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Kultur

"Komplett eingeschränkt" - Medien im israelischen Kriegsgebiet

Wie sehen die Arbeitsmöglichkeiten für Journalisten in Israel aus? Welche Möglichkeiten haben sie, objektiv über die kriegerischen Auseinandersetzungen zu berichten? Und wie reagieren die israelischen Medien?

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Ramallah: Ein Kameramann flüchtet nach einer Explosion

Die Liste, die jeder Journalist in Jerusalem in die Hand gedrückt bekommt, ist lang: Ramallah, Dschenin, Nablus, Betlehem, Tulkarem und Kalikilya und die Dörfer außenrum, das ist militärisches Sperrgebiet, dort darf niemand hinein. Weder ausländische Journalisten noch israelische. Wer es doch wagt, der muss mit Konsequenzen rechnen. Der kann seine Akkreditierung verlieren oder ausgewiesen werden. Immer wieder sind Journalisten in den letzten Tagen auch beschossen worden. Dabei gab es schon Verletzte und sogar einen Toten.

Erfahrungen einer deutschen Journalistin

Inge Günther arbeitet seit sieben Jahren als Korrespondentin der Frankfurter Rundschau in Jerusalem. Auch sie hat mehrere Versuche unternommen, nach Ramallah und Betlehem hineinzukommen, jedoch ohne Erfolg. Wie also arbeitet man als Journalist im Krisengebiet Nahost? Wie kommt man an seine Informationen heran? Wie erfährt man, was sich in den besetzten palästinensischen Städten abspielt?

"Wir sind nur alle irgendwie in so einer Grauzone, wo man nicht genau weiß, auf welche Angaben man sich wirklich verlassen kann. Also irgendetwas gegen zu checken wird wahnsinnig schwer. Man kann dann versuchen, die israelischen Armeeangaben zu konfrontieren, indem man zumindest versucht, mit Palästinensern vor Ort zu telefonieren. Alle von uns, glaube ich, haben in den letzten Tagen an den Telefonen gehangen und sich die Finger wund gewählt und versucht, Leute zu erreichen. Da hört man am Telefon bestimmte Berichte oder Augenzeugenberichte, oder was die Leute vor Ort erleben aber ihr eigener Aktionsradius ist komplett eingeschränkt. Die meisten haben im Augenblick Ausgangssperre, können nicht aus dem Haus und erfahren auch nur Bruchstücke, was überhaupt los ist", erzählt Inge Günther.

Forderung des isralischen Militärs

Vor allem die Lage der Zivilbevölkerung wird kaum dargestellt. Und die offizielle Linie der militärischen und politischen Führung werde in den israelischen Medien auch kaum hinterfragt. Generalstabschef Schaul Mofaz scheute sich nicht, ganz offen auszusprechen, was er von den israelischen Journalisten erwartet: "Wir befinden uns in einem Krieg und die Armee muss kämpfen. Ich empfehle euch, patriotische Journalisten zu sein und nicht nach Schlagzeilen zu jagen. Jetzt ist Krieg, seid also Patrioten."

Für Lior Yavne, Pressesprecher der Menschenrechtsorganisation "Betselem" ist diese Forderung des obersten israelischen Militärs ein bedrohliches Zeichen: "Ich halte diese Aufforderung von Mofaz für sehr gefährlich. Wenn er vor der Kamera des israelischen Fernsehens sagte, ihr Journalisten müsst Patrioten sein, dann weist er den Medien eine Aufgabe zu, die sie nicht haben sollten. Die Toleranz gegenüber Menschenrechten nimmt in Israel immer mehr ab. Das kann irgendwann auch einmal unsere Mitarbeiter in Gefahr bringen. Das finde ich sehr gefährlich."

Kaum Kritik an israelischer Offensive

Der größte Teil der israelischen Journalisten, so die Einschätzung von Lior Yavne, hat sich für die Ziele der israelischen Regierung rekrutieren lassen. Wie die Reservisten in den Kampfgebieten wollen sie ihren Dienst an der Heimatfront leisten, indem sie die israelische Offensive wohlwollend und weitgehend unkritisch begleiten.

Doch es gibt Ausnahmen. Vor allem die Reporter der Tageszeitung "Haaretz", die sich jeden Tag um eine differenzierte Darstellung bemühen. Aber auch einige wenige Fernseh- und Radiojournalisten lassen sich nicht einschüchtern und nicht rekrutieren. Sie stellen weiterhin unbequeme Fragen. Von vielen Israelis werden sie daher gern mit der ausländischen Presse unter einem Oberbegriff zusammengefasst - man nennt sie die feindliche Presse.