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Konfliktparteien im Gebet vereint

Rund sieben Wochen nach Abbruch der Nahost-Friedensverhandlungen treffen sich Israels Präsident Peres und der palästinensische Präsident Abbas mit Papst Franziskus. Gemeinsam beten sie für den Frieden.

Papst Franziskus begrüßt (r.) Schimon Peres (Foto: Reuters)

Papst Franziskus begrüßt Schimon Peres (r.)

Seine Gäste aus Nahost hat Papst Franziskus in den Vatikanischen Gärten empfangen. Israels Präsident Schimon Peres und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas haben sich am Pfingstsonntag (08.06.2014) in Rom für ein gemeinsames Gebet eingefunden. Dazu eingeladen hatte der Papst während seiner ersten Reise ins Heilige Land vor zwei Wochen. Er wolle beide Staatsmänner zu sich nach Hause in den Vatikan einladen, hatte der Papst am Ende der Messe in Bethlehem angekündigt. Auf dem Rückflug nach Rom erklärte Papst Franziskus sein Vorhaben als "ein Gebetstreffen, das nicht der Vermittlung diene oder um Lösungen zu suchen. Man werde sich lediglich zum Gebet zusammenfinden, und dann werde jeder wieder nach Hause gehen." Ursprünglich war das "Friedensgebet" schon lange geplant und sollte noch während der Nahostreise von Franziskus stattfinden. Es kam aber aus organisatorischen Gründen nicht zustande, hieß es nach der Reise.

Papst Franziskus an der Klagemauer (Foto: Reuters)

Beten für Frieden im Nahen Osten: Papst Franziskus an der Klagemauer im Mai 2014

Brisanter Zeitpunkt

Das Treffen hat zu diesem Zeitpunkt dennoch politische Brisanz. "Jeder hier in Israel versteht, dass dies etwas Symbolisches ist", sagt Barak Ravid, diplomatischer Korrespondent der israelischen Tageszeitung Ha'aretz. "Das Treffen im Vatikan ist wichtig geworden, nicht weil der Papst Mahmud Abbas und Schimon Peres in den Vatikan einbestellt hat, sondern weil die israelisch-palästinensischen Beziehungen auf dem Tiefstand sind." In israelischen Medien wurde in den vergangenen Tagen wiederholt spekuliert, ob der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sich gegen die Reise nach Italien stellen würde. Mittlerweile hat der Regierungschef seinen Segen für die Reise erteilt. Doch für Netanjahu, so einige israelische Kommentatoren, sei die Einladung "nur schwer zu schlucken gewesen".

Denn die Kontakte zur palästinensischen Führung in Ramallah liegen seit Abbruch der Friedensgespräche auf Eis. Netanjahu hatte die Gespräche abgebrochen, nachdem der palästinensische Präsident Abbas mit Israels Erzfeind Hamas einen Versöhnungspakt geschlossen hatte. Am Montag hatte Mahmud Abbas die neue palästinensische Übergangsregierung vereidigt. Sieben Jahre nach dem Bruch zwischen Fatah und Hamas soll die parteiunabhängige Regierung ein erster praktischer Schritt auf dem Versöhnungsweg sein und Wahlen vorbereiten.

Während Europäer und Amerikaner die Entwicklung begrüßten, lehnt Israel die Regierung ab, da sie von der Hamas gestützt werde, und die sei eine Terrororganisation. Ein Treffen auf höchster politischer Ebene, noch dazu zwischen dem palästinensischen und israelischen Präsidenten, passt deshalb nicht in die derzeitige "kein Kontakt, keine Verhandlungen"-Regierungspolitik von Premier Netanjahu.

Geringe Erwartungen auf beiden Seiten

Dennoch bleibt es natürlich vor allem ein symbolischer Akt. Am Dienstag kommender Woche stehen in Israel Präsidentschaftswahlen an und der 90-jährige Peres tritt dann nicht mehr an. Für Schimon Peres wird das "Gebetstreffen" einer der letzten großen Auftritte vor der Wahl sein.

Schimon Peres und Mahmud Abbas (Foto:picture alliance) (Quelle:EPA/MARK NEYMAN / GPO)

Kontrahenten im Nahostkonflikt - im Gebet vereint

Auf den Straßen in (West-)Jerusalem ist das Vatikan-Treffen im Vorfeld kein allzu großes Thema. "Es wird sicher ein herzliches Beisammensein, und sie werden sich Dinge sagen, die für beide Seiten wichtig sind, aber das war es dann auch", sagt ein junger Mann. Ein junger religiöser Soldat lehnt das Treffen ab. "Abu Mazen Abbas steht für ein System, das Israel hasst. Wir haben kein Interesse, dabei zu sein."

Auch in Ramallah im Westjordanland, nur rund 45 Autominuten entfernt und durch einen Checkpoint von Jerusalem getrennt, löst die Einladung nach Rom keine allzu großen Hoffnungen aus. Hier sind die Menschen mit der neuen Übergangsregierung beschäftigt und der ungewissen Frage, wie die Versöhnung zwischen Hamas und Fatah tatsächlich umgesetzt wird. "Was kann Peres schon ausrichten?", meint Bassem, ein Passant im Zentrum von Ramallah. "Er ist zwar Präsident von Israel, aber es ist Netanjahu mit seiner rechten Regierung, der das Sagen hat. Da kommt nichts dabei heraus." Eine andere Passantin sieht vor allem den Dialog zwischen den Religionen als wichtig an: "Der Papst ist ein Mann der Religion und des Friedens. Er ist ein Vorbild für die christliche und die muslimische Welt", sagt Khitam Deek. "Gerade jetzt, wenn Israel uns wieder bestraft mit wirtschaftlichen Sanktionen wegen unserer Regierung, kann er vielleicht eine wichtige Rolle spielen."

Wichtige Unterstützung

In diesen Tagen heißt man in Ramallah jede Unterstützung der internationalen Gemeinschaft willkommen. Schon der Besuch des Papstes vor zwei Wochen in Bethlehem, der Geburtsstadt Jesu im heutigen israelisch-besetzten Westjordanland, hatte den Palästinensern Auftrieb gegeben. Besonders die Bilder des überraschenden Stopps des Papstes an der israelischen Sperrmauer haben viele beeindruckt. Der Papst war auf dem Weg zur Messe in Bethlehem aus seinem Papa-Mobil ausgestiegen und verbrachte einige Minuten im stillen Gebet an der Sperranlage. Für Israelis gilt die Sperranlage als Schutz vor Terrorismus. Für Palästinenser bedeutet sie massive Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit.

Das Treffen in Rom sei die Fortsetzung des Dialogs und Engagements des Vatikans in der Region, heißt es auf offizieller Seite in Ramallah. "Neben aller Symbolik ist das Treffen für uns auch eine Bestätigung der Rolle des Heiligen Stuhls hier im Land", sagt PLO-Sprecher Xavier Abu Eid. "Sie sagen damit, verlasst Euch auf uns, wir helfen wo wir können, um Frieden zu schaffen, in einer Region, die für den Vatikan und die Christen weltweit bedeutend ist." Gleichzeitig bestärke das Treffen auch die bilateralen Beziehungen zwischen den Palästinensern und dem Vatikan. Ein wichtiges Element auf der langen Suche nach einem palästinensischen Staat.

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