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Kultur

Konfliktbewältigung im Internet

Der Krieg an der Elfenbeinküste wird auch in den Medien des Landes ausgetragen. Da die Regierung die Pressefreiheit im Lande attackiert, soll das Internet den Zugang zu einer unabhängigen Berichterstattung ermöglichen.

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Der Krieg zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden teilt das Land

"Der Minister ist ein Bandit!" Mit diesen Worten kritisierte die Zeitung "Le Patriote" am 11. September noch die Angriffe auf die Pressefreiheit im westafrikanischen Krisenland Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire) Dass die Redaktion damit eine reale Entwicklung im Lande beschrieb, musste sie am nächsten Tage leidvoll erfahren. Ihre Räume wurden zerstört, nach offiziellen Angaben die Tat von "jungen Patrioten". Seit dem Beginn des Konfliktes erging es so vielen oppositionellen Medien des Landes. Auch die Stimmen aus dem Ausland verstummten, nachdem deren Sendeanlagen auf Geheiß der Regierung abgeschaltet wurden. So ist in den traditionellen Medien nur wenig über die Position der Rebellen zu erfahren.

Alternative Internet In der jetzigen Situation bietet daher nur das Internet einen Zugang zu einer unabhängigen Berichterstattung. Dies aber nur für wenige, denn der Zugang zum Internet ist stark begrenzt und beschränkt sich im wesentlichen auf die südliche Küstenregion, die Hochburg der regierungstreuen Bevölkerung. Es ist daher verständlich, dass auch hier, in Foren und auf Webseiten, vor allem regierungsnahe Positionen vertreten werden. Denn "dies entspricht eben auch der allgemeinen Gefühlslage der Ivorier im Süden", sagt Andreas Mehler, Direktor des Instituts für Afrikakunde in Hamburg, im Gespräch mit DW-WORLD. Der Aufstand wird von der Mehrheit der Bevölkerung im Süden als ein Anschlag auf die demokratisch legitimierte Regierung des Landes angesehen.

Eines der größten Internetportale www.abidjan.net sei hierfür ein Beleg, sagt Mehler. Zwar biete das Portal eine Vielfalt unabhängiger Berichte, aber diese werden meist nicht zur Kenntnis genommen - wie ein Blick in die Diskussionsforen zeige. "Hier dominieren die nationalistischen Stellungnahmen sowie die harsche Kritik an der ausländischen Presse. So bietet das Internet zwar den Zugang zu pluralistischen Informationen, die aber nicht sonderlich geeignet sind, eine Botschaft des Friedens zu vermitteln. Jedenfalls funktioniert das im Moment nicht."

Rebellen im Netz

In der Schlacht um die öffentliche Meinung im Lande waren die Rebellen bislang unterlegen. Bisher hatten sie lediglich die internationale Presse, um sich Gehör zu verschaffen. Deshalb bedienen sie sich seit Mitte Oktober auch des World Wide Web als Propagandawaffe. Dass dieser Versuch geglückt ist, kann bezweifelt werden. Anstatt sich um die Darstellung von politischen Alternativen zu bemühen, stellen sie in ihren Memoranden lediglich militärische Forderungen und beschränken sich darauf, der Regierung angebliche Greueltaten anzulasten. Ähnlich bewertet das auch Mehler: "Die Internetseite der Rebellen ist insgesamt recht dürftig, was vor allem die Qualität und die Substanz der Vorwürfe gegen die Regierung angeht."

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