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Filme

Komponist beim Seelenarzt: Gustav Mahler

"Mahler auf der Couch" heißt der neue Film von Regisseur Percy Adlon. Gedreht hat er ihn gemeinsam mit seinem Sohn Felix. Zum 150. Geburtstag des Komponisten kommt der Film über Mahlers Privatleben nun in die Kinos.

Mahler und Freud auf der Couch - rauchend - Szene aus Mahler auf der Couch (Foto: Kinowelt Film)

Es beginnt mit einem fehlgeleiteten Brief. Gustav Mahler öffnet einen an ihn adressierten Umschlag von einem gewissen Walter Gropius. Allerdings richtet sich der Inhalt des Schreibens an Mahlers viel jüngere Frau Alma und ist ein leidenschaftlicher Liebesbrief. Alma Mahler und Walter Gropius haben eine Liebesaffäre. Der große Maestro ist am Boden zerstört.

Ein denkwürdiges Treffen

Im Sommer 1910 treffen sich im niederländischen Leiden Sigmund Freud und Gustav Mahler für nur einen Tag. Mahler sucht Hilfe bei Freud. Zunächst weigert er sich, die berühmte Couch bei dem Doktor zu benutzen und sich darauf zu legen. Als er es dann doch tut, erzählt er Freud - und dem Zuschauer - die Geschichte einer großen, leidenschaftlichen Liebe.

Alma Mahler nimmt den Heiratsantrag von Gustav Mahler an - Szene aus Mahler auf der Couch (Foto: Kinowelt Film)

Alma Mahler nimmt den Heiratsantrag von Gustav Mahler an

Percy Adlon und sein Sohn Felix Adlon haben diese Episode verfilmt, dabei viel gewagt, aber auch viel gewonnen. Einerseits sehr realistisch, dann wieder mit ironischen Brüchen hat der Regisseur der Erfolgskomödie "Out of Rosenheim“ (1987) die pralle Lebens- und Liebesgeschichte rund um das real existierende Skandalpaar Alma und Gustav Mahler verfilmt. "Mahler auf der Couch" setzt sich aus frei erfundenen Szenen und tatsächlichen Geschehnissen zusammen. Wie das Zusammentreffen des Komponisten und des Seelenarztes tatsächlich abgelaufen ist, das weiß heute niemand. Percy und Felix Adlon: "Wir konnten ins Volle greifen, es war ja niemand dabei."

Das Privatleben eines Komponisten

Die Adlons wollten - zum 150. Geburtstag des Komponisten - keinen klassischen Kostümfilm drehen, waren mehr an einem prallen Drama um das Skandalpaar Wiens vor dem ersten Weltkrieg interessiert. "Mahler auf der Couch“ spielt in der Zeit der "Wiener Sezession“, als Künstler wie Gustav Klimt um die Jahrhundertwende einen künstlerischen Aufbruch wagten und eine neue, moderne Kunstepoche einläuteten.

Alma Mahler und Gustav Mahler glücklich vereint - Szene aus Mahler auf ´der Couch (Foto: Kinowelt Film)

Alma Mahler und Gustav Mahler zu Anfang ihrer Beziehung

Herausgekommen ist ein gewagtes, manchmal leicht "trashiges" Stück Kino, das an einigen Stellen sehr stilisiert wirkt und mit ironischen Brüchen arbeitet. So werden einige der Protagonisten wie Alma Mahlers Mutter im Film "interviewt", sprechen also direkt in die Kamera. Der Film konzentriert sich ganz auf die Protagonisten, die Straßen in der kleinen niederländischen Stadt Leiden bleiben menschenleer. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer wird so komplett auf die Protagonisten gelenkt.

Herausragende Schauspieler

Ein Trumpf des Films sind die sehr guten österreichischen Darsteller. Allen voran Johannes Silberschneider als Mahler und Karl Markovics als Freud. Johannes Silberschneider gesteht im Gespräch mit der Deutschen Welle ein, vor den Dreharbeiten nie ein Mahler-Fan gewesen zu sein. Für ihn hätte die Musik des Komponisten immer den "Charakter von Filmmusik" gehabt. Mahler sei doch eigentlich erst mit Luchino Viscontis Thomas Mann-Verfilmung "Tod in Venedig" (1971) einem größeren Publikum bekannt geworden. Nun, 100 Jahre später, verstehe man ihn endlich.

Filmplakat zu Mahler auf der Couch (Abbildung Kinowelt)

Karl Markovics, der einen herrlich coolen und gelassenen Sigmund Freud verkörpert, weist im Interview auf die Ähnlichkeit zwischen den beiden Männern hin. Beide stammten aus ähnlichen Verhältnissen, beide aus jüdischen, kinderreichen Familien in Mähren. Markovics ist überzeugt: Die wahre Liebesgeschichte im Film "Mahler auf der Couch" ist die zwischen dem Komponisten und dem Begründer der Psychoanalyse - nicht die zwischen Gustav und Alma Mahler!

Autor: Jörg Taszman

Redaktion: Jochen Kürten

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