar Grafik Symbolbild

Der deutsche Export hat seine rasante Talfahrt gebremst; erstmals seit sechs Monaten wurde im März wieder ein Umsatzzuwachs erzielt. Ein Plus von 0,7 Prozent ist nicht viel, aber erstens mehr als nichts und zweitens vielleicht die Trendwende. Es mehren sich trotz insgesamt weiterhin rückläufiger Wirtschaftsleistung die konjunkturellen Lichtblicke. Ebenfalls im März sind die Auftragseingänge bei der Industrie um 3,3 Prozent gestiegen, dabei nahmen die Aufträge aus dem Ausland kräftig um 5,6 Prozent zu. Zudem sind bei der Industrie im März nicht nur mehr Aufträge eingegangen, sondern es hat auch der Umsatz zugenommen – und zwar um 1,5 Prozent. Das war das erste Umsatzplus seit August vergangenen Jahres.

Der massive Einbruch bei der Produktion der deutschen Industrie hat sich im März nicht fortgesetzt. Erstmals seit einem halben Jahr ist die Produktion nicht mehr gesunken, wenn auch noch nicht wieder gestiegen. Auf den Chefetagen der Unternehmen nimmt die Zuversicht bereits wieder zu. Im April hat sich nach dem ifo-Geschäftsklima-Index die Stimmung in den Unternehmen deutlich aufgehellt und ist auf den höchsten Stand seit fünf Monaten gestiegen. Auch das Mittelstandsbarometer der KfW-Bankengruppe stützt die Hoffnung auf bessere Zeiten; erstmals seit elf Monaten schätzen die mittelständischen Firmen ihre Lage und Aussichten wieder besser ein als im Vormonat. Bei den Großunternehmen wurde beim Geschäftsklima "ein regelrechter Sprung" nach oben verzeichnet.

Börse nimmt die Entwicklung vorweg

Karl Zawadzky, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Deutschen Welle

Karl Zawadzky, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Deutschen Welle

An der Börse, wo die Zukunft gehandelt wird, werden die Meldungen registriert und bewertet; das wichtigste Börsenbarometer DAX hat in den letzten beiden Monaten seinen Verlust vom Jahresanfang bereits wieder wettgemacht. Aller Erfahrung nach hat der Trend an der Börse einen Vorsprung von einem halben Jahr vor der Entwicklung in der realen Wirtschaft. Das lässt hoffen. Der freie Fall scheint gestoppt zu sein. Freilich ist das noch lange nicht der Anfang vom nächsten Aufschwung, aber immer mehr spricht dafür, dass es sich um das Ende des dramatischen Abschwungs handelt. Zwar fährt die Wirtschaft alles in allem noch weiter im Rückwärtsgang, aber deutlich langsamer als Ende letzten oder Anfang dieses Jahres. Das Schlimmste scheint überwunden. Das liegt nicht zuletzt an den massiven Konjunkturprogrammen, mit denen die großen Industriestaaten, aber auch wichtige Schwellenländer wie China und Russland Milliarden über Milliarden in die Wirtschaft pumpen.

Dabei ist keineswegs ausgemacht, dass sich die positiven Meldungen zu einem stabilen Trend verstetigen. Denn am Ende eines Abschwungs bzw. zu Beginn eines Aufschwungs verläuft die Konjunktur häufig in Wellen; die Experten sprechen dann von einer Waschbrettkonjunktur. Auch werden Erinnerungen an Japan in den neunziger Jahren wach, als das Land nach dem Platzen einer Immobilien- und Bankenblase zehn Jahre lang zwischen Rezession, Stagnation und Depression pendelte. Nachdem die Regierungen und Zentralbanken mit Konjunkturspritzen und Niedrigzinsen die Wirtschaft in Gang halten, kommt es nun entscheidend darauf an, die Banken wieder funktionstüchtig zu machen und die drohende Kreditklemme abzuwenden. Die toxischen Produkte müssen raus aus den Bankbilanzen, auch wenn es schmerzt, die Folgen von bodenlosem Leichtsinn, Raffgier und Unfähigkeit beim Risikomanagement der Finanzbranche mit staatlicher Hilfe zu bereinigen. Doch da die Banken für den Kreislauf der Wirtschaft die Adern stellen, ist ihre Sanierung die Voraussetzung für die Rückkehr auf den Wachstumspfad.

Nach der Krise ist vor der Krise

Doch selbst wenn der Absturz der Wirtschaft ein Ende findet, auch wenn die gesamtwirtschaftliche Leistung wieder zunimmt – es werden noch über eine ganze Reihe von Jahren erhebliche Probleme bleiben. Denn wie die Regierungen anderer Staaten hat sich auch die Bundesregierung für die Rettung der Banken und für die Stimulierung der Konjunktur in bisher nicht gekanntem Ausmaß verschuldet. Staatsschulden sind leichter aufgenommen als zurückgezahlt. Ein erneuter Kraftakt bei der Haushaltssanierung wird in den kommenden Jahren nötig sein. Das wird schwer, denn die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt läuft der Konjunktur stets hinterher. Das heißt: Vieles, was derzeit durch Kurzarbeit aufgefangen wird, dürfte ab dem kommenden Jahr die Zahlen in der Arbeitslosenstatistik nach oben treiben. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit vergrößert die Defizite in der Krankenversicherung und führt zu Einnahmeausfällen bei der Rentenversicherung. Die Krise der öffentlichen Haushalte kommt noch – und zwar mit Wucht. Das für Donnerstag dieser Woche zu erwartende Ergebnis der Steuerschätzung wird gigantische Löcher in den Haushalten des Bundes, der Länder und Gemeinden offenbaren.

Autor: Karl Zawadzky

Redaktion: Zhang Danhong