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Asien

"Kommunikation durch Terror"

Der Taliban-Angriff auf das Regierungsviertel von Kabul ist an diesem Dienstag (19.01.) auch Thema auf den Kommentarseiten der deutschen Tageszeitungen.

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Die Welt, Berlin:

"Während die Afghanistan-Konferenz vorbereitet wird, die Ende dieses Monats in London dem gequälten Land eine bessere Zukunft in Aussicht stellen soll, melden sich die Taliban auf ihre Weise zu Wort. (...) Ein Angriff wie dieser, wiewohl lange vorbereitet und gut koordiniert, kann die Regierung nicht stürzen. Das ist auch nicht ihr Zweck. Ziel ist vielmehr der Beweis, dass die Regierung Karsai und ihre westlichen Beschützer nicht einmal sich selbst schützen können - wie sollen sie dann den kleinen Mann, die junge Frau, das Mädchen auf dem Weg zur Schule schützen? (...) Krieg ist brutale Kommunikation, und in den asymmetrischen Kriegen unserer Zeit ist Terror das Mittel, dessen sich der Schwächere gegen den Stärkeren bedient. Wenn die Insurgenten es lange genug durchhalten, um die Wähler in Deutschland und anderswo in Ablehnung und Protest zu versetzen, dann haben sie gewonnen. Der Entnervung der Seelen folgt der Sieg auf dem Terrain."

Rheinische Post, Düsseldorf:

"Natürlich ist es kein Zufall, dass die selbsternannten Gotteskrieger gerade jetzt mit einem Selbstmordkommando im Zentrum von Kabul Angst und Schrecken verbreiten. Wie so viele Angriffe zuvor folgt auch diese Attacke einem strategischen Kalkül: Die Taliban sind militärisch zu schwach, um einen Sieg über die Regierungstruppen und ihre westlichen Verbündeten zu erringen. Aber mit spektakulären Aktionen wie jetzt in Kabul können sie immer wieder aller Welt demonstrieren, dass sie den Wiederaufbau des geschundenen Landes sabotieren können. Es ist eine Abnutzungsstrategie: Die Kriegsmüdigkeit in den westlichen Demokratien wächst. Rechtzeitig, bevor kommende Woche in London auf der Afghanistan-Konferenz über das weitere Vorgehen am Hindukusch beratschlagt wird, wollen die Taliban das gerade auch in Deutschland weit verbreitete Gefühl der Frustration noch einmal kräftig befeuern."


tageszeitung, Berlin:

"Das Ziel des Angriffs war nicht militärisch, sondern propagandistisch. Es ähnelt Rebellenangriffen auf die Machtzentren anderer Länder (...). Alle waren militärisch sinnlos, sendeten aber überaus wirksame Propagandasignale. Diese konnten die Wahrnehmung der jeweiligen Konflikte und damit zum Teil auch ihren Verlauf ändern. Das ist jetzt noch nicht absehbar. Doch dürfte das Timing des Angriffs - am Tag der Vereidigung einiger Minister sowie wenige Tage vor der Londoner Afghanistankonferenz - bewusst gewählt sein. Die Taliban demonstrieren, dass es in Afghanistan selbst im Machtzentrum keine militärische Sicherheit geben kann. Damit stellen sie die von US-Präsident Obama gewählte Truppenaufstockung mit dem Ziel einer militärischen Niederlage der Taliban als Irrweg dar."


Süddeutsche Zeitung, München:

"Wieder einmal haben die Taliban gezeigt, dass sie mit relativ geringem Aufwand eine große Wirkung erzielen können. Lediglich 20 ihrer Kämpfer haben den Krieg gut koordiniert in die afghanische Hauptstadt getragen. (...) Die Taliban wissen, dass sie gegen die Übermacht fremder Truppen sowie der afghanischen Polizei- und Militäreinheiten in der Stadt nichts ausrichten können. Insofern dient der Angriff lediglich als Erinnerung daran, dass jede Gesellschaft mit den Methoden des Terrors dauerhaft drangsaliert und in Unfreiheit gehalten werden kann. Der Angriff zeigt außerdem, wie wenig die afghanischen Sicherheitskräfte diesem Terror entgegenzusetzen haben."


Volksstimme, Magedburg:

"Die Taliban haben das Kabuler Regierungsviertel angegriffen. Sie wollen Schrecken verbreiten und Signale aussenden. An diesem Montag wollte Präsident Karsai einen Teil seiner Minister vereidigen. Das Signal: Die können nirgends sicher sein, wir überwinden auch höchste Sicherheitsschranken. Zweitens ist dieser Angriff ein Affront sowohl gegen die Offerte der Kabuler Regierung, für 35 000 Taliban-Kämpfer Arbeit zu beschaffen, als auch gegen die Gespräche, die in den Provinzen und Distrikten mit Taliban geführt worden sind. Und an die NATO geht die Botschaft: Gebt euch keine Mühe, wir sind stark und überall. Die Allianz will Ende Januar über die Themen Sicherheit, Regierungskompetenz, Eingliederung der Taliban, Wirtschaft und Soziales in Afghanistan beraten. Wer solche Signale ernst nimmt, überfrachtet Afghanistan nicht länger mit Illusionen. Wer sich aber vom Terror einschüchtern lässt, verliert Afghanistan."

Autorin: Esther Broders
Redaktion: Mathias Bölinger

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