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Kultur

Konflikt-Fernsehen

Eine Ehrenrettung der wichtigsten deutschen Fernsehsender in Sachen Nahost-Berichterstattung nimmt eine Studie vor, die im Auftrag der "Bundeszentrale für politische Bildung" erstellt wurde.

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Wie objektiv wird über den israelisch-palästinensischen Konflikt berichtet?

Über drei Jahre lang hat das Kölner "Institut für empirische Medienforschung" (IFEM) die Nachrichtensendungen der beiden großen deutschen öffentlich-rechtlicher TV-Sender ARD und ZDF und der privater Stationen RTL und SAT.1 untersucht. Das Ergebnis: Beide Gruppen haben sich der Thematik professionell genähert. Die immer wieder gemachten Vorwürfe israelischer wie palästinensischer Kreise, die Medien seien voreingenommen und parteiisch, sind demnach nicht berechtigt.

Wenn sich die Berichterstattung dennoch im untersuchten Zeitraum von 1999 bis heute verändert habe, dann liege das einfach an den Ereignissen, nicht aber an einer veränderten Art der Wahrnehmung oder Wiedergabe durch die Medien, meint IFEM-Leiter Udo M. Krüger. Mit der zweiten Intifada habe sich der Konflikt verschärft. Die Perspektive Frieden sei abhanden gekommen. Zunehmend musste über gewaltsame Auseiandersetzungen berichtet werden.

Medien als Waffe

Dass die Ereignisse vor Ort den Charakter der Berichterstattung beeinflussen, ist natürlich nicht verwunderlich. So sei zunehmend über die Vorgänge in den palästinensischen Gebieten selbst und den gewaltsamen Auseinandersetzungen berichtet worden, während dies früher meist nur aus Israel selbst geschehen sei.

Aber auch die Bilder und Filme über Selbstmordanschläge in Israel haben im untersuchten Zeitraum zu einer Veränderung der Konfliktwahrnehmung beigetragen. Und hierin liegt wohl auch der Grund für eine wachsende Unzufriedenheit der Konfliktparteien mit der Berichterstattung. Denn - absichtlich oder nicht - beide würden die Medien gerne für ihre Zwecke instrumentalisieren, meint Krüger. "Wenn beide Seiten diese Entwicklung wahrnehmen, dann werden sie diese sicher nicht objektiv wahrnehmen, sondern jeder wird sie aus seiner Sicht der Dinge und auch aus seiner Interessenslage wahrnehmen."

So objektiv wie möglich

Im Vergleich der verschiedenen Sender und ihrer Nachrichten-Sendungen - national wie international - zeige sich, dass es weitgehende Übereinstimmung gibt. Hieraus könne man schließen, dass sich die Berichterstattung eng am Ereignis orientiere und nicht an einer tendenziösen Einschätzung oder Beurteilung der Lage durch den jeweiligen Korrespondenten oder die Redaktion. Die Untersuchung habe ergeben, dass es in den Nachrichtensendungen keine Beispiele von unzulässiger Kommentierung oder Meinungsmache gegeben habe.

Die qualitativen Unterschiede der Sendungen wurden allerdings nicht untersucht - weder unter dem Gesichtspunkt der Auswahl von Themen, Szenen oder Text. Wobei feststeht, dass der Text bei der Fernseh-Berichterstattung nur eine nebensächliche Rolle spielt und das Bild die Hauptrolle.

Und es dürfte auch ein Teil Sensationslust der Zuschauer mitspielen, wenn die Nahost-Berichterstattung den größten Teil der Auslandsberichte der deutschen Fernsehsender ausmacht: 20 Prozent etwa sind dem Ausland gewidmet und drei Prozent kontinuierlich dem Nahen Osten. Sicher spielen hierbei die geografische Nähe der Region zu Europa, die Frage des Erdöls, die religiösen Beziehungen zu dieser Region und natürlich die deutsch-jüdische Geschichte eine Rolle. "Aber mit der Intifada, mit den Attentaten und Anschlägen und mit den zahlreichen Gipfeltreffen hat das Thema Nahost auch in den deutschen Fernsehnachrichten einen hohen Stellenwert," so Krüger. "Das zeigt sich darin, dass die Berichterstattung sehr stark zugenommen hat. Man kann auch sehen, dass sie bei solchen Ereignissen von spektakulärem Gewalt-Hintergrund auf die vordersten Plätze befördert wird, und dass ihnen ein ganz großes Maß an Bedeutung zugemessen wird."

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