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Europa

Kommission will deutlich sparsamere Autos

Bis 2020 sollen Neuwagen nur noch 95 Gramm CO2 ausstoßen. Schwere Autos schaffen das nur durch einen Gewichtsfaktor. Der macht die Hersteller träge, meinen nicht nur Umweltschützer.

Die Europäische Kommission zwingt die Autohersteller zu immer niedrigeren Abgaswerten. Im Moment liegt der Höchstwert für den Flottendurchschnitt bei 130 Gramm pro gefahrenen Kilometer. Die Hersteller müssen diesen Wert allerdings erst bis 2015 erfüllen. Bis 2020 sollen Neuwagen dann nur noch 95 Gramm ausstoßen dürfen. Kommissarin Connie Hedegaard ist zwar vor allem für den Klimaschutz zuständig, die Vorgaben der Kommission schützen aber nach ihren Worten auch den Geldbeutel der Verbraucher: "Jeder Käufer kann sehen, dass Autos heute verbrauchsgünstiger sind als noch vor ein paar Jahren. Das kam nicht automatisch. Es liegt mit daran, dass wir Ziele in Europa vorgeben." Auch Monique Goyens, Leiterin der Europäischen Verbraucherschutzorganisation, ist des Lobes voll. Selbst wenn Autos durch spritsparende Technik möglicherweise etwas teurer würden, sei die Preisersparnis beim Benzin schon nach relativ kurzer Zeit höher.

"Das nützt Franzosen und Italienern"

Porsche-Geländewagen (Foto: Porsche)

Geländewagen made in Germany: Porsche Cayenne

Doch wichtig bei den EU-Vorgaben ist, dass nicht jedes einzelne Auto die Grenzwerte erfüllen muss. Sonst gäbe es wohl kaum noch schwere Geländewagen auf Europas Straßen. Es gilt der Flottenverbrauch eines Herstellers, also die ganze Modellpalette. Und, ebenso entscheidend: Das Gewicht eines Autos fließt in die Berechnung ein. Das heißt, schwere Wagen müssen effizient im Verhältnis zu ihrem Gewicht sein. Hedegaard findet das richtig: "Es ist wie bei zwei zu dicken Personen, die eine wiegt 160, die andere 90 Kilo. Es wäre unfair, wenn beide jeweils gleich viele Kilos abnehmen müssten. Es ist fairer, dass sie RELATIV gleich viel abnehmen müssen." Deutsche Hersteller wie Mercedes, BMW oder Porsche, die besonders viele leistungsstarke Modelle in ihrem Angebot haben, erhalten dadurch also einen gewissen Ausgleich. Der reicht aber keineswegs aus, glaubt Holger Krahmer, umweltpolitischer Sprecher der FDP im Europaparlament. Länder, die vor allem Kleinwagen produzieren, würden begünstigt: "Das nutzt vor allem französischen und italienischen Firmen und belastet deutsche."

Sparsam gleich wettbewerbsfähig

Dass das die Grünen im Europaparlament anders sehen, dürfte keine Überraschung sein. Doch auch der CDU-Abgeordnete Karl-Heinz Florenz ist gegen Zugeständnisse beim Fahrzeuggewicht, "weil dadurch nicht genügend Anreize für Leichtbau entstehen". Strenge Vorgaben würden letztlich auch den Deutschen nützen: "In der Zukunft werden sich nur effiziente Autos mit hochinnovativer Technik weltweit verkaufen. Um sie zu entwickeln, müssen wir die Autobauer fordern und nicht in Watte packen." Etwas vorsichtiger drückt sich der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber aus, in dessen Heimat immerhin BMW und Audi ihren Sitz haben: "Die Kunden verlangen heute nach sparsameren Autos als noch vor zehn Jahren, so dass, was der Markt sowieso schon verlangt, durch Gesetzgebung durchaus stärker unterstützt werden könnte." Verbraucherschützerin Goyens findet, schwere Fahrzeuge sollten einen größeren Beitrag leisten, "weil sie die Umwelt, absolut gesehen, mehr verschmutzen. Außerdem sind sie ohnehin schon teurer, die kraftstoffsparende Technik fällt also preislich weniger ins Gewicht. Und die Käuferschicht kann sich einen höheren Preis auch eher leisten."

Anrechnung von Elektroautos?

Europaabgeordneter Florenz (Foto: Büro Florenz)

CDU-Europapolitiker Florenz: "Autobauer nicht in Watte packen"

Franziska Achterberg von Greenpeace in Brüssel bemängelt zwar ebenfalls: "Der neue Vorschlag geht auf die deutschen Hersteller zu". Sie gesteht Hedegaard aber zu, wenigstens ein Stückweit dem Druck widerstanden zu haben. Der Kommissionsvorschlag geht jetzt in die Beratungen mit dem Parlament und dem Rat der Mitgliedstaaten. Und hier befürchtet Greenpeace, dass die Ziele durch eine Klausel aufgeweicht werden könnten, über die dann diskutiert werde. Danach könnten sich Hersteller die Null-Emission von Elektroautos auf ihren Flottenverbrauch anrechnen lassen, auch wenn sie die E-Autos gar nicht verkaufen.