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Europa

Kondenswasser legt Eurostar lahm

Sechs Eurostar-Züge waren am Wochenende im Tunnel unter dem Ärmelkanal liegen geblieben. Nun suchen Ingenieure nach den Ursachen. Kondenswasser soll in die Elektronik eingedrungen sein.

Ein Eurostar-Zug fährt in den Tunnel bei Calais in Frankreich ein (Foto: AP)

Die Tunneleinfahrt: Übergang von kalter zu feucht-warmer Luft

Jeder Brillenträger kennt es: Nach einem langen Spaziergang an der eisigen Winterluft beschlagen die Gläser sofort beim Betreten der guten Stube. So ähnlich soll es auch dem Hochgeschwindigkeitszug Eurostar ergangen sein. In Frankreich herrschten am Samstagabend (19.12.2009) Außentemperaturen von minus 15 Grad Celsius, im Tunnel 25 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit. "Da entsteht viel Kondenswasser," sagte der Chef des britisch-französichen Unternehmens Richard Brown.

Die Folgen waren schwerwiegender als bei Brillenträgern: Das Kondenswasser sowie Schnee, der durch Lüftungsschächte in die Lokomotiven eindrang und im Tunnel schmolz, gerieten in die Elektronik. Daraufhin fielen die Systeme aus, so die Vermutungen der Eurostar-Betreiber.

Passagiere warten in Kings Cross/ St.Pancras in London vergebens auf den Zug (Foto: EPA)

Tausende Passagiere konnten ihr Reiseziel nicht mehr erreichen

2000 Menschen im Tunnel gefangen

Fünf Züge blieben wegen der technischen Probleme stehen. Einer konnte nur mit langsamer Geschwindigkeit den Tunnel passieren. Etwa 2000 Fahrgäste steckten bis zu 15 Stunden in den Zügen fest. 55.000 Menschen konnten ihre Reise seit Beginn der Störungen nicht antreten. Der Fahrkartenverkauf wurde bis auf Weiteres eingestellt. Die Züge des Betreibers Eurotunnel, die Autos, Lastwagen und Busse samt ihren Passagieren transportieren, verkehrten dagegen normal.

Die Frustration der Reisenden war groß und selbst der französische Transportminister Dominique Bussereau kritisierte die Betreiber: "Wir können nicht glauben, dass der Eurostar drei Tage lang nicht laufen kann, weil Schnee liegt."

Nahaufnahme: Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy (Foto: AP)

Der französische Staatspräsident fordert die schnelle Wiederaufnahme des Zugverkehrs

Sarkozy greift ein

Staatspräsident Nicolas Sarkozy bestellte den Präsidenten der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, Guillaume Pepy, in den Elysée-Palast ein. SNCF betreibt den Eurostar gemeinsam mit der britischen und belgischen Eisenbahn. Die Züge müssten am Dienstag fahren, forderte Sarkozy und ermahnte die Betreiber ein Informationssystem für die Reisenden einzuführen. Passagiere hatten sich beklagt, dass sie keinerlei Informationen über die Lage erhalten hatten.

Eurostar will ab Dienstag (22.12.2009) den Passagierverkehr durch den Ärmelkanal-Tunnel teilweise wieder aufnehmen. Zwei von drei Passagierzügen zwischen Frankreich und Großbritannien sollen dann wieder fahren. Er hoffe, dass der Eurostar nach Weihnachten zum Normalbetrieb zurückkehren könne, sagte Betriebsleiter Nicolas Petrovic.

Aus Paris kommend schlängelt sich ein Eurostar-Passagierzug durch den Süden der Stadt (Foto: DPA)

Techniker empfehlen Schutz vor eindringendem Schnee

Testbetrieb verläuft problemlos

Obwohl der Eurostar bereits seit 15 Jahren fährt, zeigte der Ausfall wie anfällig auch jahrelang bewährte technische Systeme für extreme Witterungsbedingungen sein können. Am Sonntag (20.12.2009) schickte die Gesellschaft drei Testzüge durch den Tunnel. Der Probebetrieb sei problemlos verlaufen, sagte der kaufmännische Direktor Nick Mercer. Die Techniker hätten aber einige Änderungen zum Schutz vor eindringendem Schnee empfohlen.

Hans-Georg Zimmermann, Sprecher der deutschen DB Netz-AG, erklärte gegenüber der Deutschen Welle, dass trotz Störungen in derartigen Extremsituationen, moderne Züge grundsätzlich zuverlässiger sind als noch vor 20 oder 30 Jahren: "Klar ist, sie sind komplexer geworden, aber ich glaube nicht, dass die Systeme durch die Elektronik insgesamt anfälliger geworden sind."

Autor: Fabian Schmidt (reuter, dpa, apd, afp)
Redaktion: Nicole Scherschun

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