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Wirtschaft

Kommunen für EU-weiten Klimapakt

Fast hundert europäische Städte wollen die Klimaschutzziele der EU übertreffen. 2009 soll ein Klimapakt vereinbart werden. Das Städtebündnis fordert eine entsprechende Vereinbarung auch für Deutschland.

Stau in Dortmund

Durch bessere Verkehrspolitik lässt sich viel Kohlendioxid einsparen

Europas Kommunen preschen beim Klimaschutz vor. Fast hundert Städte - darunter Berlin, Bonn, London und Helsinki - wollen sich verpflichten, den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um mehr als 20 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Damit würden die Kommunen das aktuelle Klimaschutzziel der EU übertreffen: Die Europäische Union hatte sich darauf geeinigt, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu verringern.

2009 soll ein entsprechender EU-weiter Klimapakt unterschriftsreif sein. Ein erster Entwurf liegt bereits vor. Die Kommunen müssten demnach regelmäßig Bericht erstatten und Aktionspläne vorlegen, wie sie den Kohlendioxid-Ausstoß reduzieren wollen. Wer sich daran nicht hält, würde wieder aus dem Klimapakt ausgeschlossen. Im Gegenzug will die EU-Kommission Gelder bereitstellen, um zum Beispiel Wärmedämmung oder erneuerbare Energien zu fördern. "Klimaschutz kann nicht eine Stadt alleine machen", sagt Regina Kneiding, Umwelt-Sprecherin des Berliner Senats. "Nur so können wir langfristig einen effektiven Beitrag leisten."

Deutschland muss mehr einsparen

Dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) geht das nicht weit genug. Der Grund: Deutschland hat sich als Industrieland mit vielen Einwohnern verpflichtet, die Kohlendioxid-Emissionen überdurchschnittlich zu senken, nämlich um 40 Prozent. "Die deutschen Städte müssten also auch 40 Prozent anstreben", kritisiert Andreas Jarfe, der BUND-Landesgeschäftsführer in Berlin.

Nach Senatsangaben hat die deutsche Hauptstadt ihre Emissionen von 1990 bis heute um 20 Prozent verringert. Jarfe sieht jedoch noch viele Möglichkeiten, Energie zu sparen. Etwa bei der Gebäudesanierung: Dafür habe die Stadt Privatfirmen beauftragt, die aber darauf aus sind, dass sich Investitionen schnell amortisieren. Die Folge: Nur Heizungen werden ausgetauscht, die Wände werden nicht saniert. "Bei der Gebäudesanierung gibt es noch Potenzial", räumt Sprecherin Kneiding ein.

Das Klimabündnis der europäischen Städte fordert nun auch für Deutschland einen Klimapakt. "Jetzt muss das gleiche auf nationaler Ebene folgen", sagt Ulrike Janssen, die Geschäftsführerin des Klimabündnisses der europäischen Städte. Entsprechend den Klimaschutzzielen der Bundesregierung müssten dann 40 Prozent vereinbart werden. Im Klimabündnis sind rund 1400 Städte und Gemeinden aus ganz Europa organisiert. Seine Mitglieder wollen die CO2-Emissionen bis 2030 halbieren.

Gebäudesanierung am wichtigsten

Dass Kommunen noch viel Energie sparen können, glaubt man auch an der Fachhochschule in Erfurt. "Bestandsmodernisierung ist am wichtigsten", sagt Guido Spor vom Fachbereich Verkehrs- und Transportwesen. "Allein die Wärmedämmung im Keller und im Dachgeschoss bringt schon viel."

Auch beim Verkehr oder durch erneuerbare Energien lasse sich viel Kohlendioxid vermeiden. An der FH Erfurt läuft seit dem 1. Februar das Projekt "Klimaschutz in Kommunen". Ziel ist es, in drei deutschen Modellstätten den Kohlendioxidausstoß bis 2020 massiv zu senken. Allerdings nur um 30 Prozent, nicht um 40 Prozent, wie es die Bundesregierung anstrebt. Spor ist skeptisch, ob 40 Prozent für Deutschland realistisch sind. "Das ist sehr ambitioniert", sagt er. Um das zu erreichen, müssten die Fördermaßnahmen stark ausgebaut werden.

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