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Musik

Kommt der Blues aus Mali?

Ali Farka Touré nannte ihn einen rohen afrikanischen Diamanten, Taj Mahal preist ihn als lebenden Beweis dafür, dass der Blues aus Mali kommt. Bassekou Kouyaté ist der Meister der afrikanischen Bogenharfe Ngoni.

Bassekou Kouyaté (Quelle: Thomas Dorn)

Meister der Bogenharfe Ngoni: Bassekou Kouyaté

Die Krieger des ruhmreichen Herrschers Coulibaly kehren nach einer siegreichen Schlacht mit reicher Beute zurück und das Volk feiert sie in einem rauschenden Fest, singt Bassekou Kouyaté. Jahrhunderte lang war es in Westafrika Brauch, dass Griots als Geschichtenerzähler die Kultur ihres Volkes bewahrten und ihre Herrscher in Lobliedern priesen. Dazu zupften sie die Saiten der Ngoni. "Die Ngoni ist das erste Instrument überhaupt, das die Griots in unserem Land gespielt haben", erzählt Kouyaté, schließlich habe es sie schon vor der Geburt Christi gegeben. "Sie macht eine wunderbare Musik und die ganze Welt soll sie kennen lernen. Es wäre schade, wenn sie ein isoliertes Nischendasein in der Ecke der traditionellen Musik führen müsste."

Geschichtenerzähler und Berater seit Jahrhunderten

Bassekou Kouyaté und Amy Sacko (Quelle: Thomas Dorn)

Der Rocker unter den Griots

Bassekou Kouyaté stammt selbst aus einer berühmten Griotfamilie und wuchs mit dem Klang der Ngoni auf. Viele Besucher pilgerten in das Haus seines Vaters, um sich von dem weisen Griot beraten zu lassen. Unzählige Traditionen Afrikas wurden durch die brutale Kolonisation zerstört, doch die Griots überlebten alle Repressalien, bis heute schlichten sie Streitigkeiten, beraten hochrangige Politiker und genießen überall großen Respekt. Bassekou trat in die Fußstapfen seines Vaters, wurde Griot und spielt wie die Generationen vor ihm ebenfalls die Ngoni. Doch anders als seine Vorfahren will er als musikalischer Geschichtenerzähler nicht nur die Kultur seines Volkes bewahren, sondern hat selbstbewusst den Schritt ins 21. Jahrhundert gewagt.

Die Ngoni kommt auf die Füße

"Früher spielten unsere Väter und Großväter im Sitzen und ihre Ngoni hatte auch nur drei oder vier Saiten. Für sie und ihre Zeit war das richtig, aber junge Leute müssen eigene Wege finden", sagt er. Das hat Kouyaté getan. Seine Ngoni hat sieben bis neun Saiten, und er hat ihr als erster einen Gurt verpasst, damit man sie sich umhängen und im Stehen spielen kann. Es war auch Bassekou Kouyatés Idee, ein komplettes Ngoni-Orchester auf die Beine zu stellen. Ein Ngoni Bass ersetzt die Bassgitarre herkömmlicher Rockbands und eine Kalebasse das Schlagzeug. Seinerzeit glich das einer Revolution in Mali. "Alle haben mich für verrückt erklärt und gesagt, das klappt nie - aber siehe da, es hat geklappt und jetzt kopieren mich alle", lacht der 43-jährige. Als Griot bewahrt und achtet er die Tradition, aber deswegen, findet er, könne man doch trotzdem moderne Musik machen.

Die Magie jahrhundertealter Musik

Bassekou Kouyaté und sein Ngoni-Orchester (Quelle: Thomas Dorn)

Bassekou Kouyaté und sein Ngoni-Orchester

Lange Zeit hat Bassekou Kouyaté in Bands berühmter Kollegen gespielt und sich um seine Schule für junge Ngonispieler gekümmert, bevor er vor zwei Jahren mit seiner Band Ngoni ba endlich ein Album herausbrachte. Mit "I speak Fula" folgt jetzt das zweite Werk Bassekou Kouyatés. Mit seinem Ngoni Quartett katapultiert er die Magie der jahrhundertealten Musik in die Gegenwart. Die Lieder erzählen Geschichten versunkener Königreiche, um die Menschen an ihre Wurzeln zu erinnern, aber sie sprechen auch vom Hier und Jetzt.

Abgewiesen vom Nachbarsmädchen

Das Titelstück "I speak Fula" ist ein Appell für Toleranz und Offenheit. Kouyatés Heimatland Mali ist ein Vielvölkerstaat, der Musiker selbst ist Bambara. Dass er sich aber entschlossen hat, die Musik der Fula zu spielen, hat mit einem Erlebnis aus Kindertagen zu tun, das er bis heute nicht vergessen hat. Es entstand, so verrät Kouyaté, weil sein bester Freund einst von dem angebeteten Nachbarsmädchen abgewiesen wurde. "Sie sagte zu ihm, wir können nicht zusammen sein, das geht nicht, du bist doch ein Bambara und ich eine Fula, wir sprechen nicht die gleiche Sprache. Und mein Freund erwiderte: Wie kann das sein, wir sind im gleichen Dorf geboren und aufgewachsen, natürlich spreche ich Fula!" Genau deswegen hat Bassekou Kouyaté dieses Album geschaffen. Seine Musik ist ein Appell gegen jede Form von Rassismus und für ein friedliches Miteinander und mit dieser Botschaft steht er in einer langen Ahnenreihe weiser Griots.

Autorin: Suzanne Cords

Redaktion: Matthias Klaus

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