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Sport

Kommission: UCI hat Armstrong bevorzugt

Ein Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission CIRC wirft dem Radsport-Weltverband vor, Lance Armstrong bevorzugt behandelt zu haben. Auch sonst sei der Anti-Doping-Kampf lange vernachlässigt worden.

Hein Verbruggen und Lance Armstrong

Seite an Seite: Ex-UCI-Präsident Hein Verbruggen und Doper Lance Armstrong im Jahr 2003

Der Radsport-Weltverband UCI hat den siebenmaligen Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong wiederholt bevorzugt. Das ist eine der Kernaussagen des

Untersuchungsberichts

der unabhängigen Kommission CIRC (Cycling Independent Reform Commission), die sich im Auftrag der UCI mit der Rolle des Weltverbandes bei den Doping-Problemen der Vergangenheit beschäftigt hat und Verbesserungsvorschläge für die Zukunft machen sollte.

Zwar konnte dem Bericht zufolge eine Korruption durch den inzwischen des Dopings überführten Armstrong nicht nachgewiesen werden, auch wenn dieser Zahlungen an die UCI zur Finanzierung des Anti-Doping-Kampfes geleistet habe - dennoch habe Armstong mehrfach vom Entgegenkommen des Verbandes profitiert. Die UCI habe mit den eigenen Vorschriften gebrochen, zum Beispiel, als Rezepte für angeblich zu therapeutischen Zwecken eingesetzte Medikamente nachträglich eingereicht und anerkannt wurden. Nicht nur bei Armstong im Jahre 1999, sondern auch schon zuvor beim Franzosen Laurent Brochard sei das der Fall gewesen.

Armstrong sollte den Radsport retten

Als Gründe für die Bevorzugung gibt die CIRC an, die UCI habe in Armstrong einen Hoffnungsträger gesehen, der den Radsport nach dem Festina-Skandal wieder aus der Krise führen sollte. Der US-Amerikaner sei dafür ideal geeignet gewesen mit seiner Krebs-Vergangenheit, seinen Erfolgen und dem Markt Nordamerika, den der Weltverband mit seiner Hilfe weiter erschließen wollte.

2009, nach seinem Comeback, durfte Armstrong zudem an der Tour Down Under in Australien teilnehmen, obwohl er vorher nicht über den vorgeschriebenen Zeitraum im Testpool war.

Eine Bevorzugung wurde neben Armstrong offenbar auch dem zweimaligen Tour-de-France-Gewinner Alberto Contador aus Spanien zuteil. Er sei vom positiven Dopingtest auf Clenbuterol persönlich in seinem Heimatland bei einem Treffen mit drei UCI-Funktionären informiert worden. Kontaminiertes Fleisch wurde dabei als mögliche Ursache der positiven Probe erörtert. "Die CIRC hat kein Beispiel gefunden, in dem diese Vorgehensweise auch bei anderen Fahrern angewendet wurde", heißt es in dem Bericht. Dass der Weltverband die positive Probe vertuschen wollte, konnte durch die Kommission aber nicht nachgewiesen werden.

Alberto Contador Gesamtsieg Spanienrundfahrt Vuelta a Espana

Sitzt wieder fest im Sattel: Alberto Contador nach zweijähriger Dopingsperre durch den CAS

Bei Contador waren während der Tour 2010 geringe Spuren von Clenbuterol in einer Probe entdeckt worden. Der Spanier wurde von seinem Heimatverband zunächst freigesprochen, das Urteil aber vom Internationalen Sportgerichtshof CAS kassiert und in eine zweijährige Sperre umgewandelt.

Armstrong reagierte sofort auf die Veröffentlichung des Berichts: "Ich hoffe, dass die Enthüllung der Wahrheit in eine strahlende und Doping-freie Zeit des Sports führt, den ich liebe", schrieb der US-Amerikaner auf seiner Homepage: "Ich entschuldige mich zutiefst für viele Dinge, die ich gemacht habe." Der Weltverband hatte dem ehemaligen Radstar vor gut zwei Jahren wegen Dopingvergehen unter anderem seine sieben zwischen 1999 und 2005 gewonnenen Titel bei der Tour de France aberkannt.

Kein ausreichender Wille

Insgesamt, so der Vorwurf der Kommission, habe die UCI über Jahre nur das Wachstum der Sportart im Sinn gehabt. Die Dopingproblematik habe dieses gefährdet. Die CIRC konnten nicht nachweisen, dass von Verbandsseite auch Doping wissentlich gefördert oder Doper geschützt wurden. Wohl aber hätten falsche oder fehlende Strukturen und Programme dazu geführt, dass ein rigoroser Kampf nicht stattgefunden habe.

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Das habe sich inzwischen geändert. Schon im Zeitraum von 1992 bis 2006 habe es unter dem damaligen Verbandsprädidenten Hein Verbruggen erkennbare Maßnahmen gegen Doping gegeben, auch wenn der Wille zur Veränderung insgesamt nicht groß genug war. Seit 2006 habe es ständig Verbesserungen gegeben. Durch die Einführung von Trainingskontrollen, Zielkontrollen, Blutpässen und die Beiteiligung von Teams und Veranstaltern an der Finanzierung des Anti-Doping-Kampfes sei eine klare Verhaltensänderung erkennbar. Das Anti-Doping-Programm der UCI sei, so der Bericht, im Vergleich der internationalen Verbände eines der Besten.

Die CIRC war im Januar 2014 von der UCI eingesetzt worden und sollte ihre Ergebnisse bis Ende Januar dieses Jahres vorlegen. Die Frist wurde aber um einen Monat verlängert. Die Experten führten insgesamt 177 Interviews mit UCI-Angehörigen, Team-Mitarbeitern, ehemaligen und aktiven Radrennfahrern, unabhängigen Ärzten, Verbänden, Wissenschaftlern, Anti-Doping-Organisationen, Rechtswissenschaftlern und Journalisten. Nun ist der 227-seitige Report veröffentlicht worden. An der Spitze der dreiköpfige Kommission stand der Schweizer Politiker Dick Marty, ihm zur Seite saßen der deutsche Anti-Doping-Experte und Jurist Ulrich Haas sowie der australische Strafverfolger Peter Nicholson.

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