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Aktuell Afrika

Konflikt um Libyens Öl eskaliert

In Libyen spitzt sich der Streit zwischen Rebellengruppen und Regierung um die Ölvorräte des Landes zu. Das Militär droht, einen Öl-Tanker im von Separatisten besetzten Hafen von Sidra zu bombardieren.

Allein das Anlegen des Ölfrachters sei bereits ein krimineller Akt gewesen, so Ministerpräsident Ali Seidan in Tripolis. Sollte die Besatzung nach dem Auslaufen aus dem Hafen von Sidra nicht den Anweisungen der Marine Folge leisten, werde der Tanker bombardiert. Das Militär erklärte, Luftwaffe und Marine stünden bereit, den Tanker zu zerstören.

Die Aufständischen hatten zuvor mitgeteilt, trotz eindeutiger Warnungen der Regierung damit begonnen zu haben, Öl auf eigene Faust zu exportieren. Angeblich wurde der unter nordkoreanischer Flagge fahrende Tanker "Morning Glory" im Hafen von Sidra mit Öl beladen. Die Rebellen drohten ihrerseits mit Waffengewalt: "Wenn irgendwer angreift, werden wir darauf reagieren", sagte der selbst ernannte Ministerpräsident der Autonomiebewegung in Libyens Osten, Abb-Rabbo Albarassi.

Regierung in Tripolis verliert zunehmend an Einfluss

Mehrere wichtige Ölverladehäfen im Nordosten des Landes, neben Sidra auch Ras Lanuf und Sueitina, werden seit dem vergangenen Sommer von Rebellen kontrolliert, die nach mehr Autonomie streben und einen Anteil an den staatlichen Öleinnahmen fordern. Nun wollen sie offensichtlich selbst Öl exportieren und den gesamten Erlös einstreichen. Die Regierung in Tripolis hält die Hafenbesetzungen für illegal und jedes Verkaufsgeschäft, das die Separatisten tätigen, für nichtig.

Bis zur Besetzung der Verladehäfen wurden über diese täglich rund 600.000 Barrel exportiert. Erdöl ist die wichtigste Einnahmequelle des nordafrikanischen Landes. Im Januar hatte schon einmal ein Tanker den Hafen von Sidra angesteuert, um illegal Öl zu laden. Er drehte jedoch ab, nachdem die Marine das Feuer auf ihn eröffnet hatte.

Die Regierung in Tripolis tut sich seit dem Sturz des früheren Machthabers Muammar Gaddafi im Sommer 2011 immer noch schwer damit, das Land zu stabilisieren. Mehrere Milizen, die sich am Kampf gegen den ehemaligen Diktator beteiligt hatten, wollen sich der in interne Machtkämpfe verstrickten Zentralregierung nicht unterordnen. Die Gruppierung, die die Häfen im Osten besetzt hält, setzt sich aus ehemaligen Freiheitskämpfern mit einer eher unklaren politischen Agenda zusammen.

Wem gehört der Tanker wirklich?

Wer den Rebellen das Öl abkaufen will, ist unklar. Die in Sidra ankernde "Morning Glory" fährt unter nordkoreanischer Flagge, gehört aber aus Sicht von Experten nicht zur Flotte Pjöngjangs und steht auch nicht unter der Kontrolle Nordkoreas. Das Schiff trage vermutlich eine sogenannte Billigflagge, sagte Lawrence Dermody vom Stockholm International Peace Research Institute der BBC. Wahrscheinlich sei nur die Nationalflagge ausgetauscht worden, ohne dass sich der Eigentümer geändert habe.

qu/wa (dpa, rtr, afp, BBC)