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Kultur

Kommerzielle Integration

Vor zehn Jahren ging in Berlin Metropol FM auf Sendung: der erste kommerzielle Radiosender mit türkischem Programm. Die Skepsis war groß. Man befürchtete die mediale Ghettoisierung. Das Gegenteil ist eingetreten.

Zwei Moderatorinnen bei der Arbeit FM Foto: Kissel

Das Besondere: Hörer können beides

In den Redaktionsräumen von Metropol FM sind die deutsche und türkische Lebenswelt schon längst eng verschränkt. Im langen weißen Flur unterhalten sich Redakteure zweisprachig, an der Wand über einem Konferenztisch hängt eine Plakette des ersten deutsch-türkischen Fanclubs vom Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Redaktionsleiter Taner Şentürk sitzt vor seinem Computer und mischt Beiträge aus deutschen und türkischen Sprachschnipseln zusammen. Bei seinen Hörern kann sich Şentürk die Übersetzung der Interviews sparen. "Wir benützen beide Sprachen gleichzeitig" erklärt er. "Das ist das Besondere bei uns: Wir gehen davon aus, dass unsere Zuhörer beide Sprachen sehr gut beherrschen."

Türkisches Radio aus Deutschland

Straßenszene in Kreuzberg

"Können beides"

Vor zehn Jahren ist Metropol FM in Berlin auf Sendung gegangen. Mit 25 Mitarbeitern macht Taner Şentürk Programm für eine Hörerschaft aus der türkischstämmigen Bevölkerung der zweiten und dritten Generation. Bei seiner Gründung war es das erste rein türkischsprachige kommerzielle Radioprogramm in Deutschland. Der Sender ist ein Tochterunternehmen der Medien-Union und damit auch Teil des weitverzweigten Medien-Imperiums von Dieter Schaub. Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer kontrolliert eine ganze Reihe von Lokalradios und Regionalzeitungen und hält auch Anteile an großen Zeitungshäusern wie dem Süddeutschen Verlag.

Versorgungslücke türkische Musik

Metropol FM ist nach einer Untersuchung von Infratest der mit Abstand beliebteste Sender bei den 14-49-Jährigen Deutschtürken. Inzwischen ist er nicht mehr nur in Berlin zu empfangen, sondern auch in einigen Städten in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Potenziell richtet sich Metropol FM an mehr als 200.000 Hörer. Es ist ein Popsender, der Musik aus den türkischen Charts spielt. Dieses Musiksegment wird bei anderen Sendern fast nie bedient, ein wichtiger Grund für den anhaltenden Zuspruch. Bei türkischen Friseuren im Berliner Stadtteil Kreuzberg mit seinen Zehntausenden von Türken gehört die Metropol-FM-Berieselung zum Haareschneiden praktisch dazu.

Kommerz und Integration

am Mikrofon von Metropol FM Foto: Kissel

Taner Sentürk

Ständig werden bei Metropol FM die Zielgruppen erforscht und die Sendepläne optimiert. Das Programm darf nicht zu tiefgründig sein. Schließlich ist Metropol FM ein Privatsender und soll Geld einbringen. Die Hörerbindung macht den Sender zwangsläufig zum Integrationswerkzeug. Wer die Musik hört, erfährt auch immer wieder etwas von den Nachrichtensendungen oder bekommt durch die Veranstaltungshinweise einen Anstoß, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Dafür gibt es reichlich Lob von Bundes- und Landespolitikern.

Hörerbindung durch Emotion

Wenn Ergün über die Hörer seines Senders spricht, macht er deutlich, dass es sich um eine sehr gemischte Gruppe handelt. Ihre Wurzeln liegen in verschiedenen Teilen der Türkei, die soziale Herkunft reicht von Arbeitern bis zu Akademikern. Doch alle eint das Schicksal, in und mit zwei Kulturen gleichzeitig zu leben. Das schafft Hörerbindung. "Wir alle wissen es, wie es ist, die Oma in der Türkei zu besuchen," sagt Ergün, "wenn wir das in einer Sendung ansprechen, können sich die Hörer schnell mit uns identifizieren. Wir haben ein kollektives Gedächtnis und gemeinsame Gefühle."

Autor: Heiner Kiesel

Redaktion: Günther Birkenstock