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Aktuell Nahost

Kommt nun Bewegung in die Chemiewaffensuche?

In Damaskus sind zwei ranghohe UN-Vertreter eingetroffen, um das Terrain für die überfälligen Chemiewaffen-Inspektionen zu sondieren. Macht das syrische Regime nun endlich den Weg für eine umfassende Überprüfung frei?

Die deutsche UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane und der schwedische Giftgasexperte Åke Sellström (Foto: dpa)

Syrien Chemiewaffen Untersuchung Angela Kane und Åke Sellström

Sie stehen vor einer überaus heiklen Aufgabe: Angela Kane, die deutsche Direktorin des UN-Abrüstungsprogramms, und Ake Sellström, ein schwedischer Wissenschaftler und Chemiewaffenspezialist (Artikelfotos). Das Duo ist über eine Zwischenstation in Beirut nun in Damaskus eingetroffen. Dort wollen die beiden in Gesprächen mit Regierungsvertretern erreichen, dass Experten Zugang zu den Gebieten erhalten, in denen angeblich weltweit geächtete Chemiewaffen eingesetzt wurden.

In Aleppo wird ein Junge nach einem mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatz medizinisch behandelt (Foto: Reuters)

In Aleppo wird ein Junge nach einem mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatz medizinisch behandelt

Die Vereinten Nationen hatten am Dienstag mitgeteilt, sie prüften mittlerweile 13 Berichte über Angriffe mit Chemiewaffen in Syrien. Die Führung in Damaskus will den UN-Kontrolleuren aber nur Zugang zur Kleinstadt Chan al-Assal in der Nähe von Aleppo gewähren, wo am 19. März bei einem Angriff 26 Menschen getötet worden waren, darunter 16 Soldaten. Das Regime von Staatschef Baschar al-Assad und auch Russland werfen den Rebellen vor, dabei das Nervengas Sarin eingesetzt zu haben.

Wechselseitige Vorwürfe

Dagegen bezichtigen Frankreich und Großbritannien die syrischen Streitkräfte, mehrfach Chemiewaffen gegen die Aufständischen verwendet zu haben. Deshalb fordern Sellström und Kane freien Zugang eines Inspektorenteams zu den betroffenen Regionen, um Zeugenaussagen und Beweismittel sammeln zu können. Auch die Bundesregierung äußerte am Mittwoch die Erwartung, "dass diese Experten ihre Arbeit machen können".

Das Regime in Damaskus hatte erst zu Beginn des Monats seine Bereitschaft zu Gesprächen mit Sellström erklärt. Zuvor hatte Damaskus stets abgelehnt, die von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im März eingesetzte und von Sellström geleitete Expertengruppe ins Land zu lassen. Die Führung in Damaskus hatte die UN-Experten ursprünglich selbst angefordert. Sellström gilt als ausgewiesener Experte für die geächtete Waffengattung: Er war Chefprüfer bei der Mission UNSCOM, die in den neunziger Jahren die Vernichtung von chemischen Waffen des Iraks überwachte.

Vor einem Jahr erklärte das syrische Außenministerium, Chemiewaffen nur im Fall eines ausländischen Angriffs einsetzen zu wollen, nicht aber gegen die Aufständischen im Land. Es war das erste Mal, dass Damaskus den Besitz derartiger Waffen einräumte. Ihren Einsatz im Bürgerkrieg gegen aufständische Kämpfer hat Syrien seitdem immer wieder bestritten.

kle/sc (afp, dpa)

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